Mittwoch, 16. Februar 2005

Der Deal wackelt: Walter-Bau-Übernahme durch Strabag ist noch nicht gesichert

  • Banken zeigen sich wegen Finanzierung noch skeptisch
  • Bieterkampf um Baukonzern Züblin zeichnet sich ab

Die Übernahme wesentlicher Teile des zusammengebrochenen Walter-Bau-Konzerns durch den österreichischen Bauriesen Strabag ist noch längst nicht in trockenen Tüchern. "Da ist immer die Frage: Welche Finanzierung bringt der Erwerber mit", hieß es in Gläubigerkreisen. Strabag werde die Transaktion wohl nicht stemmen können, ohne dass erneut ein Bankenkonsortium eingeschaltet werde. Zudem muss neben den Gläubigerbanken auch noch das Kartellamt zustimmen. Mit der Rechtskraft der Verträge rechnet der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider Anfang April. Um die Mehrheit am Baukonzern Züblin, die bisher Walter Bau hielt, zeichnet sich ein Bieter-Wettbewerb zwischen Strabag und der Familie Lenz ab, die Mitgesellschafter bei Züblin ist.

Der Strabag-Verbund will ein Geschäft mit einer Bausumme von 1,2 Mrd. Euro und 4.100 Mitarbeitern übernehmen. Die Einigung war am Dienstag verkündet worden. Die Baubranche rechnet durch die Walter-Bau-Pleite nicht mit einer Entspannung auf dem deutschen Markt. "Durch den Weggang der Firma Walter werden sich die Überkapazitäten nicht sanieren", sagte Heiko Stiepelmann vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie am Mittwoch in Berlin. Mögliche Bereinigungen würden mittlerweile immer mehr durch internationale Kapazitäten ausgeglichen. In diesem Jahr sei in Deutschland mit weiteren Insolvenzen zu rechnen.

Die Strabag-Gruppe wird künftig hier zu Lande eine dominierende Rolle spielen, wenn die Übernahme der Walter-Bau-Teile gelingt. Grundsätzlich wird der Abschluss mit Strabag in Gläubigerkreisen positiv bewertet. "Wenn das Geschäft so hält, dann ist es sicherlich ein großer Erfolg." Allerdings gebe es bei den Gläubigern eine gewisse Unzufriedenheit über die Informationspolitik des vorläufigen Insolvenzverwalters Schneider. Dieser habe noch nicht viele Details präsentiert.

Bieterkampf um Züblin zeichnet sich ab
Weiter spannend ist die Entwicklung bei Züblin. Die Familiengesellschafter von der Familie Lenz setzen auf die Hilfe des US-Finanzinvestors D.B. Zwirn. Die beiden Partner wollen in den kommenden Tagen Verhandlungen führen, um die Mehrheit an Züblin zu erwerben, teilte die Familie Lenz in Stuttgart mit. Die Familie Lenz, die schon seit 1910 am Aufbau von Züblin beteiligt ist, besitzt 43 Prozent der Aktien und hat gleich nach der Pleite der Walter Bau-AG ihr Interesse an einer Mehrheit an dem Stuttgartern Baukonzern signalisiert.

Gespräche mit dem Insolvenzverwalter und den beteiligten Banken seien bereits aufgenommen worden. "Mit D.B. Zwirn haben wir den idealen starken Partner gefunden. Die Neuordnung in der deutschen Bauindustrie soll künftig von Stuttgart aus aktiv mitgestaltet werden", sagte Ruth-Ilse Lenz. Durch die Partnschaft mit Zwirn werde auch der Handlungsspielraum für Züblin substanziell größer.

Allerdings ist auch Strabag an der Züblin-Mehrheit interessiert. Strabag übernimmt im Rahmen des Kaufs der Walter-Bau-Aktivitäten fünf Prozent des Walter-Anteils an Züblin. Die restlichen 48 Prozent sind an die BayernLB als Sicherheit verpfändet worden Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner hatte am Dienstag gesagt, es gebe positive Signale der Landesbank.

(apa/red)

16.2.2005 16:32