Handel mit schwacher Bilanz 2004: Im letzten Jahr realer Umsatzrückgang
- Kundenfrequenz ging um einen Prozentpunkt zurück
- Schlechtes Jahr für Buch- und Textilhandel
Der heimische Handel befindet sich "in wahnsinigem Umbruch". So umschrieb heute der Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Erich Lemler, die nicht gerade rosige Situation im Einzelhandel. 2004 war bereits das vierte Jahr in Folge mit einem realen Umsatzminus. Und obwohl die Zahl der Betriebe mit rund 54.000 in etwa gleich geblieben ist und die Beschäftigung sogar um 1,2 Prozent auf 239.000 zugenommen hat, wird immer deutlicher, dass derzeit nur Handelsketten mit ausreichend Filialen wirklich eine Chance haben.
2004 stagnierte der Umsatz des Einzelhandels bei 40,9 Mrd. Euro, geht aus der jüngsten Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria hervor. Real - also bereinigt um die Preissteigerungen - mussten die Händler sogar einen Rückgang von 0,9 Prozent hinnehmen. Mit Preissteigerungen von im Schnitt 0,9 Prozent - verglichen mit einer generellen Inflationsrate von 2,1 Prozent - erweise sich der Handel entgegen aller Kritik auch als Preisstabilisator, argumentiert Lemler. Nominelle Zuwächse gab es nur in den Sommermonaten, allerdings vor allem weil im Jahr davor, 2003, hitzebedingt weniger gekauft worden war.
Das größte Plus gab es im abgelaufenen Jahr - nominell - in den Baumärkten mit plus 3 Prozent und im Möbelhandel mit plus 2,9 Prozent. KMU-Handelsexperte Peter Voithofer führt das auf einen gewissen Nachholbedarf bei langlebigen Konsumgütern zurück. Auch Schuhgeschäfte setzten 2004 um 2,9 Prozent mehr um. Grund dafür war vor allem der kurze, heftige Wintereinbruch im November der die Umsätze der Schuhbranche zu Saisonbeginn gleich um 30 Prozent nach oben schnellen ließ. "Wahrscheinlich haben die Menschen auch bei Winterstiefeln einen gewissen Nachholbedarf gehabt", sinnieren die Handelsforscher.
Schlechtes Jahr für Buch- und Textilhandel
Auffallend große Rückgänge verzeichneten Buchhändler (-1,4 Prozent), der Bekleidungshandel (-1,9 Prozent) und vor allem der Spielwarenhandel mit -2,3 Prozent. Der Lebensmittelhandel setzte laut Konjunkturbeobachtung um 0,6 Prozent weniger um - real sogar um 2,6 Prozent.
Fortgesetzt hat sich der Trend zum Einkauf in größeren Geschäften mit mehr als 2 Mio. Euro Umsatz. Nur diese konnten ein nominelles Umsatzplus erzielen, während alle anderen mit weniger Geld in den Kassen das Jahr 2004 beendeten. Klar im Vorteil auch hier die Filialisten bzw. Standorte in Einkaufszentren. Deren Umsätze stiegen nominell um 0,5 Prozent bzw. 2 Prozent.
Die Kundenfrequenz ging im vergangenen Jahr neuerlich zurück - im Schnitt um 1 Prozent. Auch hier schnitten die Filialisten und Shoppingcenter besser ab. Dort blieb der Kundenansturm gleich bzw. stieg um 1 Prozent. Die großen Zentren profitieren von der höhere Mobilität. Die Österreicher legen im Schnitt zunehmend höhere Entfernungen zurück, um sich mit den Objekten ihrer Begierde preisgünstig einzudecken.
Weihnachtsgeschäft konnte Ergebnis nicht retten
Auch das Weihnachtsgeschäft konnte das Jahres-Ergebnis 2004 nicht retten. Das Minus in der Weihnachtsgeschenke-Saison von 5 Prozent, das es zum letzten Beobachtungsstichtag am 18. Dezember noch gegeben hatte, wurde zwar aufgeholt, das erhoffte kleine Plus gab es allerdings nicht. "Das Christkind hat sein Tempo in den letzten Tagen vor Weihnachten etwas verlangsamt", so Voithofer.
Nun liegen die Hoffnungen der Branche - wie schon in den Jahren davor - wieder auf dem "neuen" Jahr. Lemler rechnet 2005 mit einem nominellen Umsatzzuwachs von 1 bis 1,5 Prozent, vor allem wegen der Steuerreform, aber auch den Zuwächsen bei Löhnen und Gehältern.
Zeiten hoher Zuwachsraten sind vorbei
Generell glaubt Lemler aber, dass die Zeiten hoher Zuwachsraten vorbei sind. Der Handel habe sich eine "Marktmacht und Position erwirtschaftet und hält diese auch ziemlich stabil", die Konkurrenz aus anderen Bereichen wie Reisen oder Sport sei aber enorm. Zusätzlich ortet er Veränderungen im Konsumentenverhalten - Stichwort: Vormarsch der Diskonter -, aber auch in der Bevölkerungsstruktur. Keinen Änderungsbedarf sehen die Händler derzeit bei den Öffnungszeiten.
Wie wichtig der gesamte Handel (Einzel-, Groß- und Kfz-Handel) für die österreichische Wirtschaft ist, versuchten die Branchenvertreter mit weiteren Zahlen zu verdeutlichen. Der Handel ist mit 35 Prozent Anteil am Umsatz und rund 73.800 Unternehmen die Nummer 1 in der marktorientierten Wirtschaft, mit 530.000 unselbstständig Beschäftigten in allen Händler-Kategorien der zweitgrößte Arbeitgeber. Mit insgesamt 159 Mrd. Euro Umsatz stellt diese Branche 17 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung marktorientierter Betriebe im Land. (apa/red)
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