Streit bei BA-CA wird härter: Belegschaft hält am Montag Betriebsversammlungen ab!
- Auch Abhaltung von Streiks soll dabei diskutiert werden
- Keine Einigung bei Gesprächen zu Dienstrechtsreform
·AUA-Versammlung:
Stimmung aufgeheizt
Betriebsrat kündigt weitere Info-Veranstaltungen an
Der Streit bei der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) über die geplante Dienstrechtsreform eskaliert zusehends: Für Montag kommender Woche hat der Betriebsrat um 8.15 Uhr zu österreichweiten Betriebsversammlungen geladen. Dabei sollen nach Meldungen aus Insider-Kreisen auch Kampfmaßnahmen diskutiert werden. Streiks werden explizit nicht mehr ausgeschlossen!
In den Mitarbeiterveranstaltungen in allen Bundesländern soll die "weitere Vorgangsweise" beraten werden, erklärte die Vorsitzende des Bank Austria-Betriebsrats, Hedwig Fuhrmann, am Mittwoch. Für Montag ist auch eine Pressekonferenz der Arbeitnehmervertretung geplant. Da werden die Beschlüsse der Betriebsversammlungen bekannt gegeben.
Auch Streiks nicht ausgeschlossen!
Bei den Betriebsversammlungen dürften auch Arbeitskampfmaßnahmen thematisiert werden. Und auch dass es in den Debatten dort in Richtung Streiks laufen könnte, sei nun nicht ausgeschlossen, verlautete aus informierten Kreisen der Arbeitnehmerschaft am Mittwoch zur APA.
Schon bei der ersten großen Betriebsversammlung im Oktober hatte die Gewerkschaft 100prozentige Unterstützung für alle Entscheidungen der Betreibsversammlungen signalisiert, bis hin zum echten Arbeitskampf in Form von Streiks.
Vorstand hält an Plänen fest
Der Vorstand der BA-CA hält auch nach dem am Dienstag neuerlich gescheiterten Einigungsversuch mit dem Betriebsrat an seinem Plan fest, die Gehaltskurven rasch flacher zu machen, um die steigenden Personalkosten in den Griff zu bekommen. Der Betriebsrat pocht hier auf längere Übergangsfristen. Weit auseinander sind die Verhandler auch bei der de-facto-Unkündbarkeit (Definitivum). Ein vom Vorstand gesetzes allerletztes Ultimatum läuft nun am 28. Februar ab. An dem Tag tritt auch der Aufsichtsrat zusammen.
Verständnislos äußerte sich am Mittwoch BA-CA-Chef Erich Hampel über die bisher unnachgiebige Position des Betriebsrats in mehreren großen Streitpunkten. Und Hampel warnte: "Wir produzieren zu teuer." Er müsse "energisch gegensteuern". Es gehe um die Sicherung von 10.000 Jobs.
Noch kein Durchbruch
Zum jüngsten vereinbarten Termin (Deadline war Dienstag Mitternacht) gab es jedenfalls keinen Durchbruch. Gegen 22 Uhr ging man ohne Verständigung auseinander. Der Vorstand räumt zwar ein, dass es in einer "Vielzahl" offener Punkte Annäherung gegeben habe. Doch "wesentliche Fragen sind ungelöst": vor allem die Themen "zusätzliche Definitivstellungen" und "neues Gehaltsschema". Das Management bot dem Betriebsrat nun an, "in den kommenden Tagen doch noch zu einer Einigung zu kommen, die man am 28. Februar dem Aufsichtsrat vorlegen und zum 1. April 2005 umsetzen wird", wie es in einem Kommunique des Vorstands am Mittwoch Vormittag heißt.
"Wir produzieren zu teuer"
Die Dienstrechtsreform zielt laut Vorstand darauf ab, die führende Position der BA-CA in Österreich zu festigen und die Arbeitsplätze von 10.000 Mitarbeitern zu sichern. Hampel: "Wir sind in Österreich gut aufgestellt. Wir haben passable Ergebnisse. Aber wir produzieren zu teuer, und wenn wir uns den BA-CA-Konzern ansehen, dann steht eines fest: Die Ertragsdynamik kommt aus Zentral- und Osteuropa, die Kostendynamik aus Österreich."
Die Vorwürfe an Fuhrmann & Co: "Bis heute besteht der Betriebsrat unverändert darauf, dass noch mehr als 2.000 Mitarbeiter de facto pragmatisiert werden." Und, so kritisiert der Vorstand, beim Gehaltsschema soll es nach Vorstellungen des Betriebsrats erst nach 7 bis 10 Jahren, zu einer ersten leichten Abflachung der automatischen Gehaltssteigerung kommen. Das aber, so das Management, hätte zur Folge, dass durch die jährlichen, automatischen Vorrückungen die Kostenschere im Vergleich zu den Mitbewerbern in Zukunft weiter aufgehe. Bereits jetzt liege der Personalaufwand pro Mitarbeiter in der BA-CA um bis zu 50 Prozent über dem Niveau der Konkurrenz. Der Vorstand wolle "moderate" automatische Gehaltssteigerungen und die Mitarbeiter mit Bonuszahlungen am Bank-Erfolg beteiligen.
Für Vorstandschef Hampel "ist es uns unmöglich, die Position des Betriebsrates zu verstehen". Wolle die Bank weiterhin so erfolgreich sein wollen wie bisher, "müssen wir hier energisch gegensteuern. Alles andere wäre unternehmerisch fahrlässig." Der Betriebsrat wurde deshalb aufgefordert, bis Monatsende ein Verhandlungsergebnis anzustreben.
(apa/red)
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