Dienstag, 15. Februar 2005

Strabag schluckt Großteil von Walter Bau: Baukonzern wird aufgespalten!

  • Rund 3.000 Mitarbeiter in Deutschland verlieren Job
  • 1,2 Mrd. Volumen & 4.100 Beschäftigte an Haselsteiner

Nur zwei Wochen nach der Insolvenz der Walter Bau wird der Augsburger Baukonzern aufgespalten und zu großen Teilen an den österreichischen Bauriesen Bau Holding Strabag verkauft. Mit der Übernahme des Kerngeschäfts im Volumen von 1,2 Mrd. Euro sollen 4.100 Arbeitsplätze gerettet werden, kündigte Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner am Dienstag an.

Der vorläufige Insolvenzverwalter der Walter Bau, Werner Schneider, erklärte jedoch, dass bei dem gesamten Augsburger Konzern insgesamt nur 6.000 der 9.200 Arbeitsplätze eine Chance auf Erhalt hätten. Kaufpreis für den Deal wurde keiner genannt.

Vor allem bei der Muttergesellschaft Walter Bau AG werden demnach voraussichtlich zwei Drittel der rund 4.000 Mitarbeiter ihre Stellen verlieren. "Dass mit einer Bauinsolvenz der Verlust von Arbeitsplätzen verbunden ist, liegt auf der Hand", sagte Schneider mit Blick auf die Überkapazitäten der Branche. "Das ließ sich auch in diesem Fall nicht vermeiden." Betriebsratschef Karl Bauer zeigte sich enttäuscht: "Natürlich sind wir nicht zufrieden, wenn 3.000 Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren", betonte er und kündigte Verhandlungen an.

Mit der Aufspaltung des Augsburger Baukonzerns werden unter anderem der Verkehrswegebau Walter Heilit, das internationale Geschäft und das operative Baustellengeschäft mit den Aufträgen im Bereich Schlüsselfertig- und Ingenieurbau von Strabag aus dem Geschäft der Walter Bau übernommen. Die Konzerntochter DSI ist nicht Teil des Geschäfts. Der als lukrativ geltende Tunnelbauspezialist mit seinen knapp 1.000 Beschäftigten soll über eine Investmentbank verkauft werden, da es eine große Zahl von Kaufinteressenten gebe, sagte Schneider. Der Masseverwalter soll sich einen Erlös von bis zu 150 Mio. Euro aus dem Verkauf erwarten.

Strabag-Konzernchef Haselsteiner bekundete sein Interesse an einer "industriellen Lösung" mit der Stuttgarter Baufirma Züblin, an deren vollständiger Übernahme die Walter Bau im vergangenen Dezember gescheitert war. Die Strabag hat im Rahmen des Deals mit dem Masseverwalter auch einen strategisch wichtigen knapp 5-prozentigen Anteil an Züblin erworben. Sollte es zu einem Einverständnis kommen, könnte Züblin in die Verschmelzung zwischen Strabag Deutschland und den Walter Bau Gesellschaften einbezogen werden.

Sollte es zu keiner Übereinkunft mit den Züblin-Aktionären und damit einer "großen Lösung" kommen, wird nur die erworbene Dywidag Holding in den Konzern integriert bzw. mit der deutschen Strabag Köln zusammengeführt. Dies werde "kurzfristig, spätestens mittelfristig" passieren. Um den Deal zu finanzieren, will Haselsteiner die Tranchen des laufenden Unternehmensbond-Programms von bisher 50 auf 75 Mio. Euro (jährliches Emissionsvolumen) erhöhen. Sollte eine Einigung mit Züblin erfolgen, könne dies eventuell über einen share deal (Aktientausch) bewältigt werden, deutete der Strabag-Chef bei einer Pressekonferenz in Wien an.

Neben dem Umstand, bei Züblin nun einen Fuß in der Türe zu haben, hob Haselsteiner den Erwerb der Heilit Verkehrswegebau (rund 500 Mio. Euro Umsatz) als besonderen Vorzug des Deals hervor. Die Aktivitäten der Heilit im schweren Straßenbau seien eine "perfekte Ergänzung" zu den diesbezüglichen Aktivitäten der Strabag.

Die Strabag komme mit den bereits fixierten Zukäufen von Walter Bau " ihrem Ziel, zu einem der führendem europäischen Baukonzerne zu werden, einen entscheidenden Schritt voran", sagte Konzernchef Haselsteiner. Der österreichisch-deutsche Konzern liegt heute - je nach Ranking - an Stelle fünf bzw. sechs der europäischen Baukonzerne. Rein nach den in Europa gemachten Umsätzen betrachtet, liegt die Gruppe bereits auf dem dritten Platz, hinter der französischen Vinci und der schwedischen Skanska. Die deutsche Hochtief ist auch umsatzstärker, macht aber den Großteil ihrer Geschäfte außerhalb von Europa.

Ein erneuter Börsegang des Gesamtkonzerns sei derzeit nicht aktuell, sagte Haselsteiner. Die Bau Holding Strabag hatte sich vorvergangenes Jahr von der Wiener Börse zurückgezogen. Davon unabhängig notiert der deutsche Konzernteil, die Strabag Köln, an der deutschen Börse. (apa/red)

15.2.2005 18:31