Nach Scheidung von GM: Für Italiens Auto-Traditionsmarke Fiat beginnt eine neue Ära
- Die Suche nach gezielten Partnerschaften ist offen
- Aktien des Turiner Autobauers boomen an der Börse
·Streit zwischen GM & Fiat ist beendet
US-Autoriese zahlt Turiner Konzern 1,55 Mrd. Euro!
Nach einem mehrmonatigen Nervenkrieg mit dem amerikanischen Partner General Motors (GM) beginnt für Fiat eine neue Ära. Der Turiner Autobauer hat sich am Sonntagabend offiziell vom Detroiter Autoriesen getrennt, mit dem Fiat im Jahr 2000 eine strategische Partnerschaft eingegangen war. 1,55 Mrd. Euro muss GM zahlen, um sich von der sogenannten Put Option zu befreien, die es dem Fiat-Konzern ermöglicht, die restlichen 90 Prozent seiner seit Jahren in der Verlustzone operierenden Personenwagentochter Fiat Auto an den amerikanischen Autokonzern zu verkaufen.
Mit dieser Scheidung im gegenseitigen Einvernehmen können beide Konzerne ein aufreibendes Gerichtsverfahren vermeiden. Auch nach der Auflösung der Gemeinschaftsunternehmen wird GM aber die von Fiat entwickelte Dieseltechnik teilweise nutzen können; und der Detroiter Konzern wird immerhin am Werk im polnischen Bielsko-Biala, wo 1,3-Liter-Diesel-Motoren hergestellt werden, zu 50 Prozent beteiligt bleiben. Von der 1,55 Mrd. Euro hohen "Abfindung" soll GM 1 Mrd. Euro sofort und den Rest bei Auflösung der Joint Ventures, das heißt voraussichtlich in 90 Tagen, zahlen.
"Für uns beginnt ein neues Kapitel. Wir haben jetzt die notwendige Freiheit zur Entwicklung neuer strategischer Alternativen für Fiat Auto zurückgewonnen", frohlockte Fiat-Präsident Luca Cordero di Montezemolo. Fiat sei zu industriellen Partnerschaften mit anderen Autokonzernen bereit. "Wir werden künftig gezielte Allianzen abschließen. Allumfassende Allianzen funktionieren nicht, weil sie einem Verkauf gleichen", fügte Fiats Geschäftsführer Sergio Marchionne hinzu.
Montezemolo erleichtert: "Jetzt können wir an Fiats Zukunft denken"
Di Montezemolo erklärte sich weiters über die Trennung vom amerikanischen Partner zufrieden. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Jetzt können wir in die Zukunft blicken und nicht nur über finanzielle Probleme, sondern auch über neue Produkte, Kunden und Märke diskutieren. Uns steht ein wichtiges Jahr bevor. Neue Modelle der Gruppe Alfa Romeo kommen auf den Markt, wir dürfen uns diese Wachstumschance nicht entgehen lassen", so Montezemolo nach Angaben italienischer Medien vom Montag.
Montezemolo betonte, dass Fiat nach der Trennung von GM nach neuen industriellen Partnerschaften suchen werde. "Wir sind jetzt bei der Suche nach industriellen Partnerschaften vollkommen frei", meinte der Fiat-Chef.
Montezemolo rief die Gewerkschaften zu Verantwortung auf. "Jetzt müssen wir zusammen arbeiten. Für die Belegschaft ist die Trennung von GM wichtig. Die Arbeitnehmer sind der größte Reichtum des Unternehmens", so Montezemolo.
Bildung eines Luxuspools
Dazu könnte unter anderem die Bildung eines neuen Luxuspools gehören: Seit langem wird daran gedacht, die Fiat-Automarke Alfa Romeo mit Maserati zusammenzulegen. Die Sportwagenschmiede gehört zur ebenfalls von Fiat kontrollierten Ferrari-Maserati-Gruppe. "Es ist möglich, dass es zwischen Alfa und Maserati eine konkrete Zusammenarbeit geben wird", meinte Marchionne.
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi begrüßte die Einigung zwischen Fiat und GM. "Fiat öffnen sich neue Entwicklungsperspektiven", sagte Berlusconi. Auch die Gewerkschaften zeigten sich mit dem Abkommen zufrieden. "Die Einigung ist positiv, die Regierung muss aber Fiat unterstützen, damit der Konzern einen Ausweg aus dieser schwierigen Phase findet", so der Chef des Gewerkschaftsverbands CGIL, Guglielmo Epifani.
Die Mailänder Börse reagierte positiv auf die Trennung zwischen Fiat und GM. Bei Verhandlungsbeginn meldeten die Fiat-Aktien in Mailand ein Wachstum von 8,7 Prozent.
Mit der Trennung von GM sind jedoch Fiats Probleme nicht gelöst. Angesichts der dramatischen Finanzlage des größten italienischen Konzerns dürfte die Milliarden-Finanzspritze aus Detroit bereits in wenigen Monaten aufgebraucht sein. Allein für 2004 werden die Verluste von Fiat Auto auf bis zu 1,3 Mrd. Euro geschätzt.
(apa)
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