Intercell: Große Wachstumschancen und zahlreiche Risikofaktoren durch Börsegang
- Emissionsvolumen von 57,4 bis 72,3 Mio. Euro erwartet
Das Wiener Impfstoffunternehmen Intercell, das voraussichtlich am 28. Februar erstmals an der Wiener Börse notiert, bescheinigt sich selbst große Wachstumschancen und eine gut gefüllte Pipeline mit neuen Impfstoffen. Der globale Impfstoffmarkt, der sich 2003 auf 8 Mrd. US-Dollar (6,2 Mrd. Euro) belief, werde bis 2009 jährlich um 9 Prozent wachsen, erwartet der für das operative Geschäft verantwortliche Vorstand (COO) Gerd Zettlmeissl. Intercell sei besonders in jenem Bereich gut aufgestellt, wo es bisher noch keine Impfstoffe gibt.
Das Geschäftsmodell besteht aus zwei Säulen: "Wir entwickeln eigene Produkte und suchen zugleich strategische Partner für Produkte, die wir nicht selber herstellen wollen", erläuterte Finanzvorstand Werner Lanthaler am Montag vor Journalisten in Wien. Zu diesen Partnern gehören Pharma-Riesen wie Sanofi-Aventis oder Merck. Die "Kronjuwelen" - wie Impfstoffe gegen Hepatitis C und Japan-Enzephalitis, die 2007 auf den Markt kommen sollen - "wollen wir aber selbst behalten", so Lanthaler. Diese Produkte werden in einer eigenen Fertigungsanlage in Schottland hergestellt.
Im Jahr 2007 will das 1998 gegründete Unternehmen, das in drei Finanzierungsrunden insgesamt 100,5 Mio. Euro an Risikokapital mobilisiert hat, erstmals Gewinne schreiben. Bisher gab es operativ nur Verluste, vorläufigen Angaben zufolge stieg der Nettoverlust 2004 auf 20,3 Mio. Euro nach - 15,8 Mio. Euro im Jahr davor. Der Umsatz stieg auf 3,4 Mio. Euro. Seit Gründung des Unternehmens steht kumulierten Umsätzen von 4,7 Mio. Euro ein Gesamtverluste von 69 Mio. Euro gegenüber.
"Das ist das weltweite Geschäftsmodell von Biotech-Unternehmen", sagte Lanthaler, der auf Branchenpioniere wie Amgen oder Serono verwies. Unüblich in der Branche sei dagegen der vergleichsweise hohe Umsatz. "Investieren in das Prinzip Hoffnung", stimmte Zettlmeissl einer Journalisten-Einschätzung zu, aber es handle sich um eine sehr konkrete Hoffnung. Lanthaler spricht lieber vom "Prinzip Wertschöpfung", da die Marktreife insbesondere beim Impfstoff gegen die Japan-Enzephalitis bereits in Reichweite sei. Das weltgrößte Biotech-Unternehmen Amgen habe vor 25 Jahren noch nicht existiert, heute übertreffe die Marktkapitalisierung mit über 70 Mrd. Dollar (54 Mrd. Euro) jene aller Titel an der Wiener Börse, rechnete Lanthaler vor.
Intercell bietet im Zuge seines Börseganges bis zu 8,5 Millionen neue Aktien zu einem Angebotspreis von 6,75 bis 8,50 Euro pro Aktie an. Damit erwartet das Biotechunternehmen ein Emissionsvolumen von 57,4 bis 72,3 Mio. Euro. Der Emissionserlös wird in die weitere Entwicklung und Vermarktung der Produktkandidaten und die weitere Entwicklung der eigenen Technologien fließen. Die Angebotsfrist läuft von heute, Montag, bis 25. Februar. Der Handelsstart erfolgt voraussichtlich am 28. Februar im Amtlichen Handel der Wiener Börse im Segment Prime Market. (apa/red)
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