Donnerstag, 17. Februar 2005

Ein Fall für das Ethik-Komitee: Rapid leitet ein Verfahren gegen Austria Magna ein!

  • Rapid-Boss Edlinger will, für "fairen Wettbewerb" sorgen
  • Tirol-Prozess: Svetits-Aussagen als Stein des Anstoßes

Rapid geht als Herbstmeister und Winterkönig in die Frühjahrssaison, doch Grün-Weiß sieht sich darüber hinaus noch viel mehr als letzter Einzelkämpfer im Liga-Reich von Bundesliga-Chef und FK Austria Magna-Mäzen Frank Stronach. Frei nach der Devise "Rapid gegen Stronach, Stronach gegen Rapid" kündigte Vereinspräsident Rudolf Edlinger am Mittwoch bei der Saisonstart-Pressekonferenz eine Klage beim Ethik-Komitee der Bundesliga an: "Es sind zwei massive Verstöße gegen die Satzungen der Bundesliga passiert und ich fühle mich verpflichtet, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen, darum muss sich das Ethik-Komitee mit dieser Causa befassen."

Gemeint waren die Aussagen von Ex-Austria Magna-Sportdirektor Peter Svetits vor dem Innsbrucker Arbeitsgericht. Dieser hatte am Dienstag beim Prozess gegen die ehemaligen Bosse des FC Tirol als Zeuge bestätigt, dass Stronach den Tirolern geholfen hätte und mit 50 Millionen Schilling als Sponsor eingestiegen wäre, falls sie die Lizenz bekommen hätten. Dazu hätte FK Austria Magna dem FC Tirol teure Spieler abgekauft. Weiters gestand Svetits unter Eid, dass die Tiroler von der Austria bis zu acht Spieler bekommen hätten, deren Gehalt aber weiterhin die Wiener bezahlt hätten. "Das ist das Gleiche, das wir dann mit der Admira gemacht haben", hatte der ehemalige Magna-Sportchef zugegeben.

"Wenn das Prinzip der Unabhängigkeit nichts zählt, dann soll es die Bundesliga sagen. Es kann doch nicht sein, dass ein Verein mehrere Spieler eines anderen Klubs bezahlt. Wenn es die anderen Vertreter in der Liga nicht stört, dann ist das deren Sache, aber ich finde diesen Zustand beklemmend", so Edlinger. "Was ist das für ein Wettbewerb, wenn man nicht gegen einen, sondern gegen zwei oder drei Klubs mit den Spielern eines Vereins spielt", bezog sich der Ex-Finanzminister auf die Tatsache, dass u.a. bei der Admira oder Sturm Graz Spieler im Einsatz sind oder waren, die weiterhin auf der Gehaltsliste der Austria standen bzw. stehen.

Mit dem höchsten Zuschauerschnitt seit Jahrzehnten (über 12.000 Fans kamen im Herbst pro Spiel ins Hanappi-Stadion) und einem neuen Abo-Rekord wird der "andere Weg" des SK Rapid aber zumindest von der Öffentlichkeit honoriert. "Wir sind die einzige Marke, die sauber ist", formulierte es Rapid-Manager Werner Kuhn und Sportdirektor Peter Schöttel stellte klar: "Wir haben einen Weg begonnen und gehen diesen auch zu Ende. Für die Anhänger und den Verein ist es viel schöner, wenn wir junge Eigenbauspieler bis in die Nationalmannschaft bringen und sie dann für das Ausland interessant werden. Die Jungen sind unser Kapital."

Vizemeister Austria Magna hat die von Rudolf Edlinger angekündigte Klage strikt zurück gewiesen. Markus Kraetschmer, der Klubmanager der Violetten, bezeichnete die Vorgangsweise des Ex-Politikers als "stillos". Wenn er, Kraetschmer, so etwas hören sollte, dann würde er das Vier-Augen-Gespräch suchen und den Weg über die Medien wählen. (apa)

17.2.2005 15:55