Wettskandal in Deutschland: DFB schafft Präzedenzfall mit Spiel-Wiederholung!
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Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs muss ein Spiel wegen krimineller Machenschaften wiederholt werden. Im Zuge des Wett- und Betrugsskandals ordnete das DFB-Sportgericht am Dienstag die Neuansetzung der von Schiedsrichter Robert Hoyzer für 30.000 Euro verschobenen Zweitliga-Partie zwischen LR Ahlen und dem SV Wacker Burghausen (1:0) an und schaffte damit einen Präzedenzfall.
Außerdem wurde mit Dominik Marks ein zweiter Schiedsrichter gesperrt. Dem 24-jährigen erliner wird zur Last gelegt, "mit Kunden von Wettbüros Verabredungen zur Manipulation von Spielen der 2. Bundesliga und der Regionalliga getroffen zu haben".
Dem DFB liegen zwölf weitere Einsprüche vor
Während Franz Beckenbauer den Countdown für die Fußball-WM 2006 nicht nur durch die Schiedsrichter-Affäre sondern auch durch Spannungen in der Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gefährdet sieht, sorgte das DFB-Sportgericht für klare Verhältnisse. "Es ist bewiesen, dass vor dem Spiel eine Manipulationsabrede stattgefunden hat und dass auf das Spiel gesetzt worden ist", begründete der Vorsitzende, Rainer Koch, nach der rund dreieinhalbstündigen Verhandlung in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main das Urteil. Zudem wies Koch nach dem Musterprozess darauf hin, dass man in den noch ausstehenden Fällen - dem DFB liegen weitere zwölf Einsprüche vor - eine Linie beibehalten müsse.
Ausschlaggebend war das Geständnis Hoyzers, der mit einem höchst umstrittenen Handelfmeter sowie einer daraus resultierenden Gelb-Roten Karten Ahlen den Sieg beschert hatte. Der in Untersuchungshaft sitzende Ex-Referee hatte sowohl vor der Staatsanwaltschaft in Berlin als auch bei einer Vernehmung durch das DFB-Sportgericht die Manipulation der Partie zugegeben: "Hätte ich mich nicht durch meinen wirtschaftlichen Vorteil beeinflussen lassen, hätte ich nicht Elfmeter gepfiffen."
DFB-Spitze in der Krise
Der Skandal stürzt auch die DFB-Spitze in die Krise. "Die Arbeit bleibt liegen, wir tun nix anderes, als einen Brand nach dem anderen zu löschen", polterte ein verärgerter Beckenbauer in Berlin in seiner Rolle als Präsident des WM-Organisationskomitees. Zugleich griff er die Konstellation der Doppelspitze mit Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und dem Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger heftig an: "Wir haben festgestellt, dass die Doppelfunktion an der DFB-Spitze nicht funktioniert", sagte Beckenbauer. "Es kann nicht funktionieren, man vergeudet viel zu viel Kraft."
Die Konflikte zwischen Mayer-Vorfelder und Zwanziger waren bei einer Präsidiumssitzung am Wochenende offen ausgebrochen. Mayer-Vorfelder fühlte sich ausgebootet, weil er im Gegensatz zu Zwanziger nicht zu der im Schiedsrichter-Skandal aktiven Task Force gehört. Erst das Theater mit der Trainerfindungskommission, dann das Schiedsrichter-Thema, schimpfte Beckenbauer. Wenn vor der WM noch etwas passiere, "dann können wir zusperren".
Aktuell hat der DFB für die Staatsanwaltschaft Berlin eine Liste mit allen 63 Spielen seit dem 1. Jänner erstellt, an denen der in Untersuchungshaft sitzende Hoyzer beteiligt war. Neben Meisterschafts- und Pokalspielen handelt es sich auch um ein Freundschafts- und ein Hallenturnier.
Immer mehr Personen und Spieler in Verdacht
Inzwischen geraten immer mehr Personen und Spieler in Verdacht. So soll die Staatsanwaltschaft auch Hoyzers Vater Peter vernommen haben, der früher als Mannschaftsleiter beim FC Sachsen Leipzig tätig gewesen ist. Mit der Partie Hansa Rostock gegen Middlesbrough vom 31. Juli 2004 (3:1) soll Hoyzer erstmals auch ein Freundschaftsspiel für 1.00 Euro manipuliert haben. (apa)
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