Mittwoch, 16. Februar 2005

Runder Geburtstag für ein Nervenbündel: Gustl Starek wechselt in den "60-er-Klub"

  • Größte und bitterste Stunde lagen ganz eng beisammen
  • Zehn Stationen als Spieler und Trainer absolviert

Im Gegensatz zu seinen früheren, aktiven und vor allem temperamentvollen Fußball-Zeiten ist es um August Starek zuletzt ruhiger geworden. Mit einem imaginären "Transfer" ruft er sich jetzt aber wieder in Erinnerung. Der Wiener wechselte in den "60er-Klub", feierte seinen 60. Geburtstag. Mit seiner Lebensgefährtin und fern der Heimat begeht er im warmen Florida sein rundes Jubiläum.

Der "Gustl", wie ihn seine Freunde rufen, war auf und neben dem Grünen Rasen stets ein Mann, der die Emotionen der Fans und Kollegen im positiven wie im negativen Sinne weckte, auch mit seinen regelmäßigen Eskapaden ebenso polarisierte und mit unzähligen Geldstrafen diverse Kassen "sponserte". Stichwort: Hosen-Runter-Affäre in Innsbruck oder Schiri-Watschn in der Wiener Stadthalle in den 70er-Jahren.

Angefangen hat alles in elften Wiener Bezirk, wo der junge Starek mit dem SC Simmering 1965 den Aufstieg in die damalige Staatsliga schaffte. "Ich habe dort die meisten Tore erzielt, auf mich aufmerksam gemacht, das war entscheidend für meine weitere Karriere", erzählt der einstige "Schwarze Gustl", der dann von Rapid geholt wurde und später zum 1. FC Nürnberg übersiedelte. "Dort hat mich Max Merkel vom Stürmer zum Mittelfeldspieler umgemodelt. Vom vielen laufen bin ich so müde geworden, dass ich nicht mehr so oft traf."

1968 folgte er dem Ruf des großen FC Bayern, wo seine größte und bitterste Stunden zeitlich eng beisammenlagen. "Nach Rapid und dem Club habe ich in München zunächst den dritten Titel in Serie und dazu das Double gewonnen." Doch im ersten Spiel der neuen Saison gegen RW Essen passierte Einschneidendes. Durch einen Kreuzbandriss und Meniskusschaden im rechten Knie wurde der damals 24-Jährige auf den harten Boden zurückgeholt. "Danach war war ich nie wieder der Alte, körperlich nicht mehr so belastbar, brachte bestenfalls 60 Prozent."

Zehn Stationen als Spieler und Trainer
Nach langer Verletzungspause wurde Starek von den Bayern an Rapid verliehen, ehe es später wieder nach Nürnberg ging. Für ihn spricht aber, dass er 18 seiner insgesamt 22 Länderspiele (vier Tore) nach dem Comeback bestritt. 1972 kehrte der Wiener den Franken den Rücken, spielte bis zu seinem Karriereende (1979/80) noch für den LASK, Rapid, Wr. Sportclub und Vienna. Als Trainer begann er in Salzburg und brachte es ebenso wie als Aktiver auf insgesamt zehn Stationen.

"Die meisten waren aber Vereine, die mit finanziellen oder sportlichen Probleme zu kämpfen hatten. Ich musste oft die Feuerwehr spielen und mit jungen Spielern arbeiten. Aber ich habe fast immer eine Riesenfreude gehabt an der Trainerarbeit", so Starek, der sich auch als 60-Jähriger an Golf und Tennis (u.a. mit Prohaska, Hasil etc.) erfreut. Sein Tipp für den Ausgang der T-Mobile-Bundesliga: "Austria holt den Titel, Rapid wäre eine Sensation."

(apa/red)

16.2.2005 17:50