Samstag, 19. Februar 2005

Um den Wiederaufbau zu begutachten: Ex-Präsidenten Clinton und Bush in Thailand

  • Erste Station auf ihrer Reise in die Tsunami-Gebiete
  • Aufruf der beiden die Krisenregion nicht zu vergessen

Acht Wochen nach der Flutkatastrophe in Asien haben die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George Bush die Weltöffentlichkeit aufgefordert, die Krisenregion nicht zu vergessen und weitere Hilfe zu leisten. "Wir dürfen die Menschen und Orte nicht vergessen, nur weil die Kameras nicht da sind", sagte Clinton zum Auftakt seiner Reise mit Bush durch die Flutregionen am Samstag auf der schwer getroffenen thailändischen Urlauberinsel Phuket.

Die Ex-Präsidenten riefen die internationale Gebergemeinschaft auf, ihre Zusagen auch zu erfüllen und darüber hinaus weitere Mittel bereitzustellen. Die Kosten für den Wiederaufbau in den betroffenen Ländern rund um den Indischen Ozean bezifferte er auf elf bis zwölf Milliarden US-Dollar (8,4 bis 9,2 Milliarden Euro). Bisher gebe es aber nur Hilfszusagen in Höhe von rund sieben Milliarden Dollar. "Wir müssen dieses Geld zusammenbekommen, sinnvoll verwenden und die Anstrengungen dabei koordinieren", sagte Clinton.

Seiner Einschätzung nach werde es mindestens zwei Jahre dauern, bis die von der Naturkatastrophe verwüsteten Regionen wieder so sind wie vor der Flut vom 26. Dezember. Thailand werde voraussichtlich nur etwa ein Jahr brauchen, die besonders schwer getroffenen Küstengegenden Indonesiens und Sri Lankas aber vermutlich länger.

Die beiden ehemaligen US-Präsidenten hatten nach ihrer Ankunft in Thailand das Fischerdorf Ban Nam Khem in der verwüsteten Provinz Phang Nga besucht, wo sie von tausenden Einheimischen empfangen wurden. In dem Ort waren mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen und über 300 Fischerboote zerstört worden. "Mich begeistert die Willenskraft der Thailänder. Sie sind entschlossen, ihr Leben wieder aufzubauen, mit ihren Booten wieder hinauszufahren und wieder ein normales Leben zu führen", sagte George Bush. "Wenn wir dabei materiell oder moralisch helfen können, wollen wir das tun." Im Südwesten Thailands starben infolge der Flut nach offiziellen Angaben mindestens 5.400 Menschen, davon etwa 2.000 Ausländer.

Reise geht am Sonntag in Indonesien weiter
Washington stellte bisher 950 Millionen US-Dollar (727 Millionen Euro) an Finanzhilfen für die betroffenen Länder rund um den Indischen Ozean bereit. Clinton und Bush senior waren vom amtierenden US-Präsidenten George W. Bush zu Sondergesandten für die Hilfsmaßnahmen der Vereinigten Staaten ernannt worden.

Clinton und Bush reisen am Sonntag in die indonesische Provinz Aceh weiter, die von der Katastrophe am schwersten getroffen wurde. Allein dort kamen nach offiziellen Angaben mindestens 121.000 Menschen ums Leben, das Schicksal von rund 115 000 weiteren war zunächst unklar. Anschließend reisen die beiden ehemaligen Präsidenten noch nach Sri Lanka und auf die Malediven. (apa)

19.2.2005 15:42