Freitag, 18. Februar 2005

Rechtschreibrat ohne Ergebnisse: Siebenköpfige Arbeitsgruppe eingesetzt

  • Konkrete Vorschläge bis zum nächsten Termin am 8.4.

Ohne konkrete Ergebnisse ist die erste inhaltliche Sitzung des neuen Rates für Deutsche Rechtschreibung am Freitag zu Ende gegangen. Das Expertengremium einigte sich bei seinem Treffen am Freitag in Mannheim lediglich auf eine siebenköpfige Arbeitsgruppe, die Regeln für die besonders strittigen Fälle der Getrennt- und Zusammenschreibung ausarbeiten soll.

Unter dem Vorsitz des Leiters des Instituts für Deutsche Sprache, Ludwig Eichinger, sollen bis zur nächsten Konferenz am 8. April in München konkrete Vorschläge für eine Änderung des umstrittenen Reformwerkes vorgelegt werden.

Das Gremium war Mitte Dezember vergangenen Jahres nach heftiger Kritik an der Rechtschreibreform ins Leben gerufen worden. Es setzt sich zusammen aus Sprachwissenschaftlern, Vertretern von Verlagen, Schriftsteller- und Journalistenverbänden, Lehrerorganisationen sowie des Bundeselternrates. Ausdrücklich wurden auch Reformgegner miteinbezogen. Bis zur verbindlichen Einführung der neuen Schreibweisen in Schulen und Behörden zum 1. August 2005 soll sich die Gruppe mit den drei Komplexen Getrennt- und Zusammenschreibung, der Eindeutschung von Fremdwörtern und der Interpunktion befassen.

"Kompensiert Fachleute zusammen zu haben, hilft nicht immer", begründete der Vorsitzende des Rechtschreibrates, der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU), das Einsetzen der Arbeitsgruppe. Ziel der kleinen Arbeitsgruppe sei, endlich eine diskussionsfähige Grundlage zu schaffen. "Wir müssen die extremen Positionen zu mehr Realitätsnähe zusammenführen." Die Empfehlungen des Rates werden an die Kultusministerkonferenz sowie die entsprechenden Gremien in Österreich und der Schweiz weitergeleitet.

"Wir werden es sicherlich nicht schaffen, alle strittigen Fälle zu klären", sagte Eichinger. Bei dem Treffen am Freitag habe aber vor allem der Medienbereich Entgegenkommen signalisiert. Der Rat sprach sich dafür aus, auch Vertretern aus Liechtenstein und Bozen-Südtirol einen Sitz mit Stimmrecht in dem Gremium zu geben. Bisher sind diese nur als kooptierte Mitglieder vorgesehen. 18 Mitglieder kommen aus Deutschland, je neun aus Österreich und der Schweiz.

Österreichische Vertreter sind der ehemalige Leiter der Zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung, Karl Blüml, der frühere Unterrichtsminister Helmut Zilk, der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, der Journalist Hans Haider, der Germanistik-Professor Richard Schrodt (Uni Wien), der Autor Ludwig Laher, der Geschäftsführer des Schulbuchverlags öbv&hpt, Georg Glöckler, Günter Lusser von der Pädagogischen Akademie Feldkirch sowie Ulrike Steiner, Redakteurin des Österreichischen Wörterbuchs. (apa)

18.2.2005 19:23