Freitag, 18. Februar 2005

Mehrere Anschläge auf Schiiten im Irak am Ashura-Tag: Mehr als 34 Tote!

  • Mindestens ebensoviele Menschen wurden verletzt
  • Zwei indonesische Journalisten offenbar entführt

Bei Anschlägen auf Schiiten im Irak sind mehr als 34 Menschen ums Leben gekommen und mindestens ebenso viele verletzt worden. Schiitische Moslems weltweit feiern derzeit das Ashura-Fest, eines der wichtigsten religiösen Feste. Am Vortag hatte die Wahlkommission das amtliche Ergebnis der Parlamentswahl bekannt gegeben, wonach eine schiitische Allianz die absolute Mehrheit erreicht hat.

In der Al-Kadhumain-Moschee im südlichen Stadtteil Dura riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben am Mittag mindestens 14 Menschen mit in den Tod. Der Attentäter habe sich einer Menschenmenge in dem Gebäude genähert und dann einen Sprengstoffgürtel gezündet. Bei einem weiteren Suizidanschlag wurden Freitagabend in Iskanderijah mindestens acht Menschen getötet.

Die US-Armee berichtete, zwei weitere Selbstmordattentäter hätten versucht, eine weitere Moschee im Stadtteil Baja zu betreten, seien aber von Wächtern abgewiesen worden. Der erste sei erschossen worden, was seinen Sprengstoffgürtel zur Detonation gebracht habe. Der am Körper des Zweiten befestigte Sprengsatz sei 100 Meter von der Moschee entfernt explodiert. Die beiden Männer hätten mindestens 14 Menschen mit in den Tod gerissen.

Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija starben drei Schiiten, darunter ein Kind, als ein Sprengsatz in Bagdads Stadtteil Al-Shuala explodierte. Im vergangenen Jahr hatten Selbstmordattentäter am Ashura-Tag ein Massaker in der irakischen Pilgerstadt Kerbela und im Bagdader Schiiten-Vorort Kadhimija verübt.

Bei der blutigsten Anschlagserie seit dem Sturz des Saddam-Regimes starben damals rund 180 Menschen. Während des Ashura-Festes gedenken Schiiten des Märtyrertodes ihrer spirituellen Leitfigur Imam Hussein vor mehr als 1300 Jahren.

Zwei Jornalisten entführt
Unterdessen wurden zwei indonesische Journalisten im Irak offenbar entführt. Der Fernsehnachrichtenagentur APTV wurde am Freitag ein Videoband zugespielt, dass allem Anschein nach eine Reporterin und einen Kameramann des indonesischen Fernsehsenders "Metro TV" neben bewaffneten Vermummten zeigt. Zuvor hatte des Außenministerium in Jakarta bestätigt, dass die beiden seit Dienstag vermisst würden. Ein Augenzeuge habe berichtet, Männer in Militäruniformen hätten den Wagen der Journalisten in der Nähe von Ramadi angehalten.

Bei einem Umzug Tausender gläubiger Schiiten in der Innenstadt von Bagdad trug die Menge Särge mit den Leichen von drei Milizionären der Badr-Brigaden. Sie sollen von fünf Polizeioffizieren in Najaf misshandelt und getötet worden sein. Die Brigaden sind die Parteimiliz des Hohen Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) von Abdelaziz al-Hakim. SCIRI gehört der Schiiten-Allianz an, die nun die Mehrheit in der Nationalversammlung bildet. "Wir fordern im Namen aller Iraker, dass diese Mörder vor Gericht gestellt werden", sagte Hakim.

Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete unter Berufung auf den Polizeichef von Najaf, Ghalib al-Jazairi, die Offiziere seien verhaftet worden. Zwei Söhne des Polizeichefs wurden nach Polizeiangaben vom Freitag einen Tag nach ihrer Entführung ermordet nahe der Stadt Kerbela entdeckt.

Das US-Militär teilte mit, bei Angriffen auf US-Patrouillen in Balad und in der Nähe der Stadt Diwanija seien am Freitag zwei amerikanische Soldaten getötet und vier weitere verletzt worden. Am Donnerstag seien zwei Soldaten im nordirakischen Mossul und der nahe gelegenen Kleinstadt Tel Afar ums Leben gekommen. (apa/red)

18.2.2005 22:31