Trotz Appell für Truppenabzug: Italiens Regierung verlängert Mission im Irak
- Solidaritätskundgebungen und Fackelzüge sind geplant
- Berlusconi ist "froh, dass entführte Reporterin lebt"
·Entführte Italienerin
auf Videobotschaft
"Bitte helft mir, den Irak- Truppenabzug zu fordern"
Der italienische Senat hat am Mittwoch für die Verlängerung der Mission des italienischen Kontingents im Irak gestimmt. Trotz des Videoappells der in Bagdad entführten Journalistin Giuliana Sgrena, die weinend für das Ende der Irak-Mission plädiert hatte, stimmten 141 Senatoren der Regierungskoalition für ein Dekret, das die Mission neu finanziert. Gegen die Neufinanzierung stimmten 112 Senatoren der oppositionellen Mitte-Links-Allianz. Das Dekret muss noch von der Abgeordnetenkammer verabschiedet werden. Seit Sommer 2003 sind rund 3.000 italienische Soldaten im Südirak stationiert.
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hatte mehrmals betont, er wolle die Mission bis zur politischen Stabilisierung des Irak verlängern. "Die italienische Mission im Irak muss fortgesetzt werden. Jetzt aufzugeben bedeutet, die Hoffnungen der irakischen Bevölkerung zu verraten", sagte Berlusconi in einer Ansprache vor dem römischen Parlament.
Berlusconi betonte vor der Abgeordnetenkammer, er sei froh, dass die Reporterin Sgrena noch am Leben sei. "Die Videoaufnahme bestätigen, was wir dachten: Sgrena lebt. Die Geheimdienste haben gute Arbeit geleistet", sagte der Premierminister. Mehr über die Bemühungen der Regierung zur Freilassung der Reporterin wollte Berlusconi nicht bekannt geben.
Solidaritätskundgebungen und Fackelzüge
Italien mobilisiert sich für Giuliana Sgrena, nachdem die Journalistin in einer Videoaufnahme flehend um Hilfe und um den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak gebeten hat. In mehreren italienischen Städten sind Solidaritätskundgebungen und Fackelzüge für Sgrena geplant.
Eine große Kundgebung verschiedener Linksparteien, Frauenverbände und religiöser Gruppen ist am kommenden Samstag in Rom vorgesehen. Daran werden sich die Chefs mehrerer Linksparteien beteiligen. Auch die Gewerkschaften riefen zu einer massiven Beteiligung an der Demonstration teil. Die Demonstration sollen die Eltern Sgrenas sowie ihr Lebensgefährte Pierre Scolari leiten.
Italiens Regierungschef Berlusconi zeigte sich zuversichtlich, dass es zu einem positiven Ende des Geiseldramas kommen wird. "Ich denke, dass es Verhandlungsmöglichkeiten gibt", so Berlusconi laut Turiner Tageszeitung "La Stampa".
Außenminister Fini betonte, dass sich trotz Sgrenas Appell nichts an der Irak- Strategie der Regierung Berlusconi ändern wird. Die Regierung werde sich jedoch mit allen Mitteln für die Freilassung der Reporterin einsetzen. Oppositionschef Prodi forderte die Regierung Berlusconi zu einem verstärkten Einsatz zur Freilassung der Reporterin auf. Italiens Geheimdienste sammeln indes Informationen über die Gruppe "Mudjaheddin der offenen Grenzen", die sich zur Entführung bekannt hat.
(apa/red)
