Mittwoch, 16. Februar 2005

Zwei Tage nach Ermordung: Libanesischer Ex-Premier Rafik Hariri wurde beigesetzt!

  • Tumulte vor Moschee. Familie lehnte Staatsakt ab
  • PLUS: Bilder der verheerenden Autobomben-Detonation

Unter großer Anteilnahme der libanesischen Bevölkerung ist der vor zwei Tagen einem Mordanschlag zum Opfer gefallene ehemalige Ministerpräsident Rafik Hariri am Mittwoch in Beirut beerdigt worden. Am Rande der Trauerfeierlichkeiten kam es zu antisyrischen Protesten. Demonstranten forderten den Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon.

Syrien hat auf der Grundlage eines Beistandspakts noch etwa 14.000 Soldaten in dem Nachbarland stationiert. Hariris Leichnam wurde zuerst in die sunnitische Mohammed-al-Amin-Moschee in der Innenstadt gebracht und anschließend auf dem "Platz der Märtyrer" beigesetzt. Zum Zeichen der Trauer läuteten auch die Glocken der christlichen Kirchen.

Tumulte vor Moschee
Um die Moschee hatten sich Hunderttausende versammelt, um von dem beliebtesten Politiker des Landes Abschied zu nehmen, der 1992-98 und 2000-04 Premierminister gewesen war. Die Familie des Verstorbenen hatte einen Staatsakt unter Beteiligung der pro-syrischen Regierung abgelehnt. Hariri war im vergangenen Oktober als Regierungschef zurückgetreten, nachdem er sich einer von Syrien unterstützten Verfassungsänderung zu widersetzen versucht hatte, die Staatspräsident Emilie Lahoud eine Verlängerung der Amtszeit ermöglichte. Viele Libanesen verdächtigen Syrien, hinter dem verheerenden Autobombenanschlag vom Montag zu stecken, bei dem Hariri und 16 weitere Menschen getötet und rund 130 verwundet worden waren.

Der in die libanesische Nationalflagge gehüllte Sarg des ehemaligen Ministerpräsidenten wurde vom Wohnhaus der Familie zur Moschee durch die Straßen getragen. Mitgeführt wurden auch die Särge von Leibwächtern, die bei dem Bombenanschlag umgekommen waren. Der Trauerzug blieb zeitweise in der Menschenmenge stecken; Trauernde rissen die Flagge von dem Sarg und öffneten ihn. Hariris Sohn Bahaeddin rief die außer Kontrolle geratene Menge über Lautsprecher zur Ruhe auf. Nur mit Mühe konnte der Sarg zu der Grabstätte gebracht werden.

Chirac bei Begräbnis
Unter den zahlreichen ausländischen Trauergästen waren der US-Nahost-Gesandte William Burns, der mit dem libanesischen Außenminister Mahmoud Hammoud zusammentraf, und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac, ein enger Freund Hariris, reiste nach Beirut. Der maronitische Patriarch Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir, Oberhaupt der stärksten christlichen Gemeinschaft im Libanon, und der Apostolische Nuntius Erzbischof Luigi Gatti haben der Familie des ermordeten Ex-Premiers einen Beileidsbesuch abgestattet. Unterdessen verstärkte sich sich der internationale Druck auf die libanesische Regierung, die Verantwortlichen für den Mordanschlag zu ermitteln. US-Außenministerin Condoleezza Rice warf Syrien die Unterstützung des Terrorismus und der Aufständischen im Irak vor. Die syrische Regierung befinde sich auf einem Weg, der zur Verschlechterung der Beziehungen führe, sagte Rice am Dienstagabend in Washington. Zuvor hatten die USA ihre Botschafterin aus Damaskus zu Konsultationen zurückgerufen. Rice vermied es jedoch, Syrien direkt für das Attentat verantwortlich machen.

Chirac hatte vergangenen Samstag die vollständige Umsetzung der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1559 und damit den vollständigen syrischen Abzug aus dem Libanon verlangt. In der Resolution hatte der Weltsicherheitsrat im September vorigen Jahres auf Initiative Frankreichs (der ehemaligen Mandatsmacht) und der USA den Abzug der ausländischen (syrischen) Truppen aus dem Libanon gefordert. Der libanesische Staatspräsident Lahoud hatte den Abzug der syrischen Truppen aus seinem Land abgelehnt, solange es keine "gerechte" Gesamtlösung für den Nahen Osten gebe. Die Resolution 1559 lasse die globale Friedensfrage beiseite und stelle damit eine ernsthafte Gefährdung für die nationale Einheit des Libanon dar. Der Druck, der gegenwärtig auf den Libanon ausgeübt werde, um die Erfüllung der UNO-Resolution durchzusetzen, bringe das Land in "große Gefahr", hatte Lahoud kritisiert. Der US-Kongress hatte mit seinem "Syrian Accountability Act" von Damaskus verlangt, seine Truppen zur Gänze aus dem Libanon abzuziehen.
(apa/red)

16.2.2005 14:23