Südkorea glaubt an Nordkoreas Bomben:
Pjöngjang entwickelt neue "Scud"-Rakete
- USA will Nordkorea wie El Kaida finanziell austrocknen
- Südkorea bietet Nordkorea militärische Gespräche an
Der südkoreanische Geheimdienst schließt nicht aus, dass Nordkorea tatsächlich im Besitz einer Atombombe ist. Allerdings verfüge das stalinistische Land zweifellos nicht über die nötige Technologie, um Atomsprengköpfe mit Raketen abzufeuern, heißt es in einem Bericht des südkoreanischen Geheimdienstes an das Parlament, aus dem die Nachrichtenagentur Yonhap zitierte. Nach einem südkoreanischen Pressebericht entwickelte Pjöngjang eine neue Rakete des Typs "Scud", die eine doppelt so große Reichweite haben soll wie die bisherigen "Scud"-Modelle.
Die Behauptung Pjöngjangs, über Atomwaffen zu verfügen, könne richtig sein, heißt es laut Yonhap in dem Geheimdienstbericht. "Nordkorea könnte eine oder zwei Atombomben hergestellt haben, aber selbst wenn dies der Fall ist, hat es womöglich nicht die Technologie, sie mit Hilfe von Raketen abzufeuern." Der Geheimdienst schloss aus, dass es Nordkorea gelang, Atombomben auf ein Gewicht von weniger als 500 Kilogramm zu reduzieren, um sie auf Raketen zu montieren.
Erst am Montag hatte Südkoreas Wiedervereinigungsminister Chung Dong Young vor dem Parlament angezweifelt, dass Nordkorea eine Atombombe besitze. Es sei wahrscheinlicher, dass Pjöngjang mit seiner Behauptung versuche, seine Verhandlungsposition zu stärken.
Pjöngjangs Erklärung vom vergangenen Donnerstag hatte international Besorgnis ausgelöst, wenngleich sie zum Teil angezweifelt wurde. Die Regierung verkündete gleichzeitig ihren Ausstieg aus den internationalen Gesprächen über sein Atomprogramm. In den Sechs-Nationen-Gesprächen haben die USA, Russland, Japan, China und Südkorea seit August 2003 vergeblich versucht, die Regierung in Pjöngjang zur Einstellung ihres Atomprogramms zu bewegen.
"Scud-ER"-Rakete
Die neue Rakete "Scud-ER" habe eine Reichweite von 600 bis 1000 Kilometern und sei wesentlich präziser als die bisherigen Modelle "Scud-B" und "Scud-C", berichtete die auflagenstärkste südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" unter Berufung auf Regierungskreise. Unklar sei aber noch, ob sie schon für Einsätze bereitgestellt worden sei. Das Verteidigungsministerium in Seoul wollte sich zu dem Bericht zunächst nicht äußern.
Nordkorea verfügt bereits über ein umfangreiches Raketenprogramm. Seine Rodong-Mittelstreckenraketen könnten mit einer Reichweite von 1300 Kilometern Japan treffen. Außerdem verfügt das Land über "Scud"-Kurzstreckenraketen mit 300 bis 500 Kilometer Reichweite.
USA will Nordkorea finanziell austrocknen
Nach Informationen der "New York Times" erwägen die USA, Nordkorea finanziell auszutrocknen, um es zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu zwingen. Nach einem Vorschlag sollten wie beim Terrornetzwerk El Kaida die Finanzquellen zurückzuverfolgt und blockiert werden, mit deren Hilfe Pjöngjang sein Nuklearprogramm finanziere, berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf einen Bericht der US-Regierung. Der Bericht sei vor der Ankündigung der nordkoreanischen Führung erstellt worden, im Besitz von Atomwaffen zu sein.
Nordkorea in Feierstimmung
In Nordkorea wurden die Vorbereitungen für den 63. Geburtstag des Machthabers Kim Jong Il am Mittwoch getroffen. Der offiziell als "Sonne des 21. Jahrhunderts" gepriesene Staatschef wurde bereits in den Staatsmedien gefeiert. Nordkorea sei "in festlicher Stimmung", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.
Südkorea bietet Nordkorea Gespräche an
Südkorea hat Nordkorea unterdessen Gespräche auf hoher militärischer Ebene vorgeschlagen. Dabei soll es unter anderem darum gehen, wie Zusammenstöße an der umstrittenen Meeresgrenze zwischen den beiden Ländern verhindert werden können, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium am Dienstag in Seoul. Bisher habe man noch keine Antwort aus Nordkorea, man sei aber zuversichtlich auf ein positives Signal hieß es.
(apa/red)
