Montag, 14. Februar 2005

Wegen ineffizientem Verwaltungsapparat: Bosnischer Staat steht vor dem Bankrott

  • Warnung des Bosnien-Beautragten-Stv. David Hays
  • Zwei Drittel der Gelder gehen für Beamte drauf

Ohne rasche Maßnahmen zum Abbau des enormen Verwaltungsapparats wird der Staat Bosnien-Herzegowina bankrott gehen. 64 Prozent der Staatsausgaben gingen für den Verwaltungsapparat drauf, warnte der Stellvertreter des Internationalen Bosnien-Beauftragten, David Hays, in der Tageszeitung "Nedeljni telegraf" (Wochenendausgabe). Seit dem Dayton-Friedensvertrag im Jahr 1995 hat der Vier-Millionen-Staat, der in zwei Landesteile und mehrere Kantone aufgeteilt ist, mit einer ineffizienten Verwaltungsstruktur zu kämpfen.

Der internationale Bosnien-Beauftragte Paddy Ashdown hatte jüngst darauf hingewiesen, dass das Budget des größeren Landesteils, der bosniakisch-kroatischen Föderation, bis September ein Defizit in Höhe von 250 Mio. KM (rund 125 Mio. Euro) aufweisen wird. In der Republika Srpska dürften es 130 Mio. KM (65 Mio. Euro) sein. Das gesamtstaatliche Budget in Höhe von 336 Mio. KM (168 Mio. Euro) wurde heuer um 50 Prozent erhöht, weil einige neue gesamtstaatliche Institutionen und Agenturen gegründet werden sollen. Dies müsste allerdings durch Einsparungen in den Landesteilen, Kantonen, aber auch Kommunen begleitet werden, um einen Bankrott zu verhindern, betonte Hays.

Der US-Diplomat kritisierte weiter, dass die Bürger derzeit Dienstleistungen bezahlen würden, die sie gar nicht bekämen. Als Beispiel nannte er den Polizeiapparat, dessen Effizienz bei weitem nicht seiner Gesamtstärke (18.000 Beamte auf allen Ebenen) entspreche. (apa)

14.2.2005 12:57