Heeresaffäre: Staatsanwaltschaft ermittelt in Klagenfurt wegen sexueller Belästigung
- Vorwurf lautet aber "nur" auf Missbrauch der Amtsgewalt
- Eine Belästigung müsste das Opfer selbst anzeigen
Nach der angeblichen sexuellen Belästigung einer Rekrutin durch einen Vizeleutnant in einer Klagenfurter Kaserne ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Amtsmissbrauchs, nicht aber wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch. Das müsste das Opfer selbst anzeigen, weil es sich um ein so genanntes Ermächtigungsdelikt handelt. Bisher ist dies laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt aber nicht geschehen.
Die parlamentarische Bundesheer-Beschwerdekommission hat nach den Vorwürfen der inzwischen aus dem Dienst ausgeschiedenen Soldatin wegen angeblicher sexueller Übergriffe und diskriminierender Äußerungen in der Khevenhüller-Kaserne in den vergangenen Wochen ermittelt. Sie kam zu dem Schluss, dass der Vizeleutnant die Frau immer wieder unsittlich berührt habe.
Gegen den Vizeleutnant läuft auch ein Disziplinarverfahren, wobei man aber abwartet, was bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft herauskommt. Das Verfahren werde sich deswegen noch Monate hinziehen, sagte Brigadier Harald Leopold vom Verteidigungsministerium am Samstag gegenüber dem ORF. Es dürfte zwar zu einer disziplinären Verurteilung kommen, die Konsequenzen würden aber aller Voraussicht nach nicht sehr hart ausfallen. Eine Entlassung erscheine laut Leopold unwahrscheinlich, außer das Urteil fällt höher als sechs Monate Haft aus.
Erhebungen gegen Kompaniekommandanten eingestellt
Die Erhebungen gegen den Kompaniekommandanten, den direkten Vorgesetzten des betroffenen Vizeleutnants, wurden inzwischen eingestellt. Das Opfer soll ihm zwar von den Vorfällen erzählt, allerdings nach eigenen Angaben um Stillschweigen gebeten haben. Damit treffe den Kommandanten laut Leopold keine Schuld und es gebe für ihn auch keine Konsequenzen. (apa/red)
