Freitag, 18. Februar 2005

"Wir haben das Vertrauen verloren": Mutter rät Tibor Foco von Rückkehr ab

  • Misstrauen gegen "freies Geleit" des Justizministeriums
  • Ex-Rennfahrer ist bereits seit 1995 untergetaucht

Die Mutter des wegen Mordverdachts gesuchten und seit 1995 untergetauchten Ex-Rennfahrers Tibor Foco rät ihrem Sohn ab, das vom Justizministerium zugesicherte "freie Geleit" bis zu einem neuerlichen Verfahren anzunehmen. "Wir haben das Vertrauen verloren", argumentierte sie in einem Radio-Interview.

Justizministerin Karin Miklautsch hatte den Eltern des Flüchtigen bei einem Bürgersprechtag zugesichert, Tibor Foco werde ab sofort im Falle seiner Rückkehr bis zu einem Abschluss eines neuerlichen Verfahrens nicht mehr in U-Haft kommen. Das Verfahren werde aber nicht eingestellt, weil es eine rechtskräftige Anklage gebe. Sektionschef Werner Pürstl ergänzte: "Wenn Herr Foco einen offiziellen Antrag auf freies Geleit stellt, so wird er es auch bekommen. Es gibt keinen Grund, ihn zu inhaftieren". Der Linzer Strafrechtsprofessor und Foco-Anwalt Herbert Wegscheider stellte dazu fest, die Entscheidung, ob er einen entsprechenden Antrag stellen werde, falle erst nach einem Gespräch mit den Eltern.

Die Mutter Christine Foco erklärte auf die Frage, ob sie so einen Antrag befürworte: "Ich glaube eher nicht, weil wir so schlechte Erfahrungen gemacht haben mit dem ersten Mal. Foco war schon 1997 "freies Geleit" zugesichert worden. Er ließ die Frist bis zum 1. Oktober aber verstreichen, ohne zu erscheinen. "Mein Mandant hatte dafür gute Gründe. Die steckbriefliche Fahndung war noch aufrecht und es gab Morddrohungen", erklärte Anwalt Wegscheider rückblickend.

Als Mutter würde sie ihm niemals raten, zurückzukommen, erklärte Christine Foco. Sie begründete dies mit dem, "was sich da abgespielt hat". Es habe Manipulationen gegeben, die einfach undurchschaubar gewesen seien. "Sind Sie mir nicht böse, aber wir haben das Vertrauen verloren", sagte sie.

Sie habe mit ihrem inzwischen fast 50-jährigen Sohn seit 1995 keinen Kontakt mehr und könne mit ihm über diese neueste Entwicklung auch nicht reden. Sie wolle sich mit einer Entscheidung über einen Antrag auch nicht über ihn hinwegsetzen - schon gar nicht, weil sie nicht wisse, was daraus werde. Die Frage, ob sie denn wisse, ob er überhaupt noch lebe, bejahte sie. Sie und ihr Mann würden mehrmals pro Jahr eine Astrologin besuchen. Diese habe auf Grund des Horoskopes für ihren Sohn sagen können, dass er lebe und dass er gesund sei.

(apa/red)

18.2.2005 10:51