Montag, 21. Februar 2005

Heinz Fischer zu Staatsbesuch in Indien: Kooperationen sollen ausgebaut werden

  • Wirtschaftliches und wissenschaftliches Abkommen
  • PLUS: Die BILDER des siebentägigen Staatsbesuches

Österreich und Indien wollen die wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit intensivieren. Dies ist der Tenor einer gemeinsamen Erklärung, die beide Seiten zum Abschluss des Staatsbesuchs von Bundespräsident Heinz Fischer am Montag in Mumbai (Bombay) veröffentlichten. Im Wirtschaftsbereich wurden prioritäre Sektoren fixiert, darunter Energie, Umwelt, Infrastruktur und Telekommunikation. Auf wissenschaftlichem Gebiet soll auf ein bilaterales Wissenschafts- und Technologieabkommen hingearbeitet werden.

Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse an einer Intensivierung der bilateralen Kooperation "durch den Abschluss eines Wissenschafts- und Technologieabkommens", wie es in der Erklärung heißt. Im Hinblick auf den Fremdenverkehr wurde die Bedeutung expandierender Flugverbindungen zwischen beiden Ländern hervorgehoben. Austrian Airlines wird im Mai den Linienverkehr nach Mumbai aufnehmen. Die Wirtschaft wird sich in Zukunft mehr als bisher auf die Bereiche Biotechnologie, Informationstechnologie, Energie, Umwelt, Engineering sowie Gesundheitsinfrastruktur und Transport konzentrieren.

Thema internationaler Terror
Im politischen Teil der bilateralen Erklärung wird die Thematik des internationalen Terrorismus und auch die Reform der Vereinten Nationen angesprochen. Österreich und Indien verurteilen entschieden "den Terrorismus in all seinen Formen und Erscheinungsbildern", heißt es. Im globalen Kampf gegen den Terrorismus dürfe es keine Kompromisse geben. Dieser Kampf sei "eine umfassende und nachhaltige Aufgabe". Beide Staaten treten ferner für eine UNO-Reform ein, wobei festgehalten wird, dass Indien "eine Schlüsselrolle spielen soll". Dieser Passus der Erklärung bezieht sich auf den Wunsch Indiens, einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat zu erhalten. Der Weltsicherheitsrat solle "repräsentativer und effizienter" gestaltet werden, so der Wortlaut.

Bald weitere Besuche
Beide Seiten kamen überein, einen Besucheraustausch auf hoher Ebene fortzuführen. Noch in diesem Jahr soll ein Parlamentarier-Austausch erfolgen. Bundespräsident Fischer sprach eine Einladung an seinen Gastgeber, Staatspräsident A.P.J. Abdul Kalam, zu einem Besuch nach Österreich aus, die dieser annahm. Der Zeitpunkt soll auf diplomatischem Weg vereinbart werden. 1999 hatte der damalige indische Staatschef K. Raman Narayanan aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums diplomatischer Beziehungen Österreich einen Staatsbesuch abgestattet. Fischer hat nun die damalige Einladung erwidert.

Fischer, selbst ein großer Indien-Kenner und -Liebhaber, hat das Gastland seiner ersten außereuropäischen Staatsvisite schon oft privat und offiziell besucht. In seinem Resümee sagte er vor österreichischen Journalisten, die bilateralen Beziehungen seien immer gut gewesen, "doch auch gute Beziehungen bedürfen hin und wieder eines Anstoßes". Auf die Frage, ob die Neutralität Österreichs in den politischen Gesprächen aufs Tapet kam, antwortete Fischer, diese habe keine Rolle gespielt. Die Neutralität sei "kein Instrument, das in diesem Zusammenhang eingesetzt werden müsste".

Wirtschaftsforum zum Abschluss
Zum Abschluss des Staatsbesuchs, der von einer 70 Unternehmen umfassenden Wirtschaftsdelegation begleitet war, fand in Mumbai, wie zuvor in Neu Delhi, ein österreichisch-indisches Wirtschaftsforum statt. WKÖ-Präsident Christoph Leitl erklärte, die Wirtschaftskammer wolle auch in Mumbai bald ein Marketing-Büro errichten. In Hayderabad war im Zuge des Staatsbesuches ein solches Büro der WKÖ eröffnet worden. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) erklärte, Indien habe sich als High-Tech-Land präsentiert. "Was sich hier abspielt, ist atemberaubend", so sein Eindruck. Bartenstein plädierte für mehr Direktinvestitionen, Österreich sei für Indien ein hervorragender Standort. Vizekanzler Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) hatte eine Teilnahme an der Indien-Visite kurzfristig absagen müssen.
(apa/red)

21.2.2005 22:59