Hilfsbereitschaft wurde zum Verhängnis: 17 Jahre Haft für Mord an Diplomaten-Witwe
- Leiche wurde erst drei Monate nach Tat entdeckt
- Angeklagter hatte 68-Jährige in Straßenbahn getroffen
"Ich habe Angst bekommen. Ich wusste nicht, ob ich sie gut verbunden hatte", erklärte Danh Cuong N. (23) im Wiener Landesgericht, weshalb er in der Nacht zum 11. Oktober 2003 einer bereits an Händen und Füßen gefesselten Diplomaten-Witwe noch ein Frotteehandtuch in den Mund steckte, dieses mit einem Klebeband fixierte und ihr damit die Atemwege verschloss. Die 68 Jahre alte Nguyet Song N. erstickte qualvoll. "Die muss da ja sterben! Die Frage ist nur, ob nach einer Minute, nach zwei oder drei", stellte Richter Wolfgang Fahrner trocken fest.
Der junge Vietnamese wurde wegen Raubmordes zu 17 Jahren Haft verurteilt. Sein Geständnis und seine bisherige Unbescholtenheit wurden ihm mildernd angerechnet. Er erbat Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.
Der Angeklagte hatte sein Opfer zufällig in der Straßenbahn kennen gelernt. Auch die Frau stammte aus Vietnam. Als ihr der 23-Jährige von seinen finanziellen Sorgen erzählte - er war mittellos aus Tschechien, wo er bei seiner Mutter lebte, in die Bundeshauptstadt gekommen -, tat ihr der Landsmann Leid. Sie nahm ihn mit in ihre Wohnung in der Jägerstraße in Wien-Brigittenau.
Dort kochte sie ihm ein Abendessen, bot ihm Geld an, versuchte ihn dazu zu bringen, zu seiner Mutter zurück zu kehren. "Ich weiß, dass diese Frau mir helfen wollte", sagte Danh Cuong N. In einem Extrazimmer bezog sie sogar ein Bett, das sie ihm zum Übernachten zuwies.
"Ich konnte aber nicht schlafen", berichtete der Angeklagte. Also begann er die Wohnung nach Wertgegenständen zu durchsuchen. Dabei ging er auch ins Schlafzimmer der 68-Jährigen, die prompt aufwachte. Er überwältigte die Frau, verschnürte sie und wickelte sie praktisch von Kopf bis Fuß komplett in Leintücher und Decken ein, die er zusätzlich mit Paketklebebändern fixierte. Dann verließ er die Wohnung und behob mit der Bankomat-Karte der Frau 3.400 Euro, ehe er nach Tschechien zurückkehrte.
Die Tote wurde erst drei Monate später vom Vermieter entdeckt. Dabei hatte dieser zuvor schon ein Mal Nachschau gehalten, weil er die zurück gezogen lebende Witwe längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. Ihm war dabei auch ein größeres "Paket" am Fußboden aufgefallen. Doch erst bei seinem zweiten Besuch am 16. Jänner 2004 erkannte er, dass sich darin ein menschlicher Körper befand.
"Schauen Sie sich die Fotos an! Warum sollen die nur wir Richter sehen!", forderte der Richter den Angeklagten auf, die Mappe mit den Lichtbilder zu studieren, die die Polizei am Tatort angefertigt hatte. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", verschloss dieser beim Anblick der regelrecht mumifizierten Leiche die Augen, "ich hatte Angst, dass sie die Wohnung verlässt."
Danh Cuong N., der in der Wohnung seine Fingerabdrücke hinterlassen hatte und beim Geldabheben von einer Überwachungskamera gefilmt worden war, konnte im März 2004 in Tschechien festgenommen werden. Im Sommer wurde er ausgeliefert. Seine Haftstrafe wird er vermutlich in Tschechien verbüßen, wo er sich seit seinem 14. Lebensjahr aufhält.
(apa/red)
