Neue VCÖ-Studie zu Tempo 160: Erhöhtes Limit würde 5 Straßen-Tote mehr bedeuten
- Grüne: "Schwachsinnige Idee des Verkehrsministers"
- Mittwoch dringliche Grün-Anfrage an Hubert Gorbach
·"profil": Mehrheit gegen Tempo 160
51Prozent der Österreicher
gegen höheres Tempolimit
·Jeder Zweite im Ortsgebiet zu schnell
Raserei: Fast 70 Prozent ignorieren Tempo 30!
·Front gegen 160 wird immer breiter!
Kritik auch aus Regierung. Droht Autobahnbesetzung?
·Verkehrsexperten gegen Tempo 160!
Mit Vollgas zu hohem Blut-
zoll und CO2-Emissionen
Eine von den Grünen in Auftrag gegebene, aktuelle Studie des VCÖ zum Thema "Auswirkungen von Tempo 160 km/h auf Österreichs Autobahnen" kommt zu dem Ergebnis, dass die von Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) angedachte Erhöhung fünf Verkehrstote mehr pro Jahr fordern würden. Diese Studie wurde am Montag von Eva Glawischnig, stellvertretender Bundes- und Umweltsprecherin der Grünen, präsentiert.
Laut VCÖ-Berechnung, so Glawischnig, spare man zehn Minuten ein, wenn man von Wien nach Salzburg konstant 160 km/h fahren könne. Auf Grund von rechtlichen und anderen Einschränkungen sei diese Geschwindigkeit aber ohnehin nur auf vier Prozent der Fahrten auf den in Frage kommenden Streckenabschnitten möglich. Glawischnig: "Was bleibt, ist eine Zeitersparnis von 35 Sekunden. Aber dafür haben wir eine ganze Latte von mehr Unfällen, Toten und Erkrankungen wegen Feinstaub." Da sei es laut VCÖ besser, so Glawischnig, von Schuhband auf Klettverschluss umzusteigen. Die Zeitersparnis sei praktisch dieselbe.
"Schwachsinnige Idee"
Tempo 160 sei eine "schwachsinnige Idee des Verkehrsministers", die am Mittwoch im Parlament Mittelpunkt einer dringlichen Anfrage der Grünen an Gorbach stehe. Außerdem erwarte sie sich endlich eine kritische Stellungnahme der ÖVP dazu. "Ich hoffe, dass wir diese Diskussion bald ad acta legen können", sagte Glawischnig.
Die Zahlen sprächen für sich: Laut VCÖ-Studie werde es auf den von 160 km/h "betroffenen" Abschnitten zu 148 zusätzlichen Unfällen mit 122 zusätzlichen Verletzten und fünf zusätzlichen Todesopfern pro Jahr kommen. "Dem Ziel, die Anzahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2010 zu halbieren, wird Österreich so nicht näher kommen", ist ein Ergebnis der Studie.
Vor Einführung des Tempolimits von 130 km/h auf Autobahnen im Jahr 1974 seien, so Glawischnig, rund 2.900 Menschen auf Österreichs Straßen gestorben. 2004 kamen 876 Menschen bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben - das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen vor 50 Jahren. "Erhöhen wir das Tempo, geht das wieder in die ganz andere Richtung. Besser wäre eine Öffi-Offensive."
Außerdem verletze, so der VCÖ, Österreich damit seine Klimaschutzziele. "Bei 160 km/h verbraucht ein durchschnittliches Auto um 27 Prozent oder 2,4 Liter mehr Treibstoff als bei Tempo 100." Das ergäbe eine zusätzliche Klimabelastung von etwa 30.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich. Auch die Lärmbelästigung werde enorm steigen.
(apa)
