Gesamtschule bleibt ein heißes Eisen: Weiter Diskussion in der ÖVP und SPÖ
- VP: Sechsklassige Grundschule als "Kompromiss"
- Weiter unveränderte Fronten ins Sachen Schulgeld
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SP sieht Trennung Kirche - Staat durch Pläne verletzt
·Gusenbauer strikt gegen ein Schulgeld
SPÖ misstrauisch: "ÖVP führt etwas im Schilde"
Kurz nach dem Reformdialog zur Bildung wird - anders als von der Regierung angestrebt - auch über schulorganisatorische Fragen debattiert. Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (V) brachte als "Kompromiss" zwischen der von der ÖVP gewünschten Aufrechterhaltung der Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule sowie der von der SPÖ und den Grünen geforderten gemeinsamen Schule der Sechs- bis 15-Jährigen eine Verlängerung der Volksschule um zwei Jahre ins Spiel. In der SPÖ wiederum gibt es unterschiedliche Zugänge zum Thema Gesamtschule - etwa ob diese parallel neben Hauptschulen und AHS angeboten werden soll oder als alleinige Schulform bzw. ob es sinnvoll ist, diese nur in einigen Bundesländern umzusetzen.
Pühringer begründet seinen Vorschlag damit, dass es für alle Schulexperten klar sei, dass die Selektion der Kinder in Hauptschüler und Gymnasiasten mit zehn Jahren "viel zu früh ist". Die sechsklassige Volksschule will er auch der Bundespartei vorschlagen: "Ich rate allen, sich von ideologischen Scheuklappen zu lösen", so Pühringer.
Klar für die Gesamtschule ist die SPÖ - allerdings in unterschiedlichen Nuancen. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser will sie nur in jenen Bundesländern politisch forcieren, in denen dies gewollt wird. Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) kann dem nichts abgewinnen. Das Schulsystem solle bundesweit einheitlich sein. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (S) plädierte wiederum für eine Wahlmöglichkeit der Eltern bzw. Kinder zwischen Hauptschule, Gymnasium oder einer gemeinsamen Schule. Niederwieser und Brandsteidl erkennen darin keinen Sinn. Das sei dann ja keine gemeinsame Schule, sondern eine noch stärkere Ausdifferenzierung, so die Wiener Schulchefin.
Schulgeld als "Theaterdonner"
Unveränderte Fronten gibt es unterdessen in Sachen Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze und Schulgeld. ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon hält die Diskussion um Schulgeld für "Theaterdonner", die SPÖ beharrt hingegen auf einer verfassungsrechtlichen Festschreibung der Schulgeldfreiheit - was Amon und Vizekanzler Hubert Gorbach (F) wiederum als "Zick-Zack-Kurs" kritisierten. Die Elternvertreter wünschen sich eine mit qualifizierter Mehrheit festgeschriebene Verankerung von Bildungs-Grundrechten, darunter auch ein Recht auf unentgeltliche Bildung sowie Erstausbildung.
VP und FP uneins
Ein anderer Punkt entzweit hingegen wiederum Amon und Gorbach: Während der Vizekanzler in einer Aussendung erneut für die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres für Migrantenkinder mit sprachlichen Defiziten eintrat, hält dies Amon für verfassungsrechtlich bedenklich und will stattdessen Wege finden, um "sanften Druck auszuüben". Auch von der von der FPÖ verlangten Verlängerung der Anwesenheitspflicht für Lehrer an der Schule hält Amon nichts: Damit werde nur Neid geschürt.
Die Pflichtschullehrer-Gewerkschaft wehrt sich unterdessen gegen den "alten Schmäh vom Halbtagsjob" und verweist auf das auf Grund einer gemeinsamen Arbeitszeitstudie des Bildungsministeriums, der damals zuständigen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) sowie der Gewerkschaft entwickelte derzeit geltende Dienstrecht. Dieses wird übrigens nach einer vierjährigen Probezeit von 28. Februar bis 4. März einer Urabstimmung unter allen Pflichtschullehrern unterzogen.
(apa/red)
