Mittwoch, 16. Februar 2005

Armutskonferenz: Situation darf nicht
"achselzuckend" hingenommen werden

  • Existenzsicherung & aktive Arbeitsmarktpolitik gefordert
  • Netzwerk: Bildung darf nicht von der Herkunft abghängen

Die Armutskonferenz pocht auf notwendige Maßnahmen zur Armutsvermeidung. Das Netzwerk der Sozialorganisationen fordert materielle Existenzsicherung und aktive Arbeitsmarktpolitik. Die Bedeutung von sozialen Dienstleistungen zur Bekämpfung von Armut sei außerdem bisher unterschätzt worden. Immer mehr Menschen würden in Österreich in die Armut rutschen, und dies könne man "nicht achselzuckend" hinnehmen, bemängelte Martin Schenk von der Armutskonferenz.

"Wenn unsere Gesellschaft ein großes Haus ist, können wir nicht achselzuckend hinnehmen, dass immer mehr Menschen im dunklen Keller verschwinden", gab Schenk, Sozialexperte der Armutskonferenz, zwei Wochen nach der Präsentation des Sozialberichtes der Regierung zu bedenken.

Besonders die Bedeutung sozialer Dienstleistungen für die Armutsbekämpfung sei bisher unterschätzt worden: "Einer Alleinerzieherin nützt eine Grundsicherung von 700 Euro gar nichts, wenn gleichzeitig die Miete auf 600 Euro ansteigt, es keine Kinderbetreuung gibt, beim Arzt stets gezahlt werden muss, Gebühren steigen, die U-Bahn keinen Sozialtarif kennt, die Schule keine kostenlose Nachmittagsförderung für ihr Kind anbietet, die Pensionsversicherung privat gezahlt werden soll", kritisierte Schenk.

Der Anstieg der Armut werde jedenfalls verhindert, wenn Bildung nicht von der Herkunft abhängt, wenn man von der Arbeit, die man hat, leben kann, wenn auch in der Gesundheitsvorsorge die sozialen Lebensbedingungen mehr berücksichtigt werden, und nicht zuletzt, wenn es mehr Kinderbetreuungsplätze gibt, stellte die Armutskonferenz fest.

"Mindestsicherungs ABC"
Das Netzwerk erinnerte an ihre Forderung nach einem "Mindestsicherungs ABC": also materielle Mindestsicherung (A), soziale Dienstleistungen (B) und aktive Arbeitsmarktpolitik (C). Existenzsicherung gelte es in der Pension, in Phasen der Erwerbslosigkeit, bei der Notstandshilfe, in der Sozialhilfe und im Krankenversicherungsschutz zu etablieren. Die Menschen sollten einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen haben, verlangte die Armutskonferenz. (apa/red)

16.2.2005 11:40