Dienstag, 15. Februar 2005

Nach Tsunami: Ed Fagan bringt im Namen von 14 Österreichern Klage in New York ein

  • Um Verschulden an Folgen der Flutkatastrophe zu klären

Im Namen von 14 Österreichern und fünf Deutschen wird US-Opferanwalt Ed Fagan in den Vereinigten Staaten eine Klage einbringen, um festzustellen, ob die katastrophalen Folgen des Tsunami am 26. Dezember am Indischen Ozean, der rund 300.000 Menschen das Leben kostete, womöglich auf Fehler, Unterlassungen oder auch auf fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln zurückzuführen sind. Das kündigten Fagan und die beiden österreichischen Anwälte Herwig Hasslacher und Gerhard Podovsovnik am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien an.

Fagan will diese Klage auf Dokumentensicherung - vermutlich überhaupt die erste in Zusammenhang mit der Flutkatastrophe - am Donnerstag in New York einbringen. Adressaten sind das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii bzw. dessen übergeordnete Behörde, die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration), sowie die Accor-Hotelgruppe, zu der das schwer betroffene Sofitel im thailändischen Khao Lak gehörte, und der Staat Thailand. Sie sollen gezwungen werden, jene Unterlagen zur Verfügung zu stellen, aus denen hervorgeht, wer im Zusammenhang mit der Tsunami-Katastrophe was wann wie getan oder unterlassen hat. Auf dieser Basis wollen die Juristen Verantwortliche herausfinden, gegen die in der Folge eventuell gerichtlich vorgegangen wird.

"Der Tsunami war höhere Gewalt, die Folgen sind auf menschliches Versagen zurückzuführen", erklärte der Villacher Anwalt Hasslacher. Das US-Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii habe zwar ein heftiges Erdbeben vor Sumatra registriert, Thailand aber nicht verständigt, sondern nach 15 Minuten in einem Bulletin festgestellt, dass für Pazifikstaaten keine Gefahr bestehe. "Das ist ein Hohn, finde ich", sagte Hasslacher. "Das ist so, wie wenn am Großglockner eine Lawine abgeht und ich sage, für Wien besteht keine Gefahr."

Eine Stunde habe die Flutwelle gebraucht, um die Küsten Thailands zu erreichen, eine weitere, um bis Sri Lanka zu kommen. Wettersatelliten hätten Zerstörungen auf Sumatra registriert. "Und dann, verdammt, weiß keiner, dass sie kommt?", fragte Fagan.

Versagen vermuten die Anwälte denn auch bei der meteorologischen Behörde Thailands, die eine Stunde vor Eintreffen der Flutwelle von der Gefahr gewusst habe. Der Leiter des Wetterdienstes wurde Anfang Jänner gefeuert. Der Accor-Hotelgruppe wirft Hasslacher vor, das Sofitel Khao Lak "in der ersten Reihe fußfrei vor einer gewaltigen Bruchlinie" errichtet zu haben. Das Hotel wäre verpflichtet gewesen, gewisse Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten.

Parallel dazu möchten die Anwälte die Einrichtung eines Opferfonds erreichen, den Verantwortliche für die schweren Folgen dotieren sollen. Kritik übten Hasslacher und Podovsovnik auch an Österreich: Die Hilfe für Tsunami-Opfer sei nicht ausreichend gewesen und nach wie vor ineffizient. Aufklärung darüber will man in einem Offenen Brief an Außenministerin Ursula Plassnik und Innenministerin Liese Prokop (beide V) fordern.

Hasslacher und Podovsovnik haben eine Info-Plattform für Tsunami-Opfer ins Leben gerufen (http://www tsunamivictimsgroup.com; http://www.tvg.com). Dort wurden nach Angaben der Anwälte bereits rund 6.000 Anfragen registriert. (apa)

15.2.2005 16:34