Europäische Union: Die Österreicher und
ihre wahren Ängste und Wünsche
- Umfrage: Nur 28 Prozent sind für weitere Beitritte
- Abwandern von Arbeitsplätzen bereitet Kopfzerbrechen
·EU-Verfassung: 66% der Österreicher pro
Dänen und Finnen mit größten Anteil an Gegnern
Das Abwandern von Arbeitsplätzen in EU-Partnerländer mit niedrigeren Produktionskosten ist die größte Befürchtung, die die Österreicher im Zusammenhang mit der Europäischen Union hegen. Das geht aus einer jüngst vorgestellten Eurobarometer-Umfrage des Gallup Instituts hervor. Demnach gaben knapp mehr als drei Viertel der Befragten (76 Prozent) an, in diesem Punkt Angst zu haben. In der Frage weiterer Erweiterungen der Gemeinschaft, etwa um Rumänien, Bulgarien, Kroatien, aber möglicherweise auch um die Türkei, zeigten sich die Österreicher innerhalb der EU als die entschiedensten Gegner: Nur 28 Prozent von ihnen wollen die Aufnahme weiterer Staaten.
Die Einstufung der österreichischen EU-Mitgliedschaft als "gute Sache" lag bei der Umfrage bei 46 Prozent und war damit so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Nur einmal zuvor, nämlich Ende 2002, betrachtete ein derart großer Anteil der Österreicher die Mitgliedschaft in einer Gallup-Erhebung als "gute Sache". Beim Beitritt 1995 waren es 39 Prozent. Vom Frühjahr 2004 bis zum Herbst 2004, wo die am Dienstag präsentierte Umfrage durchgeführt wurde, ist der Prozentsatz der EU-Befürworter demnach um 16 Punkte von 30 auf 46 Prozent gewachsen.
EU-Vergleich
Im EU-Vergleich ist die Pro-Europa-Fraktion in Österreich jedoch nicht besonders stark repräsentiert. Anteilsmäßig weniger Europa-Freunde gibt es nur in den neuen Mitgliedsländern Tschechien, Malta, Lettland sowie in Großbritannien, das mit 38 Prozent Befürwortern hier das Schlusslicht bildet.
In Österreich sahen rund 18 Prozent die EU-Mitgliedschaft negativ, 32 Prozent sagten, diese sei weder gut noch schlecht, die Übrigen antworteten mit "Ich weiß nicht".
Furcht vor Drogenhandel und Kriminalität ist groß
Neben der Angst vor der Abwanderung von Arbeitsplätzen ist unter der österreichischen Bevölkerung auch die Furcht vor einem Anstieg des Drogenhandels und der Organisierten Kriminalität im Zusammenhang mit der EU hoch (73 Prozent). Immerhin 68 Prozent äußerten Unbehagen über steigende Zahlungen an Brüssel.
Im EU-Vergleich überdurchschnittlich viele Landsleute (54 Prozent) wünschten sich, dass sich die EU mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschäftigen soll. Der Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Österreich, Karl Doutlik, mutmaßte am Dienstag, dass offenbar die Ansicht vorherrsche, dass es in punkto Arbeitslosigkeit in Österreich selbst "keine Lösung" gebe. Weitere wichtige Themen, die auf supra-nationaler Ebene behandelt werden sollten, sind für die Österreicher ganz in Übereinstimmung mit ihrer Befürchtung die Bekämpfung des Drogenhandels und der Organisierten Kriminalität und auch ein Vorgehen gegen Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung.
Frieden & Sicherheit ist weniger wichtig
Für weniger EU-relevant hielten die Teilnehmer an der Befragung die Erhaltung von Frieden und Sicherheit (29 Prozent), die Bekämpfung der illegalen Einwanderung (24 Prozent) und ferner die Sicherung der Qualität von Lebensmitteln (17 Prozent). Bereiche, in denen nach Meinung der Befragten die heimische Regierung und nicht die EU entscheiden sollte, waren das Polizei- und Justizwesen, Gesundheit und Soziales sowie die Bildung.
Österreicher stehen EU-Erweiterung am skeptischten gegenüber
In der Frage weiterer Erweiterungen sind die Österreicher mit nur 28 Prozent Pro-Stimmen in der EU am skeptischsten, noch hinter den Deutschen mit 36 Prozent. Harald Pitters vom österreichischen Gallup-Institut führt das vor allem auf die Beitrittsambitionen der Türkei zurück. Ohne die im Raum stehende Aufnahme der Türkei - auch wenn sie erst in zehn Jahren oder später erfolgen dürfte - wäre die Erweiterungsfreudigkeit in Österreich größer ausgefallen, meinte Pitters.
Auf die Frage "Was assoziieren Sie mit der Europäischen Union?" nannten 57 Prozent der in Österreich Befragten den Euro, 51 Prozent die Freiheit, im Unionsraum zu reisen, zu studieren und zu arbeiten. 46 Prozent antworteten mit "Mehr Kriminalität", 40 Prozent mit "Geldverschwendung".
(apa/red)
