Donnerstag, 10. Februar 2005

Gewinneinbruch bei Mercedes Benz: Der Daimler-Konzern verfehlt die Erwartungen

  • Jobabbau bei Mercedes ist nicht mehr ausgeschlossen
  • PLUS: Die Gründe für die hohen Verluste im Überblick

Die deutsche Nobelmarke Mercedes hat im vergangenen Jahr einen schweren Gewinneinbruch erlitten. Wie der Mutter-Konzern DaimlerChrysler mitteilte, hat Mercedes ihr Betriebsergebnis von 3,1 auf 1,7 Mrd. Euro fast halbiert. Der gesamte deutsch-amerikanische Autokonzern hat deshalb trotz guter Ergebnisse bei der US-Sparte Chrysler und bei Nutzfahrzeugen die Gewinnerwartungen der Börse klar verfehlt.

Nach Bekanntgabe der Zahlen ist die Aktie um 2,5 Prozent auf 35,24 Euro Euro abgesackt und war damit Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (DAX). Daimler schließt nun einen Stellenabbau bei Mercedes nicht aus.

Absatz-Rückgang auch in Österreich
Allein in Österreich ist der Mercedes-Absatz im abgelaufenen Jahr um 7,5 Prozent auf 10.561 Neuzulassungen zurückgegangen. Grund dafür seien mehrere "Modellwechsel" und die "schwache Nachfrage in den oberen Automobilklassen", erklärte der heimische Generalimporteur.

Gründe für die Verluste
Konzernchef Jürgen Schrempp bezeichnete den Gewinneinbruch bei der Mercedes-Pkw-Sparte auf der Jahrespressekonferenz als "nicht akzeptabel". Neben dem schwachen Kurs des Dollar hätten dazu der hohe Verlust des Kleinstwagens Smart und die Kosten der Behebung von Qualitätsproblemen bei Mercedes beigetragen. Im vierten Quartal landete die Mercedes Car Group, sonst die mit Abstand ertragreichste Sparte des Konzerns, mit 20 Mio. Euro Gewinn nur knapp in den schwarzen Zahlen - ein Rückgang um 97 Prozent nach 784 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Prognose
Die Rückkehr zur alten Ertragsstärke habe absolute Priorität, sagte Schrempp. DaimlerChrysler werde die Probleme innerhalb von zwölf Monaten in den Griff bekommen. Für 2005 stellte Schrempp aber nur einen leichten operativen Gewinnanstieg in Aussicht. Analysten zeigten sich davon enttäuscht. Unterm Strich schrumpfte der Konzern-Betriebsgewinn in den Monaten Oktober bis Dezember 2004 von 2,4 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum auf 785 Mio. Euro. Analysten hatten im Durchschnitt mit 1,43 Mrd. Euro gerechnet. Über das Gesamtjahr gesehen konnte der Konzern wie angekündigt seinen Betriebsgewinn leicht steigern, blieb mit 5,75 (2003: 5,69) Mrd. Euro aber ebenfalls unter den Markterwartungen. Analysten hatten hier mit 6,4 Mrd. Euro gerechnet.

Zahlen, Daten, Fakten
Nach Steuern verblieb dem DaimlerChrysler-Konzern ein Gewinn von 2,47 (Vorjahr 0,45) Mrd. Euro. Der Konzernumsatz stieg auf 142,1 (136,4) Mrd. Euro. Die Dividende soll mit 1,50 Euro je Aktie stabil bleiben. Aus den roten Zahlen fuhr die US-Tochter Chrysler: Nach einem Verlust von 506 Mio. Euro im Vorjahr konnte der einstige Sanierungsfall des Konzerns nun ein operatives Ergebnis von 1,43 Mrd. Euro ausweisen. Auch die einst schwächelnden Nutzfahrzeuge gaben kräftig Gas. Der Betriebsgewinn der Sparte kletterte auf 1,33 Mrd. Euro nach 811 Mio. Euro im Vorjahr.

Sparprogramm
Für das laufende Jahr geht DaimlerChrysler von einem moderaten Anstieg der weltweiten Autonachfrage aus. Nach zwei schwachen Quartalen solle das Geschäft im zweiten Halbjahr 2005 anziehen, so dass im Gesamtjahr mit einem leichten Anstieg des operativen Ergebnisses gerechnet werde. Eine deutliche Ergebnisverbesserung erwartet der Konzern allerdings erst in den Jahren 2006 und 2007, wenn seine Produktoffensive voll zum Tragen komme. Mercedes-Benz soll durch ein Programm zur Effizienzsteigerung im Jahr 2007 wieder eine Umsatzrendite von sieben Prozent erzielen und ihr Ergebnis um mehr als drei Mrd. Euro verbessern. Außerdem sollen 2005 neue Modelle der Luxus-Serie S-Klasse oder die neu entwickelte B-Klasse den Absatz des Konzerns beflügeln.

Bei Magna Steyr in Österreich hat DaimlerChrysler im Vorjahr 96.000 Autos hergestellt, davon 32.100 für Mercedes-Benz (26.000 E-Klasse-Allrad-Modelle und rund 6.000 Geländewägen) und 64.000 für Chrysler (Mini-Vans "Voyager" bzw. Jeeps "Grand Cherokee").(apa/red)

10.2.2005 13:11