Freitag, 13. Mai 2005

Kritik an Tempo 160 von VCÖ: Mit Vollgas zu hohem Blutzoll und CO2-Emissionen

  • Grüne: "Tempo 160-Wahn von Minister Gorbach"
  • MITSTIMMEN: Für welches Tempo-Limit sind Sie?

Kritik am Tempo 160-Vorstoß von Verkehrsminister Hubert Gorbach (F): Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht darin einen Rückschritt in der Verkehrssicherheit. Die Umweltorganisation Greenpeace erwartet bei einer Erhöhung des Tempolimits pro Jahr um 400.000 Tonnen mehr an Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Und die Grünen sprechen gar vom "Tempo 160-Wahn von Minister Gorbach", der den Blutzoll auf den Autobahnen erhöhe.

Der VCÖ warnte am Donnerstag in einer Aussendung, dass ein höheres Tempo auf der Autobahn vor allem deutlich mehr Auffahrunfälle brächte. Der Verkehrsclub kritisierte, dass quasi bei einem "Feldversuch" die Gesundheit und das Leben von Menschen aufs Spiel gesetzt würden. "Die Lizenz zum Rasen wird sehr schnell eine Lizenz des Todes", meinte VCÖ-Verkehrssicherheitsexperte Martin Blum. Überhöhtes Tempo sei für 40 Prozent der bisherigen tödlichen Verkehrsunfälle im Jahr 2005 verantwortlich. Einen Probebetrieb lehnt der VCÖ strikt ab. "Beim Probebetrieb wird getestet, ob Tempo 160 zu mehr Unfällen, zu mehr Verletzten und mehr Todesopfern führt. Das bedeutet nichts anderes, als dass hier mit Menschen Versuche gemacht werden."

Der VCÖ betonte, dass vor allem die tödlichen Auffahrunfälle zunehmen würden. "Lkw werden weiterhin mit 100 km/h überholen. Der Anhalteweg beträgt bei Tempo 130 auf trockener Fahrbahn 126 Meter. Wer mit Tempo 160 unterwegs ist, hat nach 126 Meter noch eine Geschwindigkeit von 100 km/h. Bei diesem Tempo auf einen Lkw aufzufahren, ist tödlich", so Blum.

Der VCÖ verwies auch auf internationale Erfahrungen: In den USA habe die Erhöhung des Tempolimits auf Highways von 55 Meilen (89 km/h) auf 65 Meilen (105 km/h) zu einer Zunahme der Zahl der Verkehrstoten um 19 bis 34 Prozent geführt. In der Schweiz wiederum habe die Verringerung des Tempolimits auf Autobahnen von 130 auf 120 km/h zu zwölf Prozent weniger Verkehrstoten geführt. Auch in Österreich brachten niedrigere Tempolimits laut VCÖ weniger Unfälle. "In Österreich wurde am 1. Mai 1974 Tempolimit 130 auf Autobahnen eingeführt, die Zahl der Verkehrstoten ging damit deutlich zurück. Im Jahr 1973 starben auf Österreichs Straßen 2.765 Personen, 1975 waren es mit 2.467 um elf Prozent weniger", zitierte Blum aus der Unfallstatistik.

Grüne: "Tempo 160-Wahn von Minister Gorbach"
Die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriele Moser, argumentierte ähnlich: "Der Tempo 160-Wahn von Minister Gorbach erhöht den Blutzoll auf den Autobahnen." Bei Fortschreibung gegenwärtiger Toleranzgrenzen würde 175 km/h auf den Autobahnen Realität. "Damit konterkariert der Minister das Regierungsprogramm zur Halbierung der Zahl der Verkehrstoten." Außerdem seien Österreichs Autobahnen nicht für Tempo 160 konzipiert, was wiederum die Gefährdung potenziell erhöhe.

Zudem sei der Gorbach-Vorstoß ein Schlag ins Gesicht des Klimaschutzes. Die Schadstoffkurve der Autoabgase steige bei höherem Tempo exorbitant. "Nur um die Sympathien der Raser zu gewinnen, verabschiedet sich Minister Gorbach von jeglicher Form des Klimaschutzes", schloss Moser in einer Aussendung. Greenpeace ergänzte: "Wir haben bereits jetzt ein CO2-Problem, ein Staubproblem und ein Lärmproblem", so Verkehrsexperte Jurrien Westerhof. "Statt über Tempo 160 zu fantasieren, möge der Verkehrsminister die Bevölkerung vor einem weiteren Anstieg der Verkehrsbelastungen schützen!"

Wenn auf Österreichs Autobahnen Tempo 160 eingeführt wird, steigen nach Berechnungen der Umweltorganisation die verkehrsbedingte CO2-Emissionen um etwa 400.000 Tonnen. Bereits im vergangenen Jahr waren diese Emissionen um 8,2 Prozent auf etwa 23 Millionen Tonnen angewachsen, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Der Verkehr liefere inzwischen den größten Beitrag an Österreichs CO2-Emissionen. Bei Tempo 160 würde ein Auto doppelt so viel Treibstoff verbrauchen wie bei Tempo 100.

"Statt sich um die ohnehin explodierenden CO2-Emissionen zu kümmern, will der Verkehrsminister Österreich mit Tempo 160 in den Klimakollaps rasen lassen. Welche Klientel bedient Gorbach eigentlich? Umweltminister Pröll soll diesen peinlichen Stimmenfang der FPÖ unterbinden!", forderte Weterhof. (apa/red)

UMFRAGE: Für welches Tempo-Limit stimmen Sie persönlich?

13.5.2005 16:48