Carleton S. Fiorina: Von einer Aushilfs-sekretärin zur Top-Managerin der USA
- Ihr plötzlicher Abstieg aus dem US-Wirtschaftsolymp
- Sie krempelte als Chefin Hewlett-Packard völlig um
Im Herbst 2001 wurde die US-Amerikanerin Carleton S. Fiorina noch als das Synonym für die erfolgreiche und harte Managerin gehandelt, nun ist erst einmal der Lack ab. Rund drei Jahre nachdem sie an die Spitze der damals gerade fusionierten Computerkonzerne Hewlett-Packard (HP) und Compaq wechselte, ist sie überraschend zurückgetreten.
Die 50-jährige Tochter eines Juristen und einer Malerin begann ihre Traumkarriere als Aushilfssekretärin bei HP, Damals studierte sie noch Mittelalterliche Geschichte und Philosophie an der angesehen Stanford-Universität. Nach ihrem Abschluss als Bachelor stieg sie um und erlangte einen MBA in Betriebswirtschaft.
In den 20 Jahren danach beim US-Telefonkonzern AT&T begann der Aufstieg der Vorzeige-Managerin. Sie hatte die Federführung bei der Vorbereitung des Börsengangs von Lucent Technologies 1996 und der damit vollzogenen Abspaltung von AT&T. Bei Lucent übernahm sie operative Verantwortung für das globale Servergeschäft.
Fiorina krempelte HP um
Von dort wechselte sie zurück zu HP, wo sie die Nachfolge von Lew Platt an die Konzernspitze von Hewlett-Packard antrat. Sie krempelte das Unternehmen um, das Ziel lautete: Aufholjagd in Sachen Internet. Der Vertrieb sollte künftig verstärkt über das Netz abgewickelt und das Image eines Druckerherstellers hin zum führenden PC-Anbieter gewandelt werden.
Fiorina hat die Zahl der HP-Sparten von 83 auf weniger als fünf reduziert und die Verluste in der Computer-Abteilung durch Kostensenkungen und Kündigungen gesenkt. In ihrer Amtszeit hat sich der HP-Umsatz zwar verdoppelt, die Profite liegen aber erst seit kurzem wieder auf dem Niveau des Jahres 1999. Im November hatte der Konzern einen Nettogewinn von 3,5 Mrd. Dollar für das Finanzjahr 2004 gemeldet, um beachtliche 38 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
PC-Sparte verlor zuletzt
Die PC-Sparte von HP hatte zuletzt Marktanteile an den texanischen Konzern Dell verloren. Auch andere Unternehmensbereiche hatten Schwierigkeiten, sich gegen Konkurrenten wie EMC oder IBM durchzusetzen. Nach wie vor ist das Druckergeschäft der wichtigste Kern von HP - diese Sparte steuert zwei Drittel der Gewinne bei.
Die Fusion der beiden Konzerne, die acht Monate lang heftig umstritten war, wurde von Fiorina verantwortet, sie kostete HP 19 Mrd. Dollar. Schon damals war diese Übernahme von den Nachkommen der Firmengründer Hewlett und Packard bekämpft und von Analysten kritisiert worden - sie bezweifelten den strategischen Nutzen des Mergers. Fiorina drückte ihn aber gegen alle Widerstände durch.
Auch privat für klare Verhältnisse
Auch privat sorgte "Carly" für klare Verhältnisse. Ihr Mann hat sich frühpensionieren lassen und kümmert sich um die Kinder. "Carly" selbst sorgte in US-Medien auch wegen ihrer Vorliebe für elegantes Auftreten und Designermode des öfteren für bissige Kommentare. Freunde machte sie sich hingegen mit dem Rückkauf jener legendären Garage, in der der Weltkonzern HP einst gegründet wurde. (apa)
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