Ein Tonband als Anklage: Das Komplott
- Befahl Ex-Putin-Berater Dioxin-Anschlag auf Viktor Juschtschenko?

Aufgedeckt: Ein abgehörtes Telefongespräch liefert die Beweise im Krimi um den ukrainischen Präsidenten Juschtschenko. Wer die Idee zum Dioxin-Anschlag hatte, wer die Täter sind. NEWS hat das Protokoll.
Freitag, 4. Februar 2005, 14.54 Uhr, Kiewer Zeit. Es ist die Stunde der Demokratie in der Ukraine, der Triumph der orangen Revolution. Die Werchowna Rada, das Parlament, hat die 44-jährige Julia Timoschenko ohne Gegenstimme zur neuen Premierministerin der Ukraine gewählt. Die zierliche, fast zerbrechlich wirkende Frau reckt den rechten Daumen in die Höhe. Dann verschwindet sie hinter einem Bouquet aus hundert weißen Rosen und umarmt Präsident Viktor Juschtschenko, 50, dessen Gesicht nach einem Giftanschlag mit Dioxin während des Wahlkampfes durch Narben entstellt ist.
Die Anklage. Politisch sind Präsident Juschtschenko und Premierministerin Timoschenko endlich am Ziel. Jetzt soll das große Aufräumen folgen: Wir werden nur dann in Ruhe arbeiten können, wenn jene Männer vor Gericht gestellt sind, die Präsident Juschtschenko ausschalten wollten, sagt Timoschenko nach ihrer Angelobung. Jurij Lutsenko, der neue Innenminister, ist zuversichtlich, den politischen Kriminalfall Juschtschenko rasch abschließen zu können: Wir wissen inzwischen, wer das Gift über die Grenze gebracht hat, welcher Abgeordnete diesen Transport begleitet hat, welcher Beamte es übernommen hat und wer es ins Essen gemischt hat.
Viktor Juschtschenko ist am 5. September 2004 mit einer großen Dosis Dioxin vergiftet worden. Er hatte sich an jenem Abend im Kiewer Haus des stellvertretenden Geheimdienstchefs Volodimir Satsiuk mit Geheimdienstchef Igor Smetschko zum Essen getroffen. Es gab Rahmsuppe, Flusskrebse und Sushi. Stunden später brach Juschtschenko mit kolikartigen Bauchkrämpfen und Muskelschmerzen zusammen. Ich musste mich ständig übergeben, erzählt er im NEWS-Interview. Mir war rasch klar, dass sie mir etwas ins Essen gemischt haben müssen. Es war eine fast tödliche Dosis Dioxin, wie Ärzte im Wiener Rudolfinerhaus, in das Juschtschenko vier Tage nach dem Anschlag zur Behandlung gebracht wurde, feststellen konnten. Über die Täter sagt Juschtschenko zu NEWS: Die saßen in der früheren Regierung.
Das Tonband. Namen wollte er keine nennen. Das holte jetzt Volodimir Ariev, 30, Aufdecker und Chefredakteur des ukrainische Nachrichtensender Channel 5, nach: Auftraggeber und Ideenlieferant für den beinahe perfekten Anschlag soll demnach Gleb Pawlowski gewesen sein, ein ehemaliger Wahlkampfmanager des russischen Präsidenten Waldimir Putin und späterer Chefberater von Juschtschenkos Gegenspieler Viktor Janukowitsch gewesen sein: Er war das Mastermind, das können wir hundertprozentig beweisen, behauptet der Journalist im Gespräch mit NEWS. Unterlagen liegen bereits bei der Staatsanwaltschaft in Kiew und wurden inzwischen bestätigt.
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PLUS: So wurde der Dioxin-Anschlag auf Viktor Juschtschenko geplant.
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