Neue Ära der Medizin: Die Krebs-Killer
- PLUS: Teil 3 der Gesundheits-Serie: Immunsystem

Neue Medikamente und Strahlentherapien als Super-Waffen im Kampf gegen die Geißel Krebs. Die Immuntherapien gegen Krebs sind der Beginn eines neuen Medizin-Zeitalters.
Für ihn hat sich ein neues Tor geöffnet: Der Wiener Architekt Kurt Schlachter, 45, hat Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Sechs Jahre lang ließ er alle Therapiemöglichkeiten inklusive Nebenwirkungen über sich ergehen. Zuletzt galt er als austherapiert, die Überlebenschance wurde auf ein paar wenige Monate reduziert. Heute ist alles anders. Schlachter arbeitet, treibt Sport, verbringt seine Zeit mit seiner Familie mit so gut wie keiner Einschränkung oder schmerzhaften Nebenwirkungen. Und das höchstwahrscheinlich noch ein bis zwei Jahre, ist Gabriela Kornek, Onkologin am Wiener AKH, zuversichtlich.
Neue Hoffnung für Krebspatienten. Möglich macht das eine völlig neue Form der Krebstherapie. Seit wenigen Monaten erhält Schlachter ergänzend zur Chemotherapie das erst kürzlich in Österreich zugelassene Medikament Avastin (Roche), ein Immuntherapeutikum, das den Tumor zielgerichtet aushungert. Schlachter: Seitdem haben sich meine Werte nicht verschlechtert. Ein weiterer Vorteil der neuen Therapieform: Die Verträglichkeit der zielgerichteten Therapie ist zumeist wesentlich besser als die einer Chemotherapie. Schlachter: Als angenehm empfinde ich, dass die Verabreichung des Medikamentes in einer Tagesklinik erfolgen kann. Der Zeitaufwand mit vorbereitender Blutuntersuchung und Arztgespräch nimmt nur einen halben Tag in Anspruch. Die begleitende Chemotherapie erfolgt oral via Tabletten (Xeloda v. Roche). Diese werden täglich eingenommen und können daher genau dosiert werden. Schlachter: Derzeit treten keine nennenswerten Nebenwirkungen auf. Diese Therapie bietet mir eine neue Chance, mein Leben wieder in Normalität ablaufen zu lassen.
Neue Waffen gegen Krebs. Wir stehen an der Schwelle eines ganz neuen Kapitels der Krebstherapie, zeigt sich Christoph Zielinski, Krebsexperte der Wiener Uni-Klinik, hoch erfreut. Jahrzehntelang wurde geforscht, jetzt endlich haben wir eine Vielzahl von Medikamenten, auf die wir so lange gewartet haben. Und wir stehen erst am Anfang der neuen Ära. Hoffnungsvolle Aussichten also, schließlich ist Krebs eine der häufigsten Todesursachen in Österreich. 2002 starben laut Statistik Austria 129,5 von 100.000 Österreichern an Krebs. Das ist zwar ein Rückgang bei der Sterblichkeit von 15 Prozent innerhalb von zehn Jahren, gleichzeitig aber hat sich die Zahl der diagnostizierten Krebserkrankungen deutlich erhöht. Statistisch gesicherte Werte liegen in diesem Bereich bis ins Jahr 2000 vor. In diesem Jahr wurden insgesamt 34.401 Krebserkrankungen registriert. Zehn Jahre zuvor waren es 31.426. Frauen sind vor allem durch Brustkrebs stark betroffen, bei Männern führt weiterhin der Lungenkrebs die Todesstatistik an.
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