Mittwoch, 9. Februar 2005

Theater an der Wien: Vernichtendes Zechner-Gutachten zur Opernbespielung

  • Opposition kündigt im Koalitionsfall Stopp der Pläne an

Kathrin Zechner, Musical-Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien und damit Protagonistin der Neuordnung des Kulturkonzerns, hat dem demnächst in Kraft tretenden Modell in einem vertraulichehn Gutachten ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Das berichtet NEWS, dem die Eckdaten des Dokuments zugespielt wurden, in seiner aktuellen Ausgabe. Zechner selbst will die Causa unter Verweis auf die Vertraulichkeit des Dokuments nicht kommentieren.

Das vor zwei Jahren erstellte Gutachten thematisiert alle Probleme, die sich nun offenbaren: Intendant Roland Geyer, der das ab 2006 Musical-freie Theater an der Wien mit Opern bespielen soll, gab für das Mozart-Jahr eine Ausnutzung von nur 86 Abenden (unter ihnen 65 szenische) bekannt, was zu heftigen Reaktionen führte.

In einer präzisen Kosten-Nutzen-Rechnung thematisierte Zechner die hohen Kosten der Opern-Umwidmung, die eine geringe Bespielung zur Folge haben müssten, und die Gefahr drohenden Publikumsmangels in Direktkonkurrenz zur 300 Mal im Jahr geöffneten Staatsoper.

Als Alternativkonzept empfiehlt Zechner, so NEWS, das Theater an der Wien als "Festivalhaus" zu führen: Nach dem Vorbild des Mozart-Jahrs solle es alle drei bis vier Jahre für die klassische Bespielung reserviert und mit einem Schwerpunkt versehen werden (etwa Händel im Jahr 2009). Mehr sei seriöserweise nicht finanzierbar. In diesen Jahren müsse man mindestens 150 Abende erreichen. Diese Festivals sollten in Zusammenarbeit mit der Staatsoper oder den Festwochen disponiert werden. So könne man das Repertoire der Staatsoper ergänzen statt konkurrenzieren.

In den Jahren dazwischen solle der derzeitige Mischbetrieb zwischen Musical und Oper erhalten bleiben, erweitert durch einen Mozart-Schwerpunkt im September. Erst im Fall exzessiven Publikumszuspruchs sei an die Erweiterung des Opern-Anteils zu denken.

Derweil kündigen die Kultursprecher aller drei Oppositionsparteien in NEWS an, das von der SP-Mehrheit beschlossene , insbesondere den Ausbau des Ronacher zum Musical-Haus, im Koalitionsfall zu verhindern. Marie Ringler von den Grünen: "Dafür ist zuwenig Geld da, so dass wieder das Kulturbudget belastet wird. Ich halte sowohl den Umbau als auch die Opernbespielung für falsch. Beide sind zentrale Punkte für eine Koalition." Andreas Salcher (ÖVP): "Der Umbau wird sofort gestoppt, wenn wir in der Koalition sind." Auch Heidemarie Unterreiner von der FPÖ will den Umbau verhindern.

Wiens Vizebürgermeister Sepp Rieder (SP) verweist auf den Gemeinderatsbeschluss, wünscht aber nach dem Mozart-Jahr eine deutliche Steigerung der Vorstellungszahl.

Im übrigen erinnert sich Rieder an die Konvulsionen um den Bau des Wiener AKH: "Die Politiker, die damals am lautesten nach dem Abbruch der Bauarbeiten gerufen haben, standen bei der Eröffnung in der ersten Reihe."

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

9.2.2005 12:13