Mittwoch, 16. Februar 2005

AUA-Betriebsversammlung ging ohne Beschlüsse zu Ende: Stimmung 'aufgeheizt'

  • Betriebsrat kündigt weitere Info-Veranstaltungen an

Bei der heimischen Austrian Airlines-Luftfahrt-Gruppe sind ein halbes Jahr nach Unterzeichnen eines neuen Kollektivvertrags (KV) neue Konflikte aufgebrochen: Der AUA-Betriebsrat Bord protestiert gegen die schleppende Umsetzung der Vereinbarungen vom August 2004, viele Punkte würden nicht oder unzureichend eingehalten, lauten die Vorwürfe. In einer mehr als zweieinhalbstündigen Betriebsversammlung am Flughafen Wien hat der Betriebsrat am Montag rund 400 Piloten und Flugbegleiter über den Stand der Dinge informiert, die Stimmung sei "sehr aufgeheizt" gewesen, hieß es.

In einer weiteren Betriebsversammlung informierten sich ebenfalls am Wiener Flughafen rund 250 Mitarbeiter der Regionalfluggesellschaft Austrian arrows (Tyrolean) über die aktuelle Situation bei der 100-prozentigen AUA-Tochter, wo die Stimmung ebenfalls "heiß" gewesen sei. "Die Tyrolean-Mitarbeiter fühlen sich ungerecht behandelt", sagte Betriebsrat Norbert Fröwis zur APA. Zum einen werde die versprochene Möglichkeit, zur besser zahlenden Muttergesellschaft AUA wechseln zu können, bisher nicht umgesetzt. Zudem habe es einige "ungerechtfertigte Kündigungen" gegeben, der Umgangston zwischen Belegschaft und Geschäftsführung habe sich verschärft. Die Tyrolean-Bord-Mitarbeiter fordern jetzt "angemessene Schritte" des AUA-Managements bis Ende Februar. Ansonsten drohe die Gefahr eines "nächsten Konflikts", das Potenzial dazu wäre vorhanden.

Die Betriebsversammlungen am Montag gingen am frühen Nachmittag ohne nennenswerte Störungen im Flugbetrieb zu Ende. Bis auf eine einstündige Verspätung bei einem Flug nach London gab es offenbar keine Störungen durch die AUA-Betriebsversammlung. Vorsorglich habe die AUA aber bereits im Vorfeld drei Langstreckenflüge auf den frühen Nachmittag verlegt.

Die AUA bekennt sich weiter zur "Implementierung eines gesellschaftsübergreifenden Karrieremodells". Dafür angebotene Gesprächstermine seien aber von der Belegschaftsvertretung des zusammengelegten Austrian/Lauda Flugbetriebs nicht aufgegriffen worden. Die Kündigungen wollte die AUA mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit nicht kommentieren.

Die gegenwärtigen Betriebsversammlungen belegen, dass sich der beigelegt geglaubte Konflikt zwischen AUA-Bordpersonal und Unternehmensführung wieder zuspitzt. Während die AUA "von einigen noch offenen Betriebsvereinbarungen im Anhang des neuen Kollektivvertrags" spricht, die "mit beiderseitigem konstruktiven Willen (...) durchaus lösbar" seien, beanstanden Belegschaftsvertreter "unzählige" Punkte, die nicht eingehalten würden. Gehaltsbestandteile würden nicht korrekt ausbezahlt, Arbeits- und Ruhezeitenbestimmungen nicht eingehalten. "Es wird überall ein bisschen weggezwackt", sagte AUA-Bord-Betriebsrat Karl Minhard.

Die Unternehmensleitung hält die offenen "Fragen und Themen" für gemeinschaftlich und konstruktiv lösbar. Zunächst sollten die noch offenen Betriebsvereinbarungen behandelt werden, dann seien die aus Sicht des Betriebsrat offenen und/oder bilateral zu behandelnden "Detailpunkte" des Kollektivvertrags besprochen werden. Schließlich sollte auch das Karrieremodell gemeinsam gestaltet werden.

AUA-Bord-Betriebsrat Minhard kündigte weitere Betriebsversammlungen an, "um die Information breiter zu streuen". Die weitere Entwicklung hänge jetzt "vom Personal" ab. Die Darstellung der AUA, wonach die Belegschaftsvertretung für die verzögerte Umsetzung der Betriebsvereinbarungen verantwortlich sei, wies Minhard energisch zurück: "Wenn ein Vertragspartner einen Vertrag nicht einhält, ist das eine Sauerei". Das Bordpersonal der AUA erkläre sich "solidarisch" mit der Belegschaft des Regionalfliegers Austrian arrows/Tyrolean.

Im August 2004 hatte sich das fliegende Personal von Austrian (AUA), Lauda Air und Austrian arrows/Tyrolean mit der Unternehmensleitung nach mehr als eineinhalbjährigen Verhandlungen auf einen neuen Kollektivvertrag (KV) geeinigt. Vorausgegangen waren mehrere Phasen der Eskalation, die zwei Mal zu mehrstündigen Streiks geführt hatten.

(apa/red)

16.2.2005 11:28