Freitag, 11. Februar 2005

Klare Ansage der ÖBB: Ruft Gewerkschaft Streik aus, ist mit Klage der Bahn zu rechnen

  • Güterverkehr kann keine weiteren Aktionen verkraften
  • Vertrauen der Kunden sei schon zu stark belastet

Sollte es im laufenden Streit zwischen Regierung und Gewerkschaft wieder zu einem Streik kommen, will der ÖBB-Güterverkehr bei der Belegschaftsvertretung Schadenersatz einfordern. Der letzte Streik 2003 habe das Vertrauen der Kunden stark belastete. Werde wieder gestreikt, sei zu befürchten, dass einigen Kunden ihre Verträge gänzlich kündigen würden, meint Poschalko.

An sich gibt sich der Vorstand aber im laufenden Streit um die Lockerung des Kündigungsschutzes zurückhaltend. Dies sei Sache der Politik. Im Güterverkehr gehe es weniger um Personalverringerung. Vielmehr sollten das Dienstrecht an branchennahe Kollektivverträge angeglichen werden. Einbußen gegenüber derzeitigen Sonderregelungen könnten im Einvernehmen mit der Belegschaft abgegolten werden, so Poschalko.

Bei dem zu Jahresbeginn aus der ÖBB ausgegliederten Güterverkehr arbeiten rund 3.200 Mitarbeiter, das sind etwa 7 Prozent der ÖBB-Gesamtbelegschaft. Gleichzeitig erwirtschaftet der Bereich mit mehr als einer Mrd. Euro 40 Prozent des gesamten ÖBB-Umsatzes.

Im Vorjahr ist der Güterverkehrsumsatz - trotz teils enormen Preisverfalls wegen der EU-Erweiterung um bis zu 40 Prozent - um rund 2 Prozent gestiegen. Das beförderte Gütervolumen erhöhte sich um fünf Prozent auf erstmals über 92 Millionen Tonnen. Starke Einbußen auf der Rollenden Landstraße (RoLa) habe man durch gewinnträchtige Spezialverkehre wettgemacht, erklärte Poschalko.

Marktanteil am Transportverkehr stabil
Der Marktanteil der Schiene am gesamten österreichischen Transportverkehr konnte damit bei 37 Prozent gehalten werden - verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 8 Prozent ein extrem hoher Wert. Wachsen will der ÖBB-Güterverkehr deshalb eher jenseits der heimischen Grenzen.

In der Slowakei, wo die Güterbahn demnächst zur Privatisierung ausgeschrieben wird, werden die ÖBB "sicherlich ihr Interesse bekunden", betonte Poschalko. Abgewickelt werden wird die Privatisierung von der österreichischen Investmentbank CA-IB, die zuletzt auch für die ÖBB den Postbus-Teilverkauf gemanagt hat. Vorteile erhoffen sich die ÖBB aber daraus keine. Im Gegenteil: "Unser Angebot wird deshalb sicher noch genauer geprüft werden", meint Schmidt.

Als weitere Zielmärkte nennt Poschalko Ungarn, Slowenien und Kroatien. Finanziert werden könnten die Zukäufe durch neue Bahn-Anleihen.

Post-Joint Venture angedacht
Der ÖBB-Vorstand kann sich sogar vorstellen, mit einer europäischen Postgesellschaft in ein Joint Venture zu gehen. "Mit der Österreichischen Post zusammenzugehen, wäre sicher eine gute Lösung", meint Poschalko. Das müsste dann aber "ein starkes österreichisches Unternehmen sein, das etwa auch bereits wäre, nach Ungarn zu gehen". Am Markt gebe für einen solchen großen Player "sicher noch Platz". Gespräche mit der Post habe aber noch keine gegeben, so Poschalko.
(apa)

11.2.2005 12:23