Nach Siemens-Übernahme: VA Tech-Boss Sernetz fürchtet Job-Abbau in Verwaltung
- Trotz Prüfung durch die EU ist Mega-Deal so gut wie fix
- LH Josef Pühringer verlangt eine Standortgarantie
·Chronologie der VA-Tech-Übernahme
KLICKEN: Hin und Her ging über ein halbes Jahr
·EU will VA Tech-Deal
"eingehend" prüfen
Wettbewerbshüter sollen
"umfassend untersuchen"
·VA Tech: ÖIAG droht
Gerichts-Nachspiel
Siemens-Deal: Aktivisten bringen Strafanzeige ein
·VA Tech: Fidelity verkauft alle Aktien
Fondgesellschaft hatte zuletzt Anteil über 5,39 %
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Die drittgrößte Übernahme in der österreichischen Industriegeschichte ist so gut wie perfekt: Mit dem Überschreiten der 90-Prozent-Marke hat Siemens-Konzern den börsenotierten Linzer Anlagenbauer VA Tech nach fünf Monaten Tauziehen praktisch in der Tasche. Jetzt sind die Wettbewerbshüter am Zug. Siemens rechnet damit, dass der Deal von der EU unter Auflagen genehmigt wird. Andere Sorgen hat der Boss der VA Tech, Klaus Sernetz: Er fürchtet um zahlreiche Jobs in der Verwaltung.
Nach Ablauf der Angebotsfrist verfügt Siemens über 90,94 Prozent der VA-Tech-Anteile. Für das Zustandekommen des milliardenschweren Geschäfts hatte man sich selbst das Erreichen von mindestens 90 Prozent zum Ziel gesetzt. Die Weichen für den Erfolg des Offerts hatte Siemens vor drei Wochen gestellt, als der Angebotspreis auf Druck des Markts um rund 18 Prozent von 55 auf 65 Euro pro Aktie kräftig nachgebessert wurde. Für jene VA-Tech-Aktionäre, die das Offert bisher nicht angenommen haben, gibt es jetzt eine Nachfrist von 10 Börsentagen (vom 14. bis 25. Februar).
Für die Übernahme der VA Tech, die mit rund 4 Mrd. Euro Jahresumsatz und knapp 17.000 Mitarbeitern Österreichs größter Technologiekonzern ist, macht Siemens rund eine Milliarde Euro flüssig. Abgewickelt wird die Transaktion über die Österreich-Tochter des deutschen Elektroriesen.
VA-Tech-Chef befürchtet Jobabbau
VA-Tech-Konzernchef Klaus Sernetz sagte im Ö1-Morgenjournal am Freitag, durch die Zusammenlegung der Aktivitäten von Siemens und VA Tech seien zwar in der Produktion keine Arbeitsplätze gefährdet, weil die Auftragslage gut sei. Aber in der Verwaltung, vor allem bei der übergeordneten VA Technologie AG, werde rationalisiert. Dort, so Sernetz, werde es Freisetzungen geben. Zahlen wollte er aber nicht nennen. Der VA-Tech-Konzern beschäftigt weltweit knapp 17.000 Mitarbeiter, davon rund 8.000 in Österreich (hauptsächlich an den Standorten Linz, Wien und Weiz).
Jetzt sind die Wettbewerbshüter am Zug
Nachdem Siemens bei der VA Tech zum erwarteten Erfolg gekommen ist, sind jetzt die Kartellbehörden in der EU, den USA und Kanada am Wort. Die EU-Kommission hat bereits zuvor angekündigt, die Transaktion eingehend zu prüfen, was in der Regel über mehrere Monate läuft. Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner erwartet "keine allzu großen Probleme". Einschneidende Auflagen sind für ihn nicht in Sicht: "Wahrscheinlich am 22. Juli kann das Closing stattfinden."
Damit es für den Takeover grünes Licht durch die Wettbewerbshüter gibt, wird Siemens voraussichtlich die VA-Tech-Kraftwerkssparte Hydro abgeben müssen, für die Mirko Kovats als Interessent gehandelt wird. Ein Siemens-Sprecher sagte heute: "Uns ist bewusst, dass wir im Zusammenhang mit der Wasserkraft wohl Optionen prüfen müssen." Siemens betreibt mit Voith ein Joint-Venture. Analysten halten auch Vorbehalte aus Brüssel für das Geschäftsfeld Industrieturbinen für möglich.
Zweiter Versuch blieb erfolgreich
Mit der Übernahme der VA Tech verdoppelt sich Siemens Österreich auf rund 34.000 Mitarbeiter und mehr als 8 Mrd. Euro Umsatz. Gelungen ist die nun grundsätzlich fixierte Großakquisition erst im zweiten Anlauf. Ein erster Versuch im September 2004 war von der Politik als feindlich eingestuft worden und auch am Widerstand des VA-Tech-Vorstands und der Belegschaft gescheitert. In einem zweiten überraschenden Anlauf im November hat Siemens dann den 16,45-prozentigen Anteil der Kovats-Gruppe gekauft und wurde damit größter Aktionär.
Im Zuge des Übernahmeangebots, das vom 13. Dezember bis 9. Februar lief, konnte sich Siemens die Anteile aller anderen VA-Tech-Großaktionäre - ÖIAG (14,69 Prozent), Goldman Sachs (8,5 Prozent), Fidelity (5,38 Prozent) und Eureka (5,06 Prozent) - sichern. Mit deren Wohlwollen war das Rennen de facto schon vor Ablauf der Angebotsfrist entschieden. Denn mit Widerstand der Streubesitzaktionäre war in Finanzkreisen angesichts der "ordentlichen Prämie", zu der sich Siemens letztlich durchgerungen hatte, nicht gerechnet worden. Die Staatsholding ÖIAG lukriert beim Verkauf ihres Pakets einen Privatisierungserlös von rund 146 Mio. Euro.
Kartellbehörden müssen grünes Licht geben
Da der Siemens-Konzern nun mehr als 90 Prozent hält, kann er die VA Tech wie geplant von der Börse nehmen und in den eigenen Konzern eingliedern - aber erst bei Freigabe des Deals durch die Kartellbehörden. Der VA-Tech-Vorstand nahm heute "die klare Entscheidung der Aktionäre zur Kenntnis und sieht dies als gemeinsame Herausforderung im Interesse aller Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner, die Geschäfte in einem neuen Umfeld weiterzuentwickeln."
Siemens will Synergien nun möglichst rasch heben. "Natürlich müssen wir jetzt schauen, dass die beiden Unternehmen Siemens Österreich und VA Tech nicht nebeneinander stehen ohne Hebung der Synergien", kündigte Hochleitner im Ö1-Mittagsjournal an. Es sei aber klar, dass wegen des nachgebesserten Übernahmepreises "die Geschwindigkeit zunehmen wird". Die Belegschaft müsse jedoch nicht die Rechnung für den höheren Preis zahlen: "Wenn wir über Produktivitätssteigerungen reden, reden wir nicht über Entlassungen - sondern wir reden darüber, dass wir schneller wachsen müssen." Neben der bisherigen Standortgarantie für VA Tech hat Hochleitner heute auch die 18-monatige Arbeitsplatzgarantie für den "Sonderfall Weiz" bekräftigt.
VA Tech-Chef gibt Rücktritt bekannt
VA Tech-Chef Klaus Sernetz hat nach der Übernahme seines Unternehmens durch den Siemens-Konzern, wie im Vorfeld des Takeovers erwartet, seinen Rücktritt angekündigt. "Ich werde die mir im Vertrag zugesicherte Ausstiegsmöglichkeit bei einem Eigentümerwechsel sicher wahrnehmen, ich gehe", sagte Sernetz zur "Presse" (Freitagausgabe). Endgültig will der VA Tech-Generaldirektor nach Abschluss des Deals voraussichtlich im Juli abtreten. Allerdings könne er sich vorstellen, dass Siemens früher einen Managementwechsel wünsche.
Pühringer pocht auf Standortgarantie
Nach der grundsätzlich fixierten Übernahme des Linzer Anlagenbauers VA Tech durch Siemens hat Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (V) erneut die Einhaltung der Standortgarantie und eine offensive Wachstumsstrategie gefordert. Der Eigentümerwechsel dürfe für die heimischen Standorte und die Arbeitnehmer der VA Tech keine Nachteile bedeuten, betonte Pühringer.
Gorbach "froh" über die Übernahme
Vizekanzler Hubert Gorbach (FPÖ) zeigte sich "froh", dass die Übernahme der VA Tech durch Siemens Österreich gelungen sei. Für die 17.000 Mitarbeiter der VA Tech stelle der profitable Weltkonzern Siemens "sicher die beste Lösung für die Privatisierung der VA Tech auf österreichischem Wege" dar. Auch ÖVP-Industriesprecher Günter Stummvoll begrüßte den Takeover und erklärte, Siemens werde die Erfolgsstory der Privatisierung in Österreich fortsetzen. Durch das Zusammengehen von Siemens und VA Tech werde sich ein Mehrwert für den Industriestandort Österreich ergeben.
Äußerst kritische Töne kamen von SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser. Den Verkauf der VA Tech an Siemens bezahle nicht der deutsche Konzern, sondern der österreichische Steuerzahler - und zwar über Verlustvorträge und Firmenwertabschreibungen. Moser: "Wenn heute mit der VA Tech der größte österreichische Technologiekonzern begraben wird, werden auch die Hoffnungen von tausenden Arbeitnehmer in der Steiermark, in Oberösterreich und an anderen Standorten begraben."
(apa/red)
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