Wettskandal mit Verbindung zu Bregenz? Schiedsrichter Hoyzer beschuldigt Torhüter
- Präsident Hans Grill bestreitet jegliche Verbindung
- PLUS: Berichte über Wett-Betrug bei Match GAK - Admira
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Nun weitet sich der deutsche Wettskandal scheinbar auch nach Österreich aus! Wie deutsche Medien berichten, soll der Bundesligist Schwarz-Weiß Bregenz in die Betrügereien involviert sein. Der deutsche Skandal-Schiedsrichters Robert Hoyzer hat gegenüber der Berliner Staatsanwaltschaft konkret ausgesagt, dass der im Zuge der Wettbetrügereien verhaftete Filip S. enge Kontakte zu SW Bregenz pflegte. Laut Hoyzer kannte Filip S. einen Goalie der Vorarlberger, dessen Namen er jedoch nicht kenne. Bregenz-Präsident Hans Grill hatte zuvor jegliche Anschuldigungen zurück gewiesen.
In der jüngsten Ausgabe des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" (Printausgabe) wird angedeutet, dass SW Bregenz in die Affäre rund um Skandal-Referee Hoyzer verwickelt sein könnte. "Besonders aber interessierten sich die Gebrüder S. (Anm.: die Drahtzieher des Wettbetrugs) für die Fußball-Ligen in Griechenland und Österreich. Dort hatte es ihnen, so Hoyzer, vor allem der Verein Casino SW Bregenz angetan", heißt es in dem Bericht.
Hoyzer hat nach Informationen von "Spiegel Online" gegenüber der Berliner Staatsanwaltschaft konkret ausgesagt, dass der im Zuge der Wettbetrügereien verhaftete Filip S. enge Kontakte zu SW Bregenz pflegte. Laut Hoyzer kannte Filip S. einen Goalie der Vorarlberger, dessen Namen er jedoch nicht weiß. Weiters deutete Hoyzer an, dass Filip S. auch beim Bregenzer Verein mit Geld Spiele manipuliert haben könnte. Nach Angaben Hoyzers sind seine Komplizen zum Abschließen von Wetten bei ausländischen Buchmachern auch immer wieder mit dem Auto nach Österreich gefahren.
Tolja und Bregenz weisen Anschuldigungen zurück
Almir Tolja, seit längerem Einser-Tormann bei den Bregenzern, betonte gegenüber der APA, dass er in keine Spielabsprachen involviert und nie mit Filip S. in Kontakt gewesen sei. "Ich kenne niemanden mit diesem Namen", erklärte der bosnische Team-Torhüter am Montagabend.
Bei SW Bregenz, das just am Montag die vorzeitige Auflösung des bis Saisonende laufenden Vertrages mit Trainer Regi van Acker durchgezogen hat, reagierte Präsident Hans Grill geschockt. "Ich weiß überhaupt nicht, was da laufen soll, ich weiß auch nicht, ob oder wer unserer Kicker auf Spiele setzt". Michael Grunwald, Pressesprecher der mit den Ermittlungen zur "Causa Hoyzer" betrauten Berliner Staatsanwaltschaft, meinte gegenüber der APA: "Darüber ist mir nichts bekannt. Mein derzeitiger Stand ist, dass sich der Verdacht bezüglich manipulierter Spiele nur auf Deutschland bezieht."
Die Bregenzer Vereinsführung hielt in einer Aussendung fest: "Der Verein ist weder in Absprachen verwickelt noch hat er Kenntnis von jeglicher Art von Wettabsprachen. SW Bregenz weist gemäß der österreichischen Bundesliga jegliche Form der Anschuldigung ohne Beweise aufs Schärfste zurück." Grill will demnach schnellstens Klarheit: "Wir werden eine Aufklärung der Aussagen des Kronzeugen im deutschen Prozess verlangen. Es kann nicht sein, dass SW Bregenz Opfer von Spekulationen wird. Wir sind weder vorher über die Aussagen informiert worden, noch sehe ich einen Grund für die Anschuldigungen. Ich bin der vollsten Überzeugung, dass weder unsere Spieler noch Funktionäre in die Affäre verwickelt sind."
Liga steht hinter Bregenz
Rückendeckung erhält SW Bregenz von der österreichischen Bundesliga. "Der Vorstand der Bundesliga hat diesbezüglich sofort ein Gespräch mit den Verantwortlichen des betroffenen Vereins gesucht, in dem diese betont haben, in keinster Weise in irgendeine Form von Wettabsprachen verwickelt zu sein bzw. davon Kenntnis zu haben", heißt es in einer Aussendung. Zitiert wurde auch Vorstand Georg Pangl: "Die Bundesliga weist jegliche Anschuldigungen, in denen ein Mitglied der Österreichischen Fußball-Bundesliga ohne Beweise in Misskredit gebracht wird, auf das Schärfste zurück."
Neo-Trainer Kornexl vertraut Tolja
Der seit Montag amtierende Trainer von SW Bregenz, Roland Kornexl, stellt sich hinter seinen Einser-Tormann Almir Tolja. Dass Tolja in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein könnte, glaubt Kornexl nicht. "Grundsätzlich kann ich mir das nicht vorstellen. Ich gehe von der Unschuldsvermutung aus", sagte der Trainer am Abend in der ORF-Sendung "Vorarlberg heute".
Vom Moderator auf die Bregenz-Niederlage gegen den FC Kärnten im März 2004 (2:3) angesprochen, bei der Tolja zwei haltbare Treffer kassierte, meinte Kornexl: "Es können immer Fehler passieren. Und es kann auch sein, dass ein Spieler in einem Spiel zwei Fehler macht". Er werde jedenfalls das offene Gespräch mit Tolja suchen.
ÖFB und Bundesliga wollen Akteneinsicht
Der österreichische Fußball-Bund (ÖFB) und die Bundesliga haben bei der Staatsanwaltschaft Berlin um umgehende Akteneinsicht angesucht. "Diese Akteneinsicht dient als Basis für eventuelle weitere Schritte", hieß es in einer weiteren Aussendung. Noch ein Mal wurde betont, "dass es derzeit kein Indiz gibt, dass diese im Raum stehenden Vorwürfe belegt und den österreichischen Fußball im Zusammenhang mit der deutschen Wett-Affäre bringt."
Krankl glaubt nicht an Betrug
Im ÖFB-Teamtrainingslager auf Zypern wurde die Nachricht von einer möglichen Verstrickung der Bregenzer in den Wettskandal zunächst ungläubig zur Kenntnis genommen. "Ich würde auf die Worte eines bestechlichen Schiedsrichters nicht viel geben", meinte Teamchef Hans Krankl. "Früher hat Real goldene Uhren an die Schiedsrichter verteilt, und es hat diverse andere Gastgeschenke an die Referees gegeben. Was aber heute mit diesen ganzen Wetteinsätzen passiert, kann ich nicht nachvollziehen", sagte der ehemalige Barcelona-Legionär.
Wettbetrug bei GAK-Admira?
Abseits der Aufregung um eine mögliche Verwicklung von SW Bregenz in die deutsche Schiedsrichter-Affäre ist der österreichische Fußball am Montag noch einmal im Zusammenhang mit möglichem Wettbetrug ins Gerede gekommen. Laut den Dienstag-Ausgaben von "Standard" und "Kurier" soll es Ungereimtheiten bei der Partie GAK - Admira (5:2) am 8. Dezember des Vorjahres gegeben haben. "Auffällig hohe Summen wurden auf genau dieses Resultat gesetzt, behaupten Leute aus der Wettszene, ohne freilich Beweise zu liefern", hieß es im "Standard".
Auch der "Kurier" schrieb von einem "Gerücht, wonach es beim Spiel GAK - Admira ungewöhnlich hohe Wetteinsätze gegeben habe." Zu diesem Thema meldete sich der Anwalt Helmut Grubmüller, Geschäftsführer des Buchmacher-Verbandes, zu Wort: "Ich habe das Match als Admira-Fan verfolgt. Damals hätte ich mir nicht gedacht, dass es geschoben war. Mittlerweile habe ich gehört, dass es erhöhte Einsätze gegeben hat. Möglicherweise bin ich zu naiv gewesen", stand im "Kurier" zu lesen.
FIFA-Referee Fritz Stuchlik hatte diese Partie geleitet und war dabei nach eigenen Angaben nicht misstrauisch geworden. "Mir ist nichts Verdächtiges aufgefallen, ein ganz normales Match", wurde er im "Standard" zitiert. Auch der geschäftsführende Admira-Präsident Hans Werner Weiss schloss Manipulationen aus. "Für unsere Spieler lege ich die Hand ins Feuer. Da müsste ja der ganze Verein drinstecken, denn nur mit Nebendarstellern geht das nicht. Das ist völlig absurd. Außerdem kann man nicht planen, dass wir in den letzten drei Minuten noch zwei Tore schießen", sagte Weiss.
Schiri-Boss Kapl: "Keine einzige zweifelhafte Entscheidung"
Österreichs Schiedsrichter-Boss Gerhard Kapl, am Montagabend zu Gast in der "Zeit im Bild 2", entkräftete Vorwürfe, wonach es bei den Spielen GAK - Admira sowie einem zweiten Spiel von SW Bregenz Ungereimheiten im Zusammenhang mit dem deutschen Wettskandal gegeben habe. "Es hat in diesen Spielen keine einzige zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung gegeben. Eine Überprüfung hat ergeben, dass es lediglich zwei Spiele waren, wo exorbitant hoch gewettet worden ist."
Weder eine gegebene oder nicht gegebene Rote Karte noch ein zweifelhafter Elfmeter sei gepfiffen worden. "Die Spiele sind völlig problemlos abgelaufen", bestätigte Kapl in der "Zeit im Bild 2". Als erste Maßnahme sei auf Vorschlag von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler ein verbessertes Krisenmanagement geplant. "Wenn wenige Stunden vor einem Spiel bekannt wird, dass abweichend hoch gewettet wird, soll eine Kommission telefonisch zusammentreten", stellt sich Kapl vor. In solchen Fällen wäre denkbar, den Schiedsrichter umzubesetzen, um diesen von jedem möglichen Verdacht fern zu halten.
Rudolf Novotny, Geschäftsführer der "Vereinigung der Fußballer" (VdF), ist für die Einführung eines Wettverbots für Spieler. "Ich würde nicht darauf wetten, dass es das bei uns nicht gegeben hat", meinte Novotny.
(apa/red)
