Samstag, 12. Februar 2005

Riesen-Sensation zum Abschluss der WM: Deutschland schnappt Österreich Gold weg!

  • "Nur" Silber: Hosp-Ausfall zerstört alle Siegchancen
  • 5. Medaille für Benni Raich, Frankreich holt Bronze

Die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Bormio und Santa Caterina sind mit einer Sensation zu Ende gegangen: Der krasse Außenseiter Deutschland hat die Premiere des Teambewerbs gewonnen. Die Deutschen setzten sich bei der gelungenen Premiere des "Nations Team Events" nach insgesamt acht Durchgängen (jeweils vier in Super G und Slalom) mit 26 Punkten vor den hoch favorisierten Österreichern (29) und Frankreich (38) durch. Für Co-Favorit USA blieb am Ende mit einem Zähler Rückstand auf Frankreich nur Rang vier und damit "Blech".

Mit Silber im Teambewerb erhöhte Benjamin Raich seine stolze Medaillensammlung in Bormio auf fünf Stück - der Pitztaler hat zwei Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze gewonnen und damit den WM-Allzeit-Rekord von Lasse Kjus egalisiert. Der Norweger hatte 1999 in Vail - damals hatte es noch keinen Teambewerb gegeben - ebenfalls fünf Medaillen (zwei Gold/drei Silber - in allen fünf Einzelbewerben) abgeräumt.

"Ich kann noch gar nicht realisieren, dass ich Skigeschichte geschrieben habe", jubelte der erste Österreicher der Geschichte mit fünf Medaillen bei einer WM. Zur Goldmedaille der Deutschen meinte der Pitztaler: "Die Deutschen haben mich schon ein wenig überrascht. Wir haben sicher das stärkste Team, aber bei diesem Bewerb sind eben nur sechs Läufer pro Land am Start."

Schweiz erstmals seit 1966 ohne Medaille
Mit der ersten Medaille in der Lombardei hat das DSV-Team die WM im letzten Moment doch noch zu einem vollen Erfolg gemacht - der Jubel im Zielraum war riesengroß. Für die Deutschen war es die erste WM-Goldene seit St. Anton 2001, damals hatte Martina Ertl die Kombination für sich entschieden.

Während die Deutschen und die Franzosen im letzten Moment eine medaillenlose WM abwendeten, schaute die Schweiz auch im Teambewerb durch die Finger - Platz sechs. Damit reisen die Eidgenossen erstmals seit Portillo 1966 ohne ein einziges Stück Edelmetall von einer WM ab.

Bestzeiten am laufenden Band
Die Deutschen waren als klarer Außenseiter ins Rennen gegangen, beim WM-Sponsorpartner "betandwin" waren sie mit einer Quote von 60:1 als neuntes und letztes Team platziert gewesen. Am Ende war aber alles anders, das DSV-Sextett bestach durch Konstanz (als einziges Team kein einziger Ausfall) und unerwartete Topleistungen. So gelangen den Deutschen durch Martina Ertl (Super G), Felix Neureuther (Slalom) und Monika Bergmann-Schmuderer (Slalom) gleich drei Rennserien-Bestzeiten - mehr als jeder anderen Nation.

Das Rennen um Gold war deshalb auch bereits nach sieben der acht Läufe entschieden - nach der Bestzeit von Bergmann-Schmuderer durfte der DSV bereits jubeln, Österreich war zu weit zurück gelegen. Zur Halbzeit des Bewerbes - nach den vier Super-G-Serien - hatte es noch eine Ex-Aequo-Führung der beiden Erzrivalen mit jeweils zwölf Punkten gegeben.

"Ausfallen verboten" hielt leider nicht
Österreich - am Start mit Raich, Michael Walchhofer, Rainer Schönfelder, Kathrin Zettel, Renate Götschl und Nicole Hosp - beendete die WM mit Silber, der elften Medaille in Italien. Damit hat der ÖSV die Medaillenwertung zum vierten Mal in Serie gewonnen. "Ausfallen verboten" hatte der ÖSV als Motto ausgegeben. Im Gegensatz zu den Deutschen gelang das aber nicht ganz.

Gleich im ersten der vier Slalomläufe schied nämlich Hosp aus, wurde damit auf den letzten Platz gereiht und "sammelte" daher neun Punkte ein - die Vorentscheidung für Deutschland. Für die ÖSV-Highlights sorgten Schönfelder, der trotz einer Showeinlage vor der Ziellinie (180-Grad-Drehung) für den einzigen Serien-Sieg Österreichs sorgte, und die junge, unbekümmerte Kathrin Zettel, die sensationell fuhr und jeweils Zweite ihrer Serie in Super G und Slalom wurde. Prinzipiell war der Teambewerb jedoch ein Spiegel der gesamten ÖSV-WM - während die Herren nur elf Platzierungspunkte hinnehmen mussten, waren es bei den Damen gleich 18.

Team-Küken Zettel überrascht erneut
Und das, obwohl die erst 18-jährige Zettel im Gegensatz zu den eigentlich höher eingeschätzten ÖSV-Aushängeschildern Götschl (5. im Super G) und Hosp (Out im Slalom) zur absoluten Damen-"Bank" avancierte. "Ich war irrsinnig nervös am Start, im Hinterkopf spukt immer die Medaile herum. Gleich bei der ersten WM eine Medaille zu gewinnen, ist ein Wahnsinn. Das war ein krönender Abschluss", frohlockte die Niederösterreicherin.

Auch Rainer Schönfelder freute sich, der Kärntner verlässt Bormio mit zwei Mal Silber. Zu seiner Showeinlage meinte der 27-Jährige: "Ich wollte ein Zeichen setzen. Skisport ist auch Show. Der Teambewerb ist eine gute Sache."

Endstand des WM-Teambewerbs:Super G + Slalom
1.Deutschland26(2+2+1+7=12+3+1+1+9=14)
2.Österreich29(5+3+2+2=12+9+5+2+1=17)
3.Frankreich38(3+9+3+5=20+7+2+4+5=18)
4.USA39(9+1+9+1=20+2+9+5+3=19)
5.Kanada42(3+4+6+3=16+3+9+6+8=26)
6.Schweiz46(9+5+4+6=24+1+6+9+6=22)
7.Schweden48(9+8+9+9=35+5+3+3+2=13)
8.Italien50(1+6+9+8=24+9+4+9+4=26)
9.Slowenien54(9+7+5+4=25+6+7+9+7=29)


Detail-Resultate der Super-G-Serien:
(Punktesystem: Platz eins = ein Punkt, Platz zwei = zwei Punkte usw.)

1. Serie:
1. Nadia Fanchini (ITA) 1:07,72 Min.
2. Hilde Gerg (GER) +0,57 Sek.
3. Emily Brydon (CAN) und Carole Montillet-Carles (FRA) je +0,71
5. Renate Götschl (AUT) +1,25

Ausgeschieden (= je neun Punkte): Anja Pärson (SWE), Julia Mancuso (USA), Fränzi Aufdenblatten (SUI), Tina Maze (SLO)

2. Serie:
1. Bode Miller (USA) 1:04,49 Min.
2. Florian Eckert (GER) +0,21 Sek.
3. Benjamin Raich (AUT) +0,27
4. Erik Guay (CAN) +0,76
5. Didier Defago (SUI) +0,97
6. Peter Fill (ITA) +1,56
7. Ales Gorza (SLO) +2,00

Ausgeschieden (= acht Punkte): Patrik Järbyn (SWE)

Nicht am Start (= neun Punkte): Frankreich

3. Serie:
1. Martina Ertl (GER) 1:07,83 Min.
2. Kathrin Zettel (AUT) +0,31
3. Ingrid Jacquemod (FRA) +0,59
4. Nadia Styger (SUI) +1,42
5. Urska Rabic (SLO) +1,64
6. Brigitte Acton (CAN) +2,23

Ausgeschieden (= neun Punkte): Lindsey C. Kildow (USA), Janette Hargin (SWE), Karen Putzer (ITA)

4. Serie:
1. Daron Rahlves (USA) 1:04,27 Min.
2. Michael Walchhofer (AUT) +0,34 Sek.
3. Francois Bourque (CAN) +0,98
4. Andrej Sporn (SLO) +1,95
5. Jean-Pierre Vidal (FRA) +2,13
6. Daniel Albrecht (SUI) +2,20
7. Andreas Ertl (GER) +2,65

Disqualifiziert (= acht Punkte): Manfred Mölgg (ITA/+43,98 = außerhalb der Acht-Prozent-Regel!)

Nicht am Start (= neun Punkte): Schweden


Detail-Resultate der vier Slalom-Serien:

1. Serie:
1. Sonja Nef (SUI) 45,09 Sek.
2. Sarah Schleper (USA) +0,37
3. Emily Brydon (CAN) und Martina Ertl (GER) je +1,06
5. Janette Hargin (SWE) +1,25 - 6. Tina Maze (SLO) +1,40
7. Laure Pequegnot (FRA) +1,56

Nicht in der Wertung, weil mehr als acht Prozent Rückstand (= neun Punkte):
Nicole Hosp (AUT/+9,63 Sek.), Chiara Costazza (ITA/+9,94)

2. Serie:
1. Felix Neureuther (GER) 42,71 Sek.
2. Pierrick Bourgeat (FRA) +0,27
3. Andre Myhrer (SWE) +0,32
4. Giorgio Rocca (ITA) +0,42
5. Benjamin Raich (AUT) +0,62
6. Silvan Zurbriggen (SUI) +0,66
7. Jure Kosir (SLO) +0,82

Disqualifiziert (= neun Punkte): Bode Miller (USA)

Ausgeschieden (= neun Punkte): Patrick Biggs (CAN)

3. Serie:
1. Monika Bergmann-Schmuderer (GER) 45,98 Sek.
2. Kathrin Zettel (AUT) +0,34
3. Therese Borsson (SWE) +0,44
4. Christel Pascal (FRA) +0,92
5. Julia Mancuso (USA) +1,21
6. Brigitte Acton (CAN) +1,25

Nicht in der Wertung, weil mehr als acht Prozent Rückstand (= neun Punkte):
Fränzi Aufdenblatten (SUI/+4,56), Karen Putzer (ITA/+7,86)

Ausgeschieden (= neun Punkte): Urska Rabic (SLO)

4. Serie:
1. Rainer Schönfelder (AUT) 43,50 Sek.
2. Markus Larsson (SWE) +0,21
3. Ted Ligety (USA) +0,26
4. Manfred Mölgg (ITA) +0,43
5. Jean-Pierre Vidal (FRA) +0,59
6. Daniel Albrecht (SUI) +0,70
7. Mitja Dragsic (SLO) +0,89
8. Thomas Grandi (CAN) +1,36
9. Andreas Ertl (GER) +1,90

(apa/red)

12.2.2005 16:09