Freitag, 11. Februar 2005

"Herminator" blüht wieder voll auf: Ski-Gigant zeigt sich menschlich wie noch nie

  • Maier: Stiller Genießer statt T-Shirt-zerreißendes "Tier"
  • Goldmedaille Atomic-Gründer Rohrmoser gewidmet

Hermann Maier hat sich bei der WM in Bormio offen und menschlich wie selten zuvor präsentiert - in Sieg und Niederlage. So auch nach dem Gewinn des heiß ersehnten Riesentorlauf-Goldes, das er dem am 4. Februar verstorbenen Atomic-Gründer Alois Rohrmoser widmete.

"Normal ist das nicht meine Art, aber ich widme diesen Sieg einem Menschen, der viel für unsere Region gemacht hat, der Arbeitsplätze geschaffen hat, der die Atomic-Ski erfunden hat - Alois Rohrmoser." Maier und Atomic, das ist seit den frühen Kindertagen des "Herminators" eine nicht zu trennende Verbindung, der nunmehrige Superstar schnallte sein erstes "Atomic-Paarl" bereits im Alter von fünf Jahren an. Dementsprechend eng war auch die Verbindung zu Rohrmoser: "Ihn habe ich gekannt, seit ich ein kleiner Bub war. Sein Anteil an diesen Erfolgen darf nie in Vergessenheit geraten."

Maiers Jubelpose im Zielraum - der Flachauer kniete sich in den Schnee und senkte den Kopf - war bezeichnend. Der Flachauer als stiller Genießer, nicht als T-Shirt-zerreißendes "Tier". "Für mich war es ein wunderbares Gefühl, aber es ist nicht mehr so wie früher, dass ich mir alles vom Leib reiße. Man ändert sich, man wird älter."

"Niederlagen sind menschlich ein Gewinn"
Den Sport bezeichnet der vierfache Gesamt-Weltcup-Sieger als "perfekte Schule fürs Leben" - eine Schule, durch die Maier in den vergangenen Wochen, als viele bereits an ihm gezweifelt hatten und der WM-Start nicht gelungen war, einmal mehr gegangen ist. Dabei lernte man Maier von einer neuen Seite kennen.

"Früher habe ich mich über Niederlagen sehr viel geärgert. Jetzt nicht mehr. Sie sind sportlich nicht sehr schön, aber menschlich ein Gewinn. Für mich sind Niederlagen mittlerweile genau so interessant wie Siege." Der Salzburger zieht dabei den Hut vor den Leistungen seiner Konkurrenten, auch den "Exoten" im Donnerstag-Rennen galt seine volle Aufmerksamkeit. "Ich respektiere die Leistungen der anderen jetzt mehr. Im letzten Jahr habe ich ihre Riesentorlauf-Fahrten sogar bewundert. Jetzt fühle ich eine gewisse Zufriedenheit, dass ich es selbst auch wieder kann. Aber ich flippe deswegen nicht aus."

Den Sieg bezeichnete der 32-Jährige als etwas "ganz Spezielles". "WM-Gold im Riesentorlauf, das hatte ich nicht einmal in meiner besten Zeit geschafft. Das ist ein Sieg, auf den ich irgendwann einmal sehr stolz sein werde." Für ihn ist es auf einer Skala von eins bis fünf "ein Fünf-Stern-Sieg". Nicht zuletzt deshalb, weil es ein überraschender war.

"Stehaufmännchen"-Syndrom
Warum schlägt Maier immer dann so richtig eindrucksvoll zu, wenn er schon abgeschrieben ist: "Es muss anscheinend immer irgendetwas passieren, diesmal eben der Sturz im Abfahrtstraining mit der genähten Wunde. Aber erklären kann man es nicht. Das ist das Schöne am Sport, man darf Dinge erleben, die man oft nicht richtig erklären kann. Man kann es vielleicht schon, aber erst nach einer gewissen Zeit."

Dass der Sieg, einmal mehr ein Triumph mit "Stehaufmännchen"-Syndrom, eine Art von Schicksal war, glaubt Maier nicht. "Ich glaube an kein Schicksal. Ich glaube, dass jeder im Leben eine Bestimmung hat und man den Traum, den man hat, verfolgen sollte. Man muss den Mut haben, diesen Traum zu verfolgen. Das ist das Schwierige, das haben die meisten Menschen nicht. Dann ist die größte Lüge das Schicksal."

Ob Hermann Maier jetzt auch im am Sonntag stattfindenden "Nations Team Event" an den Start geht ist noch offen.

(apa/red)

11.2.2005 12:15