Benni Raich im NEWS-Interview: "Wahre Freundschaft gibt es im Skizirkus nicht"
- Über Freundin Marlies Schild: "Sie ist mir sehr ähnlich"
- Raich zielstrebig: Ich will heuer den Gesamtweltcup"
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Er sorgte für die bislang einzige Gold-Medaille bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Bormio: Benjamin Raich. Der frischgekrönte Kombinations-Champion spricht im NEWS-Interview nun über das Duell Österreich gegen USA um die Vorherrschaft im Skizirkus, über seine Zukunftspläne aber auch über Freundschaften im Lager der Brett'l-Artisten und überrascht mit der ehrlichen Aussage: "Wahre Freundschaft gibts im Skizirkus nicht. Wir sind alle nur Kollegen."
NEWS: Bode Miller hat die Österreicher in einem NEWS-Interview als schlechte Verlierer bezeichnet. Wurmt Sie das?
Raich: Es wird schon so sein, dass nicht jeder verlieren kann und dann gewisse Kommentare loswerden muss. Aber diese Leute gibt es sowohl bei uns als auch bei den Amerikanern. Darum ist es auch nicht gut, wenn man solche Aussagen verallgemeinert. Jeder von uns ist anders und reagiert auf Niederlagen unterschiedlich. Ich für meine Person behaupte zumindest, dass ich immer sehr fair reagiere.
NEWS: Wie sehen Sie das Duell zwischen Österreich und den Amerikanern um die Vorherrschaft im Skizirkus?
Raich: Es steht wohl außer Zweifel, dass sie uns zurzeit ziemlich Paroli bieten. Aber es ist vor allem auch eine Geschichte für die Medien, die damit gefüttert werden. Mir persönlich ist es nämlich völlig wurscht, ob ich gegen einen Ami, einen Franzosen, einen Norweger oder sogar gegen einen Österreicher fahre. Ich will ganz einfach immer nur der Schnellste sein.
NEWS: Gibt es angesichts der beinharten Konkurrenz überhaupt noch wahre Freundschaften im Skiweltcup?
Raich: Für mich nicht! Ich hab sicherlich keinen, den ich im herkömmlichen Sinn als meinen Freund bezeichnen würde. Zumindest, was ich unter wahrer Freundschaft verstehe, einen, mit dem ich in der Freizeit telefoniere und über sehr private Dinge rede. Ich hab in erster Linie Kollegen, mit denen ich gut auskomme und mit denen ich auch einmal ein Bier trinken gehen kann. Außerdem glaub ich nicht, dass es unbedingt notwendig ist, auch noch Freunde im Skizirkus zu haben, weil man sich eh fast das ganze Jahr über sieht. Da ist es doch viel wichtiger, dass man sich auch einmal auf Leute konzentrieren kann, die man nicht so häufig trifft.
NEWS: Wie Ihre Freundin und Teamkollegin Marlies Schild. Was bedeutet Ihnen die Beziehung?
Raich: Sehr viel natürlich. Ich hatte von meiner Familie her immer ein sehr gutes Umfeld und keine Belastungen mitzuschleppen. Und jetzt hab ich auch in meiner Partnerschaft wieder das Glück, dass wir sehr gut miteinander auskommen.Deshalb passt das auch. Sie ist mir sehr ähnlich: zielstrebig und professionell im Sport, als Mensch eher ruhig, sehr intelligent und natürlich liebenswert. Sonst wäre sie ja nicht meine Freundin.
NEWS: Wie gehen Sie mit den Neidern um, die auch in Ihrem Sport zu finden sind?
Raich: Es heißt ja immer, dass man sich Neid erarbeiten muss. So gesehen arbeite ich hart daran, da dann ruhig ein bisschen Neid dabei sein. Ich hätte ein Problem mit neidischen Leuten, die mir sehr nahe stehen. Die anderen sind mir zwar, sagen wir so, nicht wurscht, aber mit denen kann ich leben.
NEWS: Sie galten lange Jahre als ewiges Talent und sind erst spät zum Siegläufer mutiert. Haben Sie damals die bissigen Kommentare mitbekommen?
Raich: Natürlich, aber ich bin nicht nachtragend. Außerdem sehe ich alles ein bisschen anders. Ich bin jetzt bei meiner vierten WM und hab eigentlich immer gute Leistungen erbracht. Freilich, ein Maier und Eberharter waren in dieser Zeit Seriensieger, aber ich hab auch schon 15 Weltcupsiege gefeiert. Ich hatte gewisses Talent, aber alsein ewiges Talent habich mich selbst nie gesehen.
NEWS: Sie gelten als legitimer Nachfolger von Hermann Maier und Stephan Eberharter als Gesamtweltcupsieger. Ehrt Sie das?
Raich: Wenn Sie das so sagen, dann ehrt mich das. Aber der Hermann ist selbst noch aktiv, und ich weiß nicht, ob wir da schon Nachfolger ernennen sollten. Natürlich hab ich schon letzte Saison gezeigt, dass ich Chancen hab, ganz vorne mitzumischen. Und auch heuer schauts ganz gut für mich aus, denn entschieden ist im Gesamtweltcup überhaupt noch nichts. Das taugt mir, keine Frage.
NEWS: Der Gesamtweltcup ist demnach Ihr großes Karriereziel?
Raich: Nicht irgendwann, eigentlich schon heuer.
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