Montag, 7. Februar 2005

"Special force" des ÖSV stark: Medaillen bisher alle von Mitglidern der 'WC 4' geholt

  • WC 4, dahinter verbirgt sich Allrounder-Trainingsgruppe
  • Seit 2003 mit Raich, Walchhofer, Gruber, Maier, Scheiber

Drei Bewerbe, vier Medaillen - die Allrounder-Trainingsgruppe "WC 4" darf sich bei der WM in Bormio über einen wahren Medaillenregen freuen. Die 2003 gegründete und von Andreas Evers geführte Truppe hat bis dato für alle Medaillen der ÖSV-Herren in Italien gesorgt: Benjamin Raich holte Gold in der Kombi und Bronze im Super G, Michael Walchhofer Silber im Super G und Bronze in der Abfahrt. "Sensationell, vor allem wenn man bedenkt, wie schnell man bei einer WM mit leeren Händen da stehen kann", freut sich Evers über die Zwischenbilanz seiner Medaillenschmiede.

Begonnen hat alles im März 2003 bei einer Liftfahrt. Im Rahmen des Weltcup-Finales in Kvitfjell saßen Herren-Chef Toni Giger und Andi Evers auf dem Sessellift und diskutierten über Möglichkeiten, um "neue Dynamik" in die ÖSV-Strukturen hineinzubringen. Oben angekommen, war die Idee der "WC 4" geboren und auch wenige Wochen später rasch in die Tat umgesetzt. Das Ziel: die Ausbildung künftiger Gesamt-Weltcup-Sieger.

In der Vorbereitung auf die Saison 2003/2004 wurde bereits in der "WC 4" ausgebildet, die Teammitglieder sind seitdem Christoph Gruber, Hermann Maier, Benjamin Raich, Mario Scheiber und Michael Walchhofer. Die Trainer-Crew ist jung und dynamisch. Evers hat mit Christian Höflehner (Technik), Ende der 90er-Jahre Konditionstrainer von Thomas Muster, Ex-Langläufer Reinhard Ronacher (Kondition) und Martin Patsch (Physiotherapeut) drei Mann an seiner Seite, die für ausgewogenes Allrounder-Training sorgen.

Maier: "Alles andere als zufrieden stellend"
Eine bis dato verkorkste WM hat der "Herminator" als Vierter im Super G und 17. in der Abfahrt erlebt. "Bis jetzt ist die WM alles andere als zufrieden stellend verlaufen. Vor allem im Super G konnte man viel mehr erwarten. In der Abfahrt läuft es derzeit für ihn nicht ganz rund, zudem sind ihn die Bedingungen hier nicht entgegengekommen", analysierte Evers, der jedoch an seinen langjährigen Freund Hermann im Riesentorlauf am Mittwoch glaubt: "Da ist er in diesem Winter teilweise schon sensationell gefahren."

Im Prinzip trainiert das Quintett so gut wie immer in der Gruppe, lediglich bei Benni Raich wird regelmäßig der eine oder andere zusätzliche Slalom-Lauf eingestreut. Zuwachs für das Quintett ist vorerst nicht geplant, denn ansonsten würde laut Evers ein wichtiger Baustein des Gruppenerfolges zerstört werden. "Fünf Athleten sind das Maximum, um alle ausreichend und optimal zu betreuen."

Training immer in der Gruppe
Dass das Klima innerhalb der "WC 4" stimmt, ist auch in Bormio schnell zu bemerken. "Es gibt Respekt und Gaudi. Wir haben das ganze Jahr über nicht viel Zeit zum Feiern. Wenn wir es tun, dann ordentlich. Das gehört dazu", meinte Evers. Und er hofft, dass im Österreicherhaus in Bormio noch einige Male angestoßen werden darf.

Die Gerüchte, wonach die "WC 4"-Partie ÖSV-intern eine Sonderstellung genießen würde, wischt Evers vom Tisch. "Völliger Blödsinn, wir haben es sogar schwerer als alle anderen. Aber dass auf die, die Erfolg haben, hingehaut wird ist normal. Das ist menschlich."

Die 2003 gegründete "WC 4"
Mitglieder: Christoph Gruber (28), Hermann Maier (32), Benjamin Raich (26), Mario Scheiber , Michael Walchhofer
Trainer: Andreas Evers (37/Cheftrainer), Christian Höflehner (30/Techniktrainer), Reinhard Ronacher (26/Konditionstrainer), Martin Patsch (28/Physiotherapeut)
(apa/red)

7.2.2005 15:34