Überwältigende Mehrheit: US-Demokraten wählten Howard Dean zu neuem Parteichef!
- Seit langer Zeit erster Spitzenpolitiker in dieser Position
- Dean kritisiert Budgetpolitik von Präsident Bush
Die US-Demokraten haben den Ex-Gouverneur von Vermont, Howard Dean, zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Dean erhielt am Samstag in Washington auf der Tagung des demokratischen Nationalkomitees die überwältigende Mehrheit der 447 Delegierten. Die Abstimmung erfolgte über Akklamation.
Dean kritisierte die Budgetpolitik von US-Präsident George W. Bush als "rücksichtslos und unverantwortlich". Er kündigte eine intensive Kampagne seiner Partei vor allem über Grundwerte an, "damit die Amerikaner wieder wissen, für was wir Demokraten stehen". Der Florida-Delegierte Joyce Cusack meinte, die Demokraten hätten zu lange versucht, "wie Republikaner zu sein, aber das sind wir nicht". Die Wahl von Dean sei ein deutliches Signal an die Amerikaner, dass die Demokraten "die Partei der normalen Bürgers" sei und "nicht der Elite".
Die Mobilisierung der Basis und die Wertediskussion gelten als Schlüssel für den Wahlsieg von Bush am 2. November gegen Senator John Kerry. Der wortgewaltige Dean, der vor einem Jahr bei den Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur Kerry unterlegen war, ist der erste Spitzenpolitiker, der in der jüngeren Geschichte die Partei-Führung übernimmt. Dem links-liberalen Dean gelang es vor allem, die Jugend zu begeistern. Er hatte 2003 als erster US-Politiker intensiv und erfolgreich Wahlkampf übers Internet geführt und dabei große Geldsummen gesammelt.
Die Republikaner hatten auf die Entscheidung für Dean erfreut reagiert, weil damit ein ausgewiesener linker Politiker in dem offensichtlich zunehmend konservativem Amerika Spitzenmann der Demokraten würde. Die Demokraten stritten hinter den Kulissen erbittert über die künftige Strategie. Mehrere Redner betonten am Samstag, dass eine Politik des "Republican light", also eine zu starke Annäherung an die Republikaner, nie Erfolg haben könnte.
Dean, der vor einem Jahr bei den Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten Senator John Kerry unterlag, ist der erste Spitzenpolitiker, der in der jüngeren Geschichte die Partei-Führung übernimmt.
(apa/red)
