Revolte in argentinischem Gefägnis zu Ende: Häftlinge haben aufgegeben!
- Sämtliche Geiseln befreit, acht Menschen getötet
- Geiselnahme aus Protest gegen Haftbedingungen
Bei einer gewaltsamen Meuterei von Häftlingen sind in einem argentinischen Gefängnis acht Menschen getötet worden. Das brutale Vorgehen der Meuterer während der 24-stündigen Revolte in dem überfüllten Gefängnis von Córdoba löste Entsetzen aus.
Fernsehzuschauer mussten am Freitag mitansehen, wie Häftlinge vor laufenden Kameras auf dem Dach auf einen Aufseher einstachen und ihm schwerste Verletzungen zufügten. Sie nahmen etwa 75 Menschen als Geiseln, unter ihnen viele Frauen und Kinder, die gerade zu Besuch waren. Die Meuterer drohten, sie vom Dach zu stürzen. Nach 24 Stunden ergaben sie sich. Ihnen wurde laut Polizei zugesagt, eine jüngst erlassene Verschärfung der Besuchsregelung wieder zurückzunehmen. Die Geiseln kamen frei.
Dem Ende der Revolte waren stundenlange Verhandlungen vorangegangen. "Die Haftanstalt ist unter Kontrolle, niemand leistet derzeit Widerstand", sagte Polizeichef Jorge Rodríguez. Alle Gefangenen hätten aufgegeben und ihre Waffen abgegeben, sämtliche Geiseln seien befreit. Etwa tausend Sicherheitskräfte hatten die Hochsicherheitsanstalt umstellt, die mitten in einem Wohnviertel von Córdoba liegt. Das Gefängnis ist für 700 Häftlinge ausgelegt. Derzeit sitzen 2000 Menschen dort ein.
Unter den Geiseln waren etwa 50 Besucher des Gefängnisses sowie 25 Angestellte, unter ihnen auch der Direktor. Die Meuterer drohten, ihm die Kehle durchzuschneiden. Vor den Toren der Anstalt spielten sich dramatische Szenen ab. Angehörige von Insassen versammelten sich dort und versuchten, die Polizei an der Erstürmung des Gebäudes zu hindern. Viele flehten die Meuterer an aufzugeben.
Der Aufstand begann am Donnerstagnachmittag (Ortszeit), als sich mehrere Häftlinge mit Messern bewaffnet und von Kapuzen verhüllt auf dem Gefängnisdach zeigten. Später trugen sie Pistolen, Gewehre und Automatikwaffen, die sie den Wärtern abgenommen hatten. In der Haftanstalt brach ein Feuer aus.
Vier Stunden nach Beginn der Revolte scheiterte ein spektakulärer Fluchtversuch. Etwa 16 Häftlinge versuchten, in einem Lkw aus dem Gefängnis auszubrechen. Am Steuer saß ein Wärter, den sie als Geisel genommen hatten. Als die Polizei den Lkw beschoss, prallte er gegen einen Baum. Zwei Häftlinge und ein Polizist starben. Insgesamt kamen im Verlauf der Meuterei fünf Häftlinge, zwei Wärter und ein Polizist ums Leben.
Die Meuterer hatten eine Verbesserung ihrer Haftbedingungen, eine Herabsetzung ihrer Freiheitsstrafen und die Anhörung ihrer Beschwerden durch einen Richter verlangt. Dies wurde ihnen aber verweigert.
(apa/red)
