Freitag, 11. Februar 2005

"Wir haben Atomwaffen": Internationale Besorgnis über Nordkoreas Bekenntnis

  • UN-Generalsekretär Annan für Verhandlungsrückkehr
  • Australiens Regierungschef Howard glaubt an Teil-Bluff

Das Bekenntnis Nordkoreas, im Besitz von Atomwaffen zu sein, hat international Besorgnis ausgelöst. UN-Generalsekretär Annan forderte Pjöngjang zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die Sechs-Länder-Gespräche über die Beendigung des Atomprogramms des kommunistischen Landes müssten so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden, sagte Annan bei einem Besuch in London.

Die Aussagen Nordkoreas über den Besitz von Atomwaffen sind nach Einschätzung des australischen Regierungschefs John Howard zum Teil auch "Bluff". Gleichwohl seien die Aussagen beunruhigend und erinnerten daran, "mit was für einem Land wir es zu tun haben", sagte Howard am Freitag in Sydney. "Da ist ein Element von Bluff enthalten, da bin ich mir sicher", sagte Howard weiter. Selbst wenn Nordkorea eine "gewisse atomare Kapazität" habe, so werde dies von der Führung in Pjöngjang "wahrscheinlich übertrieben". Niemand solle deshalb jedoch meinen, dass es sich nicht um ein "wirkliches Problem" handle, das mit größtem Geschick angegangen werden müsse.

Nordkorea hatte sich zuvor erstmals eindeutig zum Besitz von Atomwaffen bekannt und die Sechs-Länder-Gespräche mit den USA, China, Südkorea, Russland und Japan "auf unbestimmte Zeit" ausgesetzt. "Wir haben Nuklearwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt, um der immer unverhohleneren Politik der Bush-Regierung etwas entgegenzusetzen, die die Demokratische Volksrepublik Korea isolieren und in die Knie zwingen will", sagte ein Außenamtssprecher in Pjöngjang. Den USA warf Nordkorea erneut vor, durch eine "feindselige Politik" eine ernste Situation herbeigeführt zu haben und das Land mit einer "nuklearen Rute" zu bedrohen.

USA nicht überrascht
Die USA zeigten sich von der Existenz von Atomwaffen in Nordkorea nicht überrascht. Man sei schon vor längerer Zeit zu dem Schluss gekommen, dass Nordkorea Atomwaffen besitze, sagte Präsidenten- Sprecher McClellan. US-Außenministerin Rice warnte Pjöngjang aber davor, sich mit der Entwicklung der Waffen weiter zu isolieren. Sie fügte jedoch hinzu: "Es gibt keine Absicht der USA, Nordkorea zu besetzen oder anzugreifen."

Deutschland, Südkorea, Frankreich, Russland und Großbritannien zeigten sich über diese Entwicklung besorgt. China äußerte sich zunächst nicht. Nach dem öffentlichen Bekenntnis Nordkoreas zu seinem militärischen Atomprogramm rechnen Sicherheitsexperten mit baldigen Atomwaffentests der Regierung in Pjöngjang.

(apa)

11.2.2005 07:59