Donnerstag, 10. Februar 2005

Überschwemmungen und Erdrutsche: 19 Tote in Kolumbien & Venezuela zu beklagen

  • 25.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen
  • FARC-Rebellen in Kolumbien töten 17 Soldaten

Die schweren Regenfälle in Venezuela haben auf einem Friedhof in Caracas mindestens 120 Leichen aus ihren Gräbern geschwemmt. Bewaffnete Wachen mussten am Mittwoch den Friedhof abriegeln, um Grabräuber fern zu halten. Auf dem größten und ältesten Friedhof der venezolanischen Hauptstadt treiben häufig Grabschänder ihr Unwesen, um Leichen für Rituale der Schwarzen Magie zu stehlen. Durch den heftigen Regen der vergangenen Tage kamen landesweit bisher 14 Menschen ums Leben. Auch das Nachbarland Kolumbien meldete fünf Tote durch schweren Regen.

Der Chef des Friedhofs von Caracas, William Contreras, sagte, die ausgeschwemmten Kadaver sollten am Donnerstag gesucht und würdevoll erneut beerdigt werden. Den Angehörigen sicherte er Unterstützung zu. Viele der aus ihren Gräbern aufgetauchten Leichen waren bei dem schweren Unwetter vom 16. Dezember 1999 ums Leben gekommen, als insgesamt mehr als 10.000 Menschen starben. Mit Blick auf den befürchteten Leichendiebstahl durch Satanisten sagte eine Polizeisprecherin, es sei bereits ein Bub festgenommen worden.

In einem Slum nahe des Friedhofs wurde ein etwa zehnjähriges Mädchen getötet, als seine Hütte einstürzte. Laut Behörden wurden landesweit 14 Tote vermeldet. Darunter seien in der stark betroffenen nordwestlichen Provinz Carabobo auch eine Mutter und ihre fünf Kinder, die beim Einsturz ihres Hauses unter den Trümmern begraben wurden.

Von Erdrutschen und Hochwasser infolge der Regenfälle waren landesweit mindestens 5.000 Menschen betroffen. Mehr als tausend Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Fahrzeuge der Armee waren im Einsatz, um Menschen aus abgeschnittenen Orten zu retten - darunter 800 Touristen, die in Vargas Karneval feierten.

In Caracas ließ der Regen am Mittwoch nach, Meteorologen sagten für Donnerstag weniger Niederschlag voraus. Das Unwetter sollte jedoch Richtung Osten ziehen. Neben der Hauptstadt galt in sechs Provinzen weiterhin der Ausnahmezustand. Der Chef des Katastrophenschutzes, Antonio Rivero, sagte, er rechne damit, dass die Situation "in vier oder fünf Tagen" unter Kontrolle sei.

Im Nachbarland Kolumbien wurden laut Behörden durch die schweren Regenfälle in den vergangenen Tagen bisher fünf Menschen getötet. In der Gemeinde Ataco, 300 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogota, kamen eine Mutter und ihre drei Kinder ums Leben, als ihr Wohnhaus zusammenbrach. In der Gemeinde Giron, 400 Kilometer nordwestlich von Bogota, starb ein Mann in den reißenden Fluten eines Flusses. Die Häuser von bis zu tausend Familien wurden beschädigt.

Rebellen töten Soldaten
Linke FARC-Rebellen haben im Nordwesten Kolumbiens nach Angaben des Militärs mindestens 17 Soldaten in einem Hinterhalt getötet. Weitere 8 Soldaten würden vermisst, teilte ein Sprecher am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Es war einer der schwersten Schläge der Rebellen gegen das Militär seit dem Amtsantritt von Präsident Alvaro Uribe vor zweieinhalb Jahren. Auf Seiten der Rebellen habe es bei dem Gefecht mindestens 11 Tote gegeben. Zunächst war von insgesamt 20 Toten berichtet worden.

Die FARC hatten vergangene Woche eine Offensive gestartet, bei der schon etwa 60 Menschen getötet wurden. Kolumbianische Medien gingen davon aus, dass die marxistischen "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) Uribes Pläne für eine Wiederwahl durchkreuzen wollten. Uribe erfreut sich bisher einer hohen Beliebtheit, weil er mit ungewöhnlicher Härte gegen die Rebellen vorgeht und viele Landesteile wieder sicherer machen konnte.

In Antioquia sind Einheiten FARC und des ideologisch an Kuba orientierten "Nationalen Befreiungsheeres" (ELN) sowie rechte Paramilitärs aktiv.
(apa)

10.2.2005 12:19