Nordkorea gibt zu: "Haben Atomwaffen" - Sechs-Länder-Gespräche sind ausgesetzt!
- Außenministerium: "Um sich vor den USA zu schützen"
- Condoleezza Rice: "Verstärkt Isolation des Landes"
Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben über Atomwaffen. Die Waffen dienten dem Schutz vor einem Angriff der USA, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Außenministeriums, die von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde. Zugleich gab Nordkorea den Ausstieg aus den Sechs-Länder-Gesprächen über sein Atomprogramm bekannt. "Die gegenwärtige Realität beweist, dass nur mächtige Stärke Gerechtigkeit und Wahrheit schützen kann", hieß es in der Meldung weiter. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte Nordkorea zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Niemand wolle das Land angreifen, versicherte sie.
Nordkorea werde sein Atomwaffenarsenal stärken, um "seine Ideologie und sein Staatssystem zu schützen", hieß es in der Erklärung weiter. Den USA warf Nordkorea vor, "eine unverhohlene Politik zur Isolierung und Erstickung" des Landes zu verfolgen. Mit Blick auf den Ausstieg aus den Gesprächen mit den USA, China, Russland, Südkorea und Japan hieß es: "Wir haben die Sechs-Länder-Gespräche gewollt, aber wir sind gezwungen, unsere Teilnahme an den Verhandlungen auf unbestimmte Zeit auszusetzen." Allerdings stehe Nordkorea weiterhin zu seiner "grundsätzlichen Haltung", den Atomstreit "durch Dialog und Verhandlungen zu lösen", wobei das endgültige Ziel eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen sei.
Regierung Nordkoreas verärgert
Die nordkoreanische Regierung äußerte sich in dem Papier verärgert über jüngste Äußerungen der neuen US-Außenministerin Rice, die Nordkorea als "Außenposten der Tyrannei" gebrandmarkt hatte. Dies sei Beweis für die "feindliche Politik" Washingtons gegenüber Nordkorea. "Die Bush-Regierung brandmarkte die Demokratische Volksrepublik Korea, ihren Dialogpartner, als 'Außenposten der Tyrannei'. Dies beraubte die Demokratische Volksrepublik Korea jeder Rechtfertigung zur Teilnahme an den Sechsergesprächen."
Rice sieht weitere Isolation
US-Außenministerin Rice sagte bei einem Besuch in Luxemburg, Nordkorea verstärke mit seinem jüngsten Schritt nur noch seine Isolation. "Die Nordkoreaner haben keinen Grund anzunehmen, dass sie jemand angreifen will", sagte Rice in einem Interview des niederländischen Fernsehsenders RTL. "Ihnen wurde gesagt, dass sie multilaterale Sicherheitszusagen haben können, wenn sie die wichtige Entscheidung treffen, ihr Atomwaffenprogramm aufzugeben." Wie Rice forderte auch Frankreich Nordkorea zu einer sofortigen Rückkehr zu Verhandlungen auf.
Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi erklärte in Tokio, er werde weiter Überzeugungsarbeit leisten, um Nordkorea von Atomwaffen abzubringen. Auf die Erklärung zum Atomwaffenbesitz reagierte die japanische Regierung zurückhaltend. "Sie haben nichts grundsätzlich Neues gesagt", erklärte Kabinettsminister Hiroyuki Hosoda. Südkorea rief Nordkorea auf, "ohne Vorbedingungen" wieder mit Verhandlungen zu beginnen. "Wir bekräftigen, dass wir niemals tolerieren werden, dass Nordkorea Nuklearwaffen besitzt", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Außenministeriums nach einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Seoul am Donnerstag.
Die ohnedies seit längerem suspendierten Sechser-Gespräche zielten darauf ab, Nordkorea zur Einstellung seines Atomwaffenprogramms zu bewegen. Im Gegenzug sollte das Land Wirtschaftshilfe und Sicherheitsgarantien erhalten. Die dritte und bisher letzte Verhandlungsrunde war Ende Juni ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen.
Nordkorea auf Achse des Bösen
Bereits im Oktober 2003 hatte die staatliche Nachrichtenagentur gemeldet, Nordkorea stehe kurz vor dem Bau einer Atombombe. Alle damit verbundenen technischen Probleme seien gelöst, hieß es damals. Im vergangenen September hatte der stellvertretende nordkoreanische Außenminister Choe Su Hon vor Ministern der UNO-Generalversammlung gesagt, sein Land habe bereits waffentaugliches Plutonium zum Bau von Atomwaffen verwendet.
Die USA haben Nordkorea wie den Iran und den Irak vor dem Sturz von Saddam Hussein auf einer "Achse des Bösen" platziert. In jüngster Zeit hatte es aber wieder Zeichen für eine Entspannung zwischen Washington und Pjöngjang gegeben. So hatte es US-Präsident George W. Bush seit Beginn seiner zweiten Amtszeit am 20. Jänner vermieden, dem Land direkt zu drohen. Nordkorea hatte sich erst im Jänner nach einem Besuch von Abgeordneten des US-Kongresses zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche bereit erklärt.
(apa)
