Lebenszeichen von entführter Italienerin: Fleht auf Videobotschaft um Truppenabzug
- "Bitte helft mir, den Truppenabzug zu fordern"
- 'Niemand sollte in Irak reisen, nicht einmal Journalisten'
Die Videoaufnahme, in der die am 4. Februar in Bagdad entführte Journalistin Giuliana Sgrena unter Tränen und mit gefalteten Händen für den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak plädiert, schockt Italien. Millionen von Zuschauern sahen das vom Staatsfernsehen RAI gesendete Band, in dem die sichtbar mitgenommene Reporterin zitternd um das Ende der italienischen Irak-Mission fleht. "Bitte helft mir, den Truppenabzug zu fordern!", sagte die weinende Sgrena in einem Video.
Sgrena sprach teils auf Italienisch, teils auf Französisch. Hinter der Journalistin war ein Spruchband mit der Aufschrift "Mujaheddin ohne Grenzen" zu sehen. Im Hintergrund sprachen die Entführer in irakischem Dialekt. Sgrena, Reporterin der prokommunistischen Tageszeitung "Il Manifesto", bat die Italiener um Hilfe. "Das ganze italienische Volk muss mir helfen. Die Iraker wollen keine Besatzung, sie wollen keine Truppen und keine Ausländer. Niemand sollte in den Irak reisen, nicht einmal die Journalisten, niemand", sagte die 56 Jahre alte Reporterin.
Video erweckt Hoffnung und Trauer zugleich
Das Video, das der Redaktion der Nachrichtenagentur Associated Press in Bagdad übergeben worden war, löste Bestürzung, aber auch Hoffnung in Italien aus. "Giuliana ist sehr mitgenommen, aber wenigstens wissen wir, dass sie noch am Leben ist", so Pier Scolari, Lebensgefährte der Journalistin.
Scolari plädierte für den sofortigen Abzug der rund 3.000 italienischen Soldaten, die seit Juni 2003 im Südirak stationiert sind. "Ich fordere den Truppenabzug, nicht weil ich Giuliana retten will, sondern weil die italienische Mission im Irak ein Verbrechen ist", so Scolari. "Es ist offensichtlich, dass Giuliana gezwungen ist, diese Worte zu sagen", meinte er.
Eltern total geschockt
Die Eltern der Journalistin erklärten sich schwer besorgt. "Wir sind geschockt, die Haftbedingungen müssen für Giuliana sehr schwer zum Aushalten sein", betonte der Vater der Journalistin, Franco Sgrena.
Die altkommunistische Partei "Rifondazione comunista" sowie Sprecher der Grünen forderten das sofortige Ende der Irak-Mission. Erst am Dienstag hatte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi das Parlament aufgefordert, für das Dekret zu stimmen, das die Neufinanzierung der italienischen Irak-Mission vorsieht.
Demo geplant
Die Tageszeitung "Il Manifesto", für die Sgrena in den Irak gereist war, plant am kommenden Samstag in Rom eine Demonstration für die Freilassung der Journalistin. Der Demonstration wollen sich Anhänger humanitärer Organisationen, religiöse Gruppen und Frauenverbände anschließen.
(apa/red)
