Gewaltwelle rollt weiter: 36 Tote bei Angriff
auf Polizeistation südlich von Bagdad
- Letzte Warnung von Entführern italienischer Journalistin
- Rettung: Regierung in Rom beteuert vollsten Einsatz
·Irak: Journalistin aus Italien entführt
Echtheit des Bekenner- schreibens angezweifelt
Nach mehreren kleineren Anschlägen haben Aufständische im Irak am Sonntagabend ein neues Blutbad veranstaltet. Sie überfielen nach Einbruch der Dunkelheit eine Polizeistation südlich von Bagdad und lieferten sich anschließend ein einstündiges Feuergefecht mit den Sicherheitskräften. Dabei wurden nach Polizeiangaben 22 Polizisten und Soldaten sowie 14 Angreifer getötet. Unterdessen stellten die mutmaßlichen Entführer der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena ein nach eigener Darstellung letztes Ultimatum.
Der Angriff auf die Polizeistation ereignete sich in Mahawil, rund 80 Kilometer südlich von Bagdad. Die Aufständischen hätten automatische Waffen und Mörsergranaten eingesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Getötet worden seien 17 Polizisten und fünf Nationalgardisten. Außerdem habe es 18 Verletzte gegeben.
Im Norden der irakischen Hauptstadt war zuvor ein weiterer US-Soldat einem Sprengstoffanschlag zum Opfer gefallen. Auf den Internationalen Flughafen von Bagdad wurden zwei Raketen abgefeuert, eine dritte traf ein Gebäude der irakischen Nationalgarde im einem westlichen Vorort. Menschen kamen hierbei nicht zu Schaden.
Entführung von Journalistin: Weiterer Aufruf an Italien zum Abzug
Im Internet wurde am Sonntagabend eine neue Erklärung verbreitet, in der die italienische Regierung abermals ultimativ aufgerufen wurde, ihre Truppen bis Montagabend aus dem Irak abzuziehen. Die Forderung kam von der Islamischen Dschihad-Organisation, die sich schon zuvor zur Entführung von Sgrena bekannt hatte. Was anderenfalls mit der 56-jährigen Reporterin der Tageszeitung "Il Manifesto" passieren würde, wurde nicht mitgeteilt. Es hieß lediglich, das Schicksal der "italienischen Kriegsgefangenen" werde in naher Zukunft bekannt gegeben.
Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht bestätigt werden. Keine der Internet-Mitteilungen enthielt einen klaren Beweis dafür, dass Sgrena tatsächlich in der Gewalt der jeweiligen Absender war. Dies hat die Regierung in Rom skeptisch gestimmt. Italien hat rund 3.000 Soldaten als Teil der Koalitionsstreitkräfte im Irak stationiert.
Sorge in Italien um Journalistin wächst
In Italien wächst die Sorge um die im Irak verschleppte italienische Journalistin, Giuliana Sgrena, nachdem sich am Sonntagabend via Internet die Gruppe "Organisation des Dschihad im Zweistromland" zur Entführung bekannt und ein Ultimatum für den Abzug italienischer Truppen aus dem Irak gestellt hatte. Die Gruppe forderte die Regierung in Rom erneut zum Abzug ihrer Truppen aus dem Irak auf. Es handle sich um die letzte Nachricht, heißt es in der am Sonntagabend via Internet verbreiteten Erklärung. Ansonsten werde die "juristische Kommission" der Gruppe ihre endgültige Entscheidung über das Schicksal der 56-jährigen Reporterin treffen.
Die Organisation hatte bereits am Samstagabend gefordert, dass Italien bis zum Montagabend alle 3.000 im Irak stationierten Soldaten abzieht. "Dies ist die letzte Botschaft an die italienische Regierung; weder die Sicherheit noch die Stabilität können garantiert werden, solange sich auch nur ein einziger italienischer Soldat auf irakischem Territorium befindet", hieß es in der Mitteilung. Sgrena ist Korrespondentin der linken italienischen Tageszeitung "Il Manifesto".
Rom beteuert vollsten Einsatz
Die Regierung in Rom beteuerte ihren vollen Einsatz zur Rettung der Journalistin, unterstrich jedoch, dass sie ihre Truppen nicht abziehen werde. "Wir können uns den Erpressungen der Terroristen nicht beugen", betonte Außenminister Gianfranco Fini. Dieser hatte am Samstag die Freilassung Sgrenas gefordert. Im katarischen Fernsehsender Al Jazeera nannte Fini die Reporterin eine "Freundin des irakischen Volkes".
Zahlreiche Solidaritätskundgebungen sind in Italien für Sgrena geplant, die als Schriftstellerin und Islam-Expertin bekannt ist. Der EU-Justizkommissar Franco Frattini forderte Initiativen, um im Irak zu erklären, dass Sgrena sich für die Rechte der irakischen Frauen engagierte und für eine pazifistisch orientierte Tageszeitung schrieb. Im Gegensatz zur Regierung von Silvio Berlusconi lehnt "Il Manifesto" den US-Einmarsch im Irak und die anschließende Besatzung des Zweistromlandes durch ausländische Truppen entschieden ab. (apa/red)
