Vor Bildungsgipfel am Montag: Für SP-Cap ist Treffen nur 'Frontalunterricht und Show'
- Zu Gehrer: "Beugt sich Druck konservativer Pädagogen"
- Van der Bellen rechnet mit einem "Reform-Monolog"
·FPÖ gönnt Lehrern nur 5 Wochen Ferien
Umfassende Forderungen in der Bildungsdiskussion
·Österreicher sind für die Gesamtschule
Laut AK-Umfrage 54 % für die Sechs- bis 14-Jährigen
·Noch kein Konsens bei der Schulreform!
Streitpunkt gemeinsame Schule: VP strikt dagegen
·Parteien zur Schul- reform: Die ÖVP!
Werner Amon: "9. Pflicht- schuljahr besser nutzen"
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reform: Die SPÖ!
"Roter" Grundsatz: "Kein Kind zurücklassen"
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reform: Die FPÖ!
Freiheitliche treten für eine "große Reform" ein
·Parteien zur Schul-
reform: Die Grünen!
Grüne für Gesamtschule und Ende des "Poly"
Die SPÖ geht mit äußerst geringen Erwartungen in den so genannten "Reformdialog" zur Bildungspolitik am kommenden Montag. SP-Klubchef Josef Cap rechnete in einer Pressekonferenz am Freitag vor, dass bei dem Bildungsgipfel jeder der 70 Teilnehmer gerade einmal 45 Sekunden bis eine Minute Redezeit haben werde. "Wie damit ein Diskussionsprozess zu Stande kommen soll ist uns schleierhaft. Das ist letztlich Frontalunterricht, Show und keine Diskussion", kritisiert Cap. Ähnlich die Reaktion von Van der Bellen, der mit einem "Reform-Monolog" rechnet.
Zum Bildungsgipfel hingehen will die SPÖ aber trotz der geringen Erwartungen, um dort die Kritik an der Veranstaltung sowie an der Bildungspolitik der Regierung zu deponieren, wie Cap meinte. Außerdem wolle er sich die Referate von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und den Ministern anhören, so der geschäftsführende SP-Klubchef: "Ich möchte mir noch ein Mal diesen Frontalunterricht geben."
Dass Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) den SP-Vorschlag zur Abschaffung der Verfassungsgesetze in der Schulorganisation annehmen wird, glaubt Cap nicht. "Sie will die Gehrer-Schule bis zum Letzten verteidigen." Er plädierte erneut dafür, bis auf Schulpflicht und Schulgeldfreiheit sämtliche Verfassungsbestimmungen im Schulbereich zu streichen. Gehrer beuge sich in dieser Frage aber offenbar "dem Druck der konservativen Pädagogen".
Von den Vorschlägen Gehrers zur Nachmittagsbetreuung hält Cap nichts: "Das kann vielleicht die Ernährungslage der Schüler verbessern, aber das ist im Pisa-Bericht nicht drin gestanden."
Grüne sind für "großen Wurf"
Einen "großen Wurf, kein kleinliches Herumdoktern und Reformverweigerung" verlangen die Grünen als Konsequenz des Reformdialogs Bildung am kommenden Montag. Die dort beschlossenen Maßnahmen müssten sich auch in den folgenden Budgets widerspiegeln, forderte der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen bei einer Pressekonferenz am Freitag. Unter anderem verlangen die Grünen einen Rechtsanspruch der Eltern auf Ganztagsbetreuung oder den Besuch einer Ganztagsschule, die Einführung einer gemeinsamen Schule der Sechs- bis 15-Jährigen und ein Ende der Kürzungen bei den Pflichtschullehrern durch den Finanzausgleich.
An erster Stelle müsse eine Erhöhung der Lernmotivation stehen, so Van der Bellen. Es sei "unerträglich", dass mindestens 20 Prozent der Schüler über praktisch keine Lesekompetenz verfügen würden - ähnliche Probleme habe man im Bereich der "Grenzgenialen", also der guten Schüler, deren Anteil in anderen Staaten höher liege. Es müsse endlich Schluss mit der Förderung des Durchschnitts sein - auf die Schüler müsse individuell eingegangen werden.
ÖVP sei "zu feig"
Kritik übte der Grünen-Chef an der ÖVP, von der er nicht erwartet, dass sie das SPÖ-Angebot zur völligen Abschaffung der Zwei-Drittel-Mehrheit ("ein Relikt aus der Steinzeit") annimmt. Die ÖVP sei dafür "zu feig" und versuche stattdessen, über die fehlende Zwei-Drittel-Mehrheit die Schuld an fehlenden Reformen anderen Parteien zuzuschieben. Er habe außerdem den Verdacht, dass die Volkspartei das Problem der leseschwachen Schüler ignoriere, "weil sie glaubt, das sind nicht die Kinder ihrer Klientel".
Van der Bellen rechnet mit einem "Reform-Monolog"
Von der Veranstaltung am Montag erwartet sich Van der Bellen eher einen "Reform-Monolog" ohne interessante Ergebnisse - dies lasse schon die Referentenliste erahnen: So sei etwa "PISA-Erfinder" Andreas Schleicher von der OECD nicht eingeladen, auch PISA-Österreich-Chef Günter Haider stehe zumindest nicht auf der Referentenliste. Wenn die niederländische Bildungsministerin über die Schulaufsicht und ein finnischer Vertreter über die dortige Schulautonomie spreche, sei das zwar interessant, gehe aber am eigentlichen Problem vorbei. Auch vom Referat des ehemaligen deutschen PISA-Chefs Jürgen Baumert erwartet er sich wenig: "Für Inputs sind wir ja immer offen, aber dass jetzt das deutsche Schulsystem unser Vorbild sein soll, ist mir neu."
(apa)
