FP lässt in Bildungsdiskussion aufhorchen: Nur mehr 5 Wochen Ferien für Lehrer!
- Umfassende Forderungen in der Bildungsdiskussion
- PLUS: Österreicher sind mehrheitlich für Gesamtschule
·Österreicher sind für die Gesamtschule
Laut AK-Umfrage 54 % für die Sechs- bis 14-Jährigen
·Noch kein Konsens bei der Schulreform!
Streitpunkt gemeinsame Schule: VP strikt dagegen
·Parteien zur Schul- reform: Die ÖVP!
Werner Amon: "9. Pflicht- schuljahr besser nutzen"
·Parteien zur Schul-
reform: Die SPÖ!
"Roter" Grundsatz: "Kein Kind zurücklassen"
·Parteien zur Schul-
reform: Die FPÖ!
Freiheitliche treten für eine "große Reform" ein
·Parteien zur Schul-
reform: Die Grünen!
Grüne für Gesamtschule und Ende des "Poly"
In der Diskussion um die Bildungsreform lässt die FPÖ aufhorchen: Sie will die Ferien für Lehrer auf nur fünf Wochen reduzieren. Bei der Zwei-Drittel-Erfordernis für Schulgesetze zeichnet sich eine Einigung zwischen ÖVP und FPÖ ab. Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer (F) plädierte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz dafür, diese nur für Fragen der Schulpflicht und der Schulgeldfreiheit sowie der Klärung des Begriffs Schule festzuschreiben. Alle anderen Bereiche, also auch die Schulorganisation, sollten künftig mit einfacher Mehrheit beschlossen werden können.
Bei den entsprechenden Verhandlungen mit der ÖVP sei man "auf gutem Weg". Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) habe "größtes Interesse, als große Reformerin in die Geschichte der österreichischen Bildungspolitik einzugehen", so Schweitzer.
Gehrer will "große Reformerin" werden
Bei Fragen der Schulorganisation und der zeitlichen Abläufe will Schweitzer den Schulen weitgehend freie Hand lassen. Er sei aber überzeugt, dass eine gemeinsame Schule der Sechs-bis 14-Jährigen mit innerer Differenzierung durchaus Sinn habe. Gleichzeitig müsse aber der Förderunterricht für Schwächere und die Begabtenförderung sichergestellt werden. Möglich sein sollten auch Langformen, die sich zu "Eliteschulen" entwickeln und eventuell auch Aufnahmsprüfungen vorschreiben. Die Schuleinschreibung will Schweitzer um ein halbes Jahr auf ein Jahr vor dem Schuleintritt vorverlegen und beim Bestehen sprachlicher Defizite mit verpflichtender sprachlicher Frühförderung in einer Vorschule verknüpfen.
Statt der Direktoren sollten künftig "Schulmanager" an der Spitze der Schulen stehen, so Schweitzer. Diese sollten nicht aus dem Lehrkörper kommen, um eine echte Durchgriffsmöglichkeit auf die Pädagogen sicherzustellen. Als Aufgaben käme ihnen etwa die Erstellung eines Schulprofils bzw. einer Schulbilanz zu. Gleichzeitig sollten sie die Möglichkeit haben, sich von Lehrern auch zu trennen. Die Bestellung solle nicht durch parteipolitisch besetzte Gremien erfolgen, sondern durch eine möglichst unabhängige Kommission mit einem Mitspracherecht des jeweiligen Schulgemeinschaftsausschusses.
Ferien für Lehrer auf fünf Wochen reduzieren
Das derzeitige Jahresarbeitszeitmodell für die Pflichtschullehrer will die FPÖ auf alle anderen Lehrergruppen ausweiten. Es spreche nichts dagegen, dass Lehrer länger als 30 Stunden oder sogar 32 oder 35 Stunden pro Woche an den Schule anwesend sind, so Bildungssprecherin Mares Rossmann. Für die Nachmittagsbetreuung und den Förderunterricht sollen im Jahresarbeitszeitmodell die Stundeninhalte im so genannten "Topf C" neu definiert werden. Außerdem sollten arbeitslose Lehrer eingesetzt und mit Sportvereinen kooperiert werden. Weiters müsse klar sein, dass Sommerferien nicht automatisch freie Zeit für die Lehrer bedeute: So könnten etwa nach fünf Ferien-Wochen Förderunterricht und Nachprüfungs-Vorbereitung an den Schulen angeboten werden. Auch die Zeit vor Schulschluss müsse besser genutzt und die Konferenz durch eine Neuregelung der Noten-Einspruchsfrist nach hinten verlegt werden.
Die Ausbildung der Lehrer inklusive der Kindergärtner will die FPÖ komplett an die Pädagogischen Hochschulen verlegen - auch jene der AHS-Lehrer. An den Unis solle erst das Doktorat erworben werden. Vor Studienbeginn sollen sich die angehenden Pädagogen einem psychologischen Eingangstest unterziehen, bereits im ersten Semester müssten sie an den Schulen die Praxis erleben, forderte Rossmann.
Reformbedarf beim Poly
Reformbedarf sah Schweitzer auch bei der Polytechnischen Schule, die er zu einem Berufsfindungsjahr aufwerten will. Der positive Abschluss dieses Berufsfindungsjahrs soll künftig Voraussetzung für den Beginn einer Lehre sein. Umgekehrt würde dieses Zeugnis gleichzeitig auch als Nachweis des ersten Berufsschuljahrs anerkannt, womit nur mehr zwei weitere zu absolvieren wären. Vorteil: Das dritte Lehrjahr würde dann nur mehr im Betrieb verbracht.
Eltern wollen "Betreuungsmilliarde"
Für die Ausschüttung einer "Betreuungsmilliarde" in den kommenden fünf bis zehn Jahren plädieren die Eltern. Diese Summe solle verwendet werden, um vorschulische Bildung und ganztägige Betreuung der Kinder für alle Eltern erschwinglich zu machen, forderte der Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an den Pflichtschulen, Kurt Nekula, gegenüber der APA. Außerdem müsse es an allen Schulen einheitliche Eltern-Beiträge für die Nachmittagsbetreuung geben - es könne nicht sein, dass diese an den Bundesschulen bis zu 80 Euro im Monat koste und an Pflichtschulen wesentlich mehr.
Dafür müsse das Bildungsministerium bzw. der Bund Geld in die Hand nehmen, so Nekula: "Es reicht nicht zu sagen, liebe Gemeinden, verlangt's bitte nicht mehr." Es dürfe nicht nur vom Glück abhängen, ob man in einer Gemeinde lebe, deren Schulen niedrige Beiträge einhebt. "Zum Ausgleich braucht man Bundesmittel", so Nekula.
(apa)
