Umfrage zur Schulreform: Österreicher laut AK-Befragung klar für Gesamtschule
- 72% für verpflichtendes gebührenfreies Vorschuljahr
- PLUS: Noch kein Reform-Konsens - das sagen Parteien
·Noch kein Konsens bei der Schulreform!
Streitpunkt gemeinsame Schule: VP strikt dagegen
·Parteien zur Schul- reform: Die ÖVP!
Werner Amon: "9. Pflicht- schuljahr besser nutzen"
·Parteien zur Schul-
reform: Die SPÖ!
"Roter" Grundsatz: "Kein Kind zurücklassen"
·Parteien zur Schul-
reform: Die FPÖ!
Freiheitliche treten für eine "große Reform" ein
·Parteien zur Schul-
reform: Die Grünen!
Grüne für Gesamtschule und Ende des "Poly"
Die Mehrheit der Österreicher hält laut einer von der Arbeiterkammer (AK) in Auftrag gegebenen Ifes-Studie die Einführung einer gemeinsamen Schule für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren für sinnvoll. 72 Prozent sprechen sich für ein verpflichtendes gebührenfreies Vorschuljahr aus, 56 Prozent für ein Recht auf ganztägige Betreuung an den Schulen bis zum 14. Lebensjahr.
Insgesamt wird die Qualität des Schulsystems nur mehr durchschnittlich bewertet ("Notenschnitt" 2,5 nach 1,9 bis 2,1 in den vergangenen zehn Jahren), mehr als 90 Prozent der Befragten wünschten sich Reformen.
Für die Studie wurden Mitte Jänner 1.000 Personen im Alter von über 16 Jahren befragt. Für eine grundlegende Reform des Bildungssystems plädierten dabei 38 Prozent, für größere Reformschritte ohne viele Änderungen am System 15 Prozent und für kleinere Reformschritte in einzelnen Bereichen ebenfalls 38 Prozent.
54 Prozent für Gesamtschule
54 Prozent der Befragten treten für eine gemeinsame Grundschule der Sechs- bis 14-Jährigen mit individueller Förderung ein (37 Prozent dagegen) und 62 Prozent für eine Ausbildung aller Lehrer an Hochschulen (dagegen: 32 Prozent). Gespalten sind die Österreicher bei der Forderung nach einer verpflichtenden Anwesenheit der Lehrkräfte auch am Nachmittag - 45 Prozent halten dies für sinnvoll, 49 Prozent hingegen für nicht sinnvoll. Klar abgelehnt werden ein Aufsteigen mit zwei Nicht Genügend (16 Prozent dafür, 78 Prozent dagegen) und eine Schulpflichtverlängerung auf zehn Jahre (18 Prozent dafür, 78 Prozent dagegen).
Die Forderungen der Arbeiterkammer decken sich größtenteils mit den Umfrageergebnissen. AK-Präsident Herbert Tumpel verlangte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch den schrittweisen Ausbau flächendeckender ganztägiger Betreuung an den Schulen, mehr Schulversuche für eine gemeinsame Schule und den Ausbau der individuellen Förderung. Ob das verpflichtende Vorschuljahr im Kindergarten oder in der Volksschule verankert werden soll, sei noch auszudiskutieren, so Tumpel. Er persönlich halte auch eine Mischform für möglich. Dadurch würde sich aber jedenfalls die Schulpflicht von neun auf zehn Jahre erhöhen.
Auch ein Teil der Lösung der Lehrstellenproblematik liegt für Tumpel im Schulbereich. Es sei ein Faktum, dass die Lücke zwischen dem Angebot an Lehrplätzen und der Zahl der Lehrstellensuchenden immer größer werde. Wenn die Argumentation der Wirtschaftskammer stimme, dass ein Großteil der Unternehmen Lehrstellensuchende wegen mangelnder Qualifikationen abweise, müsse dies automatisch zu einer Debatte über die Qualität der Schule führen.
Bei einer (mit weniger Befragten durchgeführten) Umfrage der Info-Illustrierten "News" in der Vorwoche hatten sich nur 36 Prozent für eine gemeinsame Schule ausgesprochen, 59 Prozent waren für die weitere Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule.
(apa)
