Donnerstag, 10. Februar 2005

Aufreger Telefonquizsendungen im TV: Heftige Proteste gegen den Sehernepp!

  • TV-MEDIA: Abzock-Shows unter schwerem Beschuss
  • ORF-Quiz kommt jetzt sogar vor den Stiftungsrat

Die Abzock-Quizsendungen im TV stehen unter schwerem Beschuss: Der TV-MEDIA-Report über den Sehernepp mit Telefonquizsendungen stieß auf enormes Echo: Denn die Call-in-Shows, bei denen ORF, ATV+ und RTL 2 (im Österreichfenster) via Mehrwertnummern Millionen Euro abkassieren, führt nun zu immer stärkeren Protesten bei TV-Sehern und Telefonkunden.

Wie brutal die Abzocke ist, belegen neue Fakten:

  • Die Mobilfunkunternehmen Mobilkom, T-Mobile und One berichten von jeweils Hunderten Fällen (!) überhöhter Handyrechnungen, die von ihren Kunden nach der Teilnahme an Call-in-Shows beanstandet wurden. Eine Mobilkom-Sprecherin zu TV-MEDIA: „Die Betroffenen melden sich bei uns, urgieren eine weit niedrigere Anzahl von Telefongesprächen als auf der Rechnung ausgewiesen. Das Problem dabei: Die Kunden merken selbst nicht, wie oft sie die Wiederholungstaste am Handy drücken.“

    Alarmierend: In einigen Fällen kommen Teilnehmer auf bis zu 600 Anrufe beim Quiz-TV. Bei satten 70 Cent pro Anruf holen sich die TV-Sender damit bis zu 420 Euro von einem einzigen (!) gutgläubigen Seher ab. Vor allem das ATV+-Quiz Anrufen und gewinnen (täglich um 11.00 Uhr) steht hier massiv in der Kritik.

    Erste Folge: Sowohl die Konsumentenschützer vom Verein für Konsumenteninformation als auch das Konsumentenschutzministerium wollen sich der Sache nun verstärkt annehmen …

  • Ebenfalls noch lange nicht abgeebbt ist die Empörung über die Einführung eines Telefonquizspiels auf RTL 2. Im Austrofenster des deutschen Privaten ersetzt das Telefonquiz Call II Win seit Jänner die beliebten japanischen Zeichentricksendungen (Mo. bis Fr., 13.15 Uhr).

    Kabel-TV-Kunden, die mit dem TV-Quiz zwangsbeglückt werden, lassen ihren Ärger deshalb seit Wochen bei den Kabelunternehmen aus. Gustav Soucek vom Interessenverband der Kabelbetreiber (Multimedia Austria) zu TV-MEDIA: „Wir zählen pro Woche bis zu 300 Beschwerden. Viele Kabel- TV-Kunden sind äußerst erzürnt. Die Sendung hat nichts mit österreichischen Inhalten für ein österreichisches Programmfenster zu tun, sondern dient rein der Gewinnmaximierung. Wir sind extrem unglücklich darüber.“ Soucek sind freilich die Hände gebunden. Die Kabelunternehmen müssen das von RTL 2 gewünschte Programm ins Kabel- TV einspeisen …

    Leiser Hoffnungsschimmer für die Fans des abgesetzten RTL-2-Kinderprogramms, das in Deutschland (und hierzulande über Satellit) ohne Probleme zu empfangen ist: RTL 2 überlegt dem Vernehmen nach bereits Änderungen im Austro-Programm. Besonders in Linz, wo das Kabel-TV-Unternehmen Liwest 40 Kündigungen empörter Kunden zählt, soll eine Lösung gefunden werden. Zentrales Argument für eine Verschiebung bzw. Absetzung der Sendung: Die RTL-2-Einschaltziffern sind – wohl wenig überraschend – seit Start des dümmlichen TV-Quiz um satte zehn Prozent gesunken.

  • Die TV-MEDIA-Berichterstattung über die ORF-Praktiken in Sachen Telefonquizspiele – viermal pro Woche geht in ORF 2 (0.40 Uhr) die Call-in- Show Quiz Express on air, bei der ein Zufallsgenerator die Teilnehmer bestimmt – hat ebenfalls Folgen.

    Nach dem ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Klaus Pekarek („Glücklich bin ich mit dieser Sendung nicht“) melden sich mit Caritas-Chef Franz Küberl und SP-Vertreter Karl Krammer zwei weitere Mitglieder des obersten ORF-Kontrollorgans kritisch zu Wort. Küberl übers ORF-Telefonquiz, bei dem im Gegensatz zum Privat-TV Wissensfragen gestellt werden: „Der ORF betreibt hier eine Gratwanderung, bei der man leicht abstürzen kann. Dieser Typus Sendung ist mir nicht recht. Der ORF muss nicht der Beste unter den Schlechten sein.“ Und Karl Krammers Forderung im TV-MEDIA-Talk: „Ich wünsche mir mehr Aufklärung für die Seher. Die Quizteilnehmer müssen wissen, worauf sie sich bei der Sendung einlassen.“ Nachsatz: „Der ORF darf nicht abcashen, sondern soll sein Geld fair verdienen.“


    Konkrete Folge der Kritik: Sowohl Küberl als auch Krammer wollen das fragwürdige ORF Telefonspiel zum Thema der nächsten Stiftungsratssitzung am 16. März machen.

    Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von TV-MEDIA!

    10.2.2005 16:51